Talking ’bout a … – Anmerkungen zu #Blockupy.

Wenn sich Menschen gegen die Herrschaft auflehnen, bin ich grundsätzlich solidarisch. Meine Solidarität wird in dem Moment aber zu einer kritischen, wenn ihr Appell der nach einer besseren Herrschaft ist und zusätzlich noch mit Ankündigungen wie dieser garniert wird: »12:35h #Frankfurt Paulsplatz: Pfiffe gegen die unverständlichen Polizeidurchsagen. Konstantin Wecker singt gleich durchs Megaphon. #Blockupy«. Das geht nun, mit Verlaub, wirklich zu weit. Weil aber auch kritisch-solidarisches Verhalten das solidarisch noch in sich trägt, ignoriere ich das Weckersche Treiben und versuche mich stattdessen in Diskursanalyse. Im Internet. Bei Twitter! Das verspricht doch witzig zu werden. Humor für Leute mit Humor. Aber ernsthaft. Im Folgenden: 3 Blöcke. 1. Block: Die Versammlungsfreiheit. 2. Block: Polizei, Gewalt und Friedlichkeit. 3. Block: Versammelte Kuriositäten in 140 Zeichen.

1. Die Versammlungsfreiheit – Fluch und Segen eines guten Idealismus.

Die Vergleiche, die man ob des Verhaltens von Legislative, Judikative, Exekutive und Pressekative anstimmte, waren vielfältig, meistens krude und selten auf den Punkt. Damit meine ich auf irgendeinen. Spätestens nach 2 Stunden Tweets lesen, waren meine Erwartungen geschrumpft. Armin H. aus F. witterte den Geruch von »Schönwettergrundrecht«, Rainer wusste zu vergleichen: »#Blockupy Veranstaltungen werden verboten! #NAZIS dürfen regelmäßig in deutschen Städten aufmarschieren!« Marie Laveau sah das ähnlich. Andreas Marktzyniker hingegen erklärte die Stadtregierung Frankfurts kurzerhand zur »schwarz-grünen Junta« und fragte, wann denn wohl das Kriegsrecht verhängt werden würde. S. Fischer fühlte seine Menschenrechte direkt »mit Füßen getreten«. Hui ui ui. Da in Frankfurt scheint ja ganz schön was los zu sein. Ist es aber gar nicht.Verschiedene linke Gruppe haben zu Aktionstagen aufgerufen, im gemeinsamen Aufruf heißt es, dass man »am 18. Mai den Geschäftsbetrieb der Banken in Frankfurt blockieren« werde, um wütend zu sein. Am 17. Mai wolle man zentrale Plätze besetzen (der 17. Mai begann dann mit der Räumung des Empörten-Camps durch die Polizei) und am 19. Mai eine breite, lustige, bunte und was man halt sonst noch so auf Demos haben will Demo veranstalten.

Verschiedene Gerichte haben dann eigentlich alles verboten – bis auf die Demo am Samstag. Warum? Nimmt man die Begründungen der Occupy-Twitterer_innen liegt es auf der Hand. »Legitimer Protest« solle unterdrückt werden, während der Staat ja offensichtlich nichts gegen Nazis unternehme. »Grundrechte« würden ausgehöhlt. Jetzt heißt es im Art. 20 GG zwar, dass »alle Staatsgewalt vom Volke« ausgeht, aber im Satz danach, der von denen, die vor einigen Momenten mit dem Buch in der Hand rumwedeln, anscheinend nicht gelesen wurde, »sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen […]« ausgeübt. Artikel 18 GG schreibt fürderhin fest, dass wer die Grundrechte »zum Kampfe gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung mißbraucht« diese Grundrechte verwirke. Jetzt wollen die Empörten in Frankfurt natürlich keinesfalls die Grundordnung antasten, nein, nein. Ihr Protest richtet sich gegen eine schlechte Repräsentation in der Politik und »Verschwendung« oder »Gier« im Finanzsektor. Sie wollen dementsprechend »echte Demokratie« und »gezügelte Finanzmärkte«. Das weiß auch die Rechtsprechung (und wenn auch erst die höchstrichterliche im Nachhinein, wenn es halt alles schon vorbei ist). Wenn die Protestierenden sich aber auf die Grundrechte berufen, machen sie sich einen Idealismus von diesen zu Eigen. Die sind nämlich gar nicht festgeschrieben worden, um die Wohlfühloase jener zu bilden, die vom kapitalistischen Betrieb enttäuscht wurden, sondern im Gegenteil zur Aufrechterhaltung der kapitalistischen Wirtschaft als Geschäftsgrundlage der Demokratie.

Und das heißt jetzt konkret? Das heißt konkret, dass ein Protest, der für einen ganzen Tag einen der zentralen Orte des marktwirtschaftlichen Treibens stilllegen möchte, außerhalb des demokratischen Normalvollzugs verortet und als solcher eben nicht geduldet wird. Die Demo am Samstag ist erlaubt, so wie Nazi-Demos durch irgendwelche Provinzkäffer erlaubt werden. An diesem Vergleich zeigt sich nicht, wie oben vermutet, die Aushöhlung der Grundrechte, sondern die abstrakte Gleichheit jener. Die Einzelinteressen, und seien es die der Mehrheit, zählen nicht, im Gegenteil ist die Staatsgewalt angetreten, das Gesamtinteresse gegen die Einzelinteressen durchzusetzen. Der Wille des Volkes, das Handeln des Volkes, meint nicht das Handeln der Individuen, sondern das Handeln einer Abstraktion (vgl. dazu Der bürgerliche Staat, §2 Souveränität – Volk – Grundrechte – Repräsentation), wie Gesellschaft nicht aus den einzelnen Menschen besteht, »sondern die Summe der Beziehungen, Verhältnisse, worin diese Individuen zueinander stehen« (Marx) ausdrückt. Das Problem ist also nicht, dass die Grundrechte nicht gelten und »legitimer Protest« unterdrückt wird, dass Problem ist, dass die Grundrechte einer Gesellschaft gelten, die fundamentale Kritik (und sei sie noch so zahnlos) an ihr als Grundrecht ausgeschlossen hat. In anderen Worten: Die Protestierenden wollen gegen ein vom Staat geschütztes Wirtschaftssystem angehen und wundern sich dann, wenn der Staat es schützt. Das Berufen auf die Versammlungsfreiheit verbleibt so in der Beschränkung der Demokratie gefangen. Das Aufbringen von Bussen (z.B. aus Berlin), die auf den Weg zu diesen Versammlungen sind, die momentan schlicht und ergreifend verboten sind, ist nichts weniger und nichts mehr als das Durchsetzen der Rechtslage. Nach dieser ist es nämlich verboten, zu verbotenen Veranstaltungen anzureisen.

2. Polizei, Gewalt und Friedlichkeit.

Zu den größeren Aufregern des gestrigen Tages gehörte es, man mag es Farce nennen, dass tatsächlich ein Bulle eingesetzt wurde, der im Zuge der S21-Proteste mal Demonstrant_innen geschlagen hat. Für die Kommentator_innen des öffentlich-basisdemokratischen Kurznachrichtenfunkes Grund genug für einige Vermutungen. Für die einen ist er Nazi, die anderen rufen ihn dazu auf, »sich gleich mal von #Blockupy zu verpissen« ein anderer (ich habe den Tweet leider ausgedruckt und dann verlegt) scheint es offensichtlich, dass der unliebsame Ordnungshüter geschickt wurde, um die Protestierenden zu provozieren. Nicht, dass die Anwesenheit von ein paar hundert Bullen Grund genug wäre, sich provoziert zu fühlen. Dieser eine spezielle ist das. Wenn man das auf alle bundesdeutschen Hundertschaften und Streifenbullen anwenden würde, die im Dienst schon mal jemanden geschlagen haben, hätte vermutlich jeder Polizeieinsatz den alleinigen Grund die Betroffenen durch Anwesenheit bestimmter Einzelfälle zu provozieren. Nene. Nichtsdestoweniger hallen die Aufrufe durch die Gänge, dass man sich auf keinen Fall provozieren lassen soll, dass die Friedlichkeit die stärkste Waffe des Protestes sei usw. Stimmt schon, die Staatsgewalt, gewandt gegen das Volk, das gibt immer feine Bilder in den bundesdeutschen (vielleicht gar weltweiten!) Medien ab. Danach wird dann zwei Tage ein wenig Kritik geübt. Nicht an der Staatsgewalt an sich, sondern an den Ausschweifungen jener. Vielleicht gibt es noch eine Runde bei Jauch, in der der Bundesinnenminister »hart durchgreifen« sagt (was anderes kann er nämlich gar nicht sagen, Berufskrankheit), Geißler den Schlichter spielt (Knüppel: ja, aber mit Zuckerwatte), Schäuble sagt »Es ist ja nicht alles gut, deswegen bin ich mal hierher gekommen« und im Publikum Leute mit hässlichen T-Shirts sitzen, die dann auch mal befragt werden, um der Basisdemokratie Genüge zu tun.

So weit wird es aber nicht kommen. Wenn es nach dem Willen der Protestierenden geht. Zwar bringt sie das in ein Dilemma, das irgendwo in den tausenden Kommentaren auch mal erkannt wurde: Ohne Gewalt wird gar nicht berichtet, mit Gewalt nur über die Gewalt. Da alleinig der Maßstab »Es wurde berichtet« reicht (für Satisfaktion oder Shitstorm), kann ein klein wenig Gewalt den Protestierenden nur recht sein. Ist es aber nicht. Man muss sich ja alleine schon »von Chaoten abgrenzen« – während Pressemeldungen veröffentlicht werden, dass der Protest sich keinesfalls spalten lasse. Von Zeit zu zeit heißt es, dass die staatliche Gewalt zu akzeptieren sei und es halt keine Gewalt neben ihr geben dürfe (Grundgebote, Artikel 2). Zwar ist man sich nicht zu blöd (s. Absatz 3) sich auf eine Stufe mit den Protestierenden weltweit zu stellen, aber friedlich. Weiteres zur Gewalt will ich an dieser Stelle nicht anmerken und verweise stattdessen auf einen alten Artikel zur Gewalt, einen Text zur Militanzdebatte und eine kommende Rezension des Buches »Von der Diktatur zur Demokratie« von Gene Sharp in diesem Blog.

3. Kuriositätenkabinett.

Deadline für dieses Kabinett ist 15.40h gewesen, man muss ja irgendwie zum Ende kommen, die Auswahl ist vollkommen subjektiv und sicherlich nicht komplett.

»Ok, wenn die Banklobbyisten #Blockupy Demo verbieten, Plan B: Konten leer räumen. Und zu Sparkassen wechseln.« (Frank)

»#OCCUPY #REICHSTAG RT @broeselbub: Totalitäre Staaten verbieten Demos, weil sonst was über üble Machenschaften nach außen dringt. #Blockupy« (Schwarz Weiß)

»›Dieser Zug hält nicht an der #Taunusanlage!‹ Müsste ich da jetzt hin wäre ich ziemlich sauer! #Blockupy #Frankfurt« (Oliver Schellpepper)

»Spontan-Demos mit 3 Leuten können nicht verboten werden#Blockupy #Frankfurt #Occupy http://t.co/BmsxFS7U« (Zimbi)

»#blockupy Diese Protestler müssten jede Uniform die sie mit Farbe versaut haben ausnahmslos bezahlen. Kein Pardon für Störenfriede…« (Strolch von nebenan)

»Uni #Frankfurt wird wegen #Blockupy geschlossen. Asta ist über autoritäre Präsidiumspolitik schockiert http://t.co/6SBDlylr« (ak. analyse & kritik)

»Das bespritzen von Polizisten ist NICHT friedlich! #Occupy ist NICHT friedlich! Blockadecamps sind NICHT friedlich! #frankfurt #Blockupy« (Luca Leittersdorf)

»RT @Dahonk: Was gerade in Frankfurt passiert, erinnert mich an die letzten Tage der DDR 1989. Danach brach das System zusammen.#blockupy« (Thom Twitting)

»#zumglueck89nichtaufdiestrasse ›16 Menschen wurden vorläufig festgenommen‹ (Frankfurt) & ›18 Menschen wurden festgenommen‹ (Baku) #blockupy« (Else)

»Es ist leichter in Teheran gegen die Mullahs zu demonstrieren, als in Frankfurt gegen die Globalisierung #blockupy« (H. Martin)

»Wann verhängt die schwarz-grüne #Junta wg. #Blockupy das Kriegsrecht über #Frankfurt? Was kommt noch? #Ausgangssperren?#cdu #grüne #fail« (Andreas Marktzyniker)

»Wenn meine Schule uns schon nach Hause schickt um unsere Sicherheit zu gewähren, heißt das was. #Blockupy« (Jessy.)

 

Meine Freiheit, deine Freiheit.

Über wohl kaum ein Wort lässt sich so viel philosophieren, Unsinn reden, anderen Ahnungslosigkeit vorwerfen oder einfach nur mal gut oder schlecht fühlen, weil zu viel oder zu wenig, wie über das der Freiheit. Freiheit ist überall, Freiheit ist nirgendwo, Freiheit sind Gedanken, Freiheit hat jede_r in der Westentasche. Jede_r versteht was unter Freiheit und alle, von Luxemburg bis Patrick Döring, halten die Freiheit für ein hohes Gut. Die einen wollen die Freiheit zum Kiffen, die nächsten im Internet, wieder andere wollen ganz frei sein. Es scheint, dass in der pluralistischen Meinungsbildung Deutschlands bei der Freiheit für einen Moment Harmonie einkehrt, alle »We shall overcome« anstimmen und sich erst im nächsten Moment über Steuern, ACTAPIPASOPA, Griechenland und Landtagswahlen zerfleischen. Pustekuchen.

Denn so, wie jede_r den universalen Wert der Freiheit anerkennt, meinen auch alle etwas anderes, wenn sie von Freiheit reden. Zumindest etwas anderes, als die anderen. Zwar ist man sich weitestgehend einig, dass »Freiheit die Freiheit der anders Denkenden« (Luxemburg) sei. Das war es dann aber auch schon. Zur Bebilderung nehmen wir mal kurz die Bundespolitik. Da gibt es den Vorsitzenden einer Partei, die sich liberal nennt, Patrick Döring heißt jener. Dieser wirft der Piratenpartei vor, dass jene »ein beschränktes Verständnis von Freiheit [haben]. Sie sind befangen im Freiheitsbegriff des Pubertierenden, wir von der FDP stehen zu dem des Erwachsenen. Sie fragen nur nach ›Freiheit wovon?‹. Wir fragen nach ›Freiheit wozu?‹.« Nun, das Distinktionsmerkmal »Wir sind ja so erwachsen« ist an dieser Stelle verunglückt, albern, man möchte beinahe »kindisch« sagen, aber darum geht es hier gar nicht. Die Frage nach dem wozu, dem Zweck der ganzen freiheitlichen Veranstaltung ist aber schon mal eine gute. Ja, wozu denn die ganze Freiheit? Weil Döring diese Frage nicht beantwortet, bin ich mal so frei.

Ganz einfach, und da wird mir in der FDP vermutlich niemand widersprechen: Zum Geld verdienen. Nur ist das, und jetzt wird mir jede_r in der FDP widersprechen, kein sinnvoller Zweck. Wie wir alle in unserem Aufbaukurs Marx gelernt haben, geht das in großem Stile nämlich nur, wenn man sich Produktionsmittel aneignet, arme Pauper verpflichtet irgendwelche Dinge für einen herzustellen und am Ende weniger Kosten als Einnahmen in der Bilanz stehen hat. Wenn also einige wenige auf die Kosten vieler wirtschaften. Glück (ob in Lotterien oder Wertpapiergeschäften) sei hier mal vernachlässigt.

Dazu garantiert der demokratisch-aufgeklärte Staat noch ein paar Bonusfreiheiten. Die Freiheit sich seinen Wohnort im Staatsgebiet auszusuchen (wenn man sich die Gegend leisten kann). Die Freiheit alles und jede_n zu kritisieren (im Rahmen des Grundgesetzes). Die Freiheit Presse zu drucken (wenn man es sich leisten kann). Diese Freiheiten sollen bitte für alle gelten, so ganz im idealen Durchschnitt. Dass unterschiedliche Zugänge zur Freiheit auch unterschiedliche Möglichkeiten sich jener zu bedienen meint, kann unterschlagen werden. Man solle doch wenigstens mal die Chance haben, sich zu äußern.

Das wäre also die grob umrissene Freiheit, zu der man sich ins Recht gesetzt fühlen darf. Aber auch die Kehrseite, also das, was Döring als »beschränkte« Definition der Freiheit bezeichnet, soll hier gewürdigt werden. Die Freiheit von. Die Ex-Proletarier, heute Ichmachwasmitmedientarier, »Hartzer« oder Überbleibsel jenes Proletariats, das sich mal in Fabriken und Kohlenschächten um Leib und Leben rackerte, haben auch keine große Wahl. Manchmal haben sie nicht mal diese und sind darauf angewiesen, dass ein staatliches Gefüge existiert, das die Unausgebeuteten vor dem Elendstod schützt. Mit Marx: Die Freiheit von Leibeigentum und die Freiheit vom Besitz an Produktionsmitteln. Weiter: »Es handelt sich um die Freiheit, sein Privatinteresse gegen die anderen Subjekte zu verfolgen. So sind Erfolg oder Misserfolg in die Verantwortung der Individuen gestellt, die die Zwänge des Wettbewerbs an sich und anderen vollziehen müssen.« So steht es im Reader Der bürgerliche Staat der Gruppe 3 aus Göttingen, der nebenbei unbedingt empfehlenswert ist, wenn man was über die Verfasstheit der staatlichen Herrschaft lernen möchte. Aber weiter im Text: Die persönliche Freiheit der Individuen ist nicht ohne Einschränkung jener zu haben. Besonders deutlich wird dies in einer Gesellschaft, in der alle gegen alle in der Konkurrenz stehen, oder (wieder aus dem Reader): »Der häufig bejammerte Egoismus der Privatmenschen ist aber bitter nötig, um in einer Gesellschaft zurechtzukommen, die dem Einzelnen keine andere Wahl läßt, als zu versuchen, seine Anliegen gegen alle anderen MitbewerberInnen durchzusetzen. Wäre dies nicht so organisiert,würde sich der Aufruf zu ›mehr Mitmenschlichkeit‹ als überflüssig herausstellen, weil dann
ohnehin niemand eine solche Feindseligkeit der Interessen voraussetzen müßte.« Freiheit und die Einschränkung der Freiheit bedingen also einander. Wenn die Menschen es für ein taugliches Mittel zum Auskommen halten würden, mal auf den eigenen Vorteil zu verzichten (was im Kapitalismus freilich den Untergang bedeutet), und kooperativ die anfallende Tätigkeit erledigen würden, dann bräuchte man auch kein Gewaltmonopol mehr, das dafür sorgt, dass sich die Menschen im Namen ihres eigenen Willens nicht abschlachten.

Und da sind sich Piraten und FDP dann schon wieder näher, als sich aus den Nebelkerzen Dörings oder dem Spott der Piraten ob der zeitweilig unterirdischen Wahlergebnissen der FDP entnehmen lässt. Sowohl die Freiheit von staatlichen Eingriffen beim Ausleben des eigenen Individualismus im Internet und auf der Einkaufsmeile, als auch die Freiheit zum Geld verdienen, Ausbeuten und dem Annehmen von Geldern irgendeiner Industrie, meinen nichts weniger als die Vorraussetzung kapitalistischer Konkurrenz.

Aber was dann? Vielleicht wäre es an der Zeit gegen den Idealismus einer »herrschaftsfreien« Gesellschaft, mit dem einer freiheitsfreien Gesellschaft anzukämpfen. Eine Bewegung, die den jetzigen Zustand aufhebt, lässt sich jedenfalls nur schwerlich mit Individuen machen, die den jetzigen Zustand denken und diese Gedankenform für Emanzipation halten. Womit wir auch die Pathetik gewürdigt hätten.

Übrigens: Dass die USA ihr neues hochhausgewordenes Nationaldenkmal »Freedom Tower« (Fragmente sind auf den Bildern dieses Posts zu erkennen) nennen werden und damit die Unterdrückung weiter Teile der Welt in Glas, Beton, Stahl und High-Tech gießen, darf man ruhigen Gewissens symptomatisch für die Freiheit, die alle meinen aber keine_r definiert, nennen.

Deutschland, du bist Deutschland!

Die Anklage in der Überschrift klingt redundant? Zugegebenermaßen. Aber ich will auch mal Gesellschaftskritik auf dem Level der nicht-mehr-ganz-so-neuen-antideutschen-Popmusik betreiben. Zuerst aber ein kleiner Blick in die Geschichte. Im Jahre 2006 fand in Deutschland eine Sportveranstaltung statt, bei der irgendwelche Männer irgendwelchen Bällen hinterherliefen und irgendwelche anderen fanden, dass das jetzt ein Supergrund sei auf die Männer, alle anderen Männer und ganze Nationen stolz zu sein. Gegen diese Welle des Hurra-Patriotismus stemmte sich wacker Egotronic. Die nahmen »Ten German Bombers« neu auf. Eine solche Provokation, dass sich selbst Spiegel Online genötigt sah, mit den Beteiligten mal ein ernstes Wörtchen zu reden. Was nicht einfach ist, wenn die Beteiligten kein ernstes Wörtchen mehr reden können. Heraus kam dieser Beitrag. Was man damals »keine Ahnung […] uncool […] keine Ahnung« fand, existiert heute immer noch. Grund genug für die Stars der nicht-mehr-ganz-so-neuen-antideutschen-Popmusik (»Frittenbude, Egotronic und die Tiere«) eine Erneuerung der verblichenen Kritik zu versuchen. Wo damals noch aus der Perspektive des Bomberpiloten über Deutschland geredet wurde, versucht sich Frittenbude im Dialog mit Deutschland. Und was sie haben sie Deutschland zu sagen? »Du fühlst dich immer noch so deutsch an.« Was, ja was, mag man den Popstars zurufen, solle Deutschland denn bitte sonst sein? Kommunistisches Wohlfühlparadies, Champagnerbecken, Straßen aus Zucker? Es endet zugegebenermaßen meistens peinlich, wenn sich Linke auf die Kunst stürzen und versuchen Gesellschaftskritik zu vermitteln. Oder noch genereller: Es endet meistens peinlich, wenn Menschen versuchen Gesellschaftskritik zu vermitteln. Fairerweise: Es endet meistens peinlich, wenn Menschen etwas versuchen. Unfairerweise: Selbst der Bericht bei Spiegel Online hatte noch mehr Substanz. Auch wenn die aus Speedresten in den Nasen der Protagonisten bestand. Die Empörung, die Frittenbude & Co versuchen zu repräsentieren, ist keine mehr. Wo Kinski noch beleidigte und Nikel Pallat immerhin versuchte das Interieur eines Fernsehstudios zu zertrümmern und die Mikrophone zu entwenden, lassen sich die nonkonformen Musiker heutzutage zum Abschied brav die Hand geben. Vermutlich, weil man irgendwie erfahren muss, wie sich Deutschland anfühlt. Was bleibt, ist ein fürchterlich belangloser Ohrwurm.

Wie es auch anders geht (nämlich betrunken, lustig und treffend) zeigte Olli Schulz als Charles Schulzkowski ein paar Wochen vorher in derselben Sendung:

Ihr seid nichts als linke Spießer.

Zugegeben, dieser Artikel ist Nachtreterei. Aber: Sie haben es nicht anders verdient. Als die revolutionäre 1. Mai-Demo, eines der Highlights linker Identitätspolitik in Deutschland, von Einheiten der Polizei angegriffen wurde und sich dagegen wehrte, verlagerten sich die Ausschreitungen auch in die Lindenstraße. Das ist nicht die aus dem Fernsehen, aber immerhin gibt es dort momentan eine Baustelle, also Bauzäune, also astreines Barrikadenmaterial. Nun, das mit den Barrikaden kann die deutsche Linke nicht mehr, weswegen auch nicht viel mehr passierte, als dass die dort stehenden Zäune umgerissen wurden. Die berlinische Qualitätspresse (B.Z.) wusste in ihrem Ticker zu schreiben, dass »das Jüdische Museum mit Steinen beworfen [wurde]«.

Das wäre ein Problem. Wäre, weil es nicht passiert ist. Ein Problem, weil Angriffe auf jüdische Einrichtungen nichts weniger als antisemitisch wären. Nun, die normative Kraft des Erfundenen brachte einige Antideutsche auf die Barrikaden (virtuell natürlich nur, weil s.o.). In der Feindbildpflege höchst bemüht auch aus einer Nichtigkeit Antisemitismus zu konstruieren, konstruierten sie fleißig. Auch nach Hinweisen, dass nicht das Jüdische Museum angegriffen wurde, sondern eine Polizeibarracke davor, war man sich nicht zu blöde, weiter Antisemitismus zu wittern. Schließlich hätte diese Polizeibarracke ja die Aufgabe das Jüdische Museum vor den Angriffen der antisemitischen Internationale zu schützen. Wie ein kleines Haus (s. Bild unten) das bloß machen soll, und ob sich ein zum Angriff entschlossener Antisemit von 4 Bullen kurz vor der Rente und einem Häuschen mit einer Grundfläche von einem geschätzten Quadratmeter von diesem Angriff abhalten lassen würde, bezweifelt der Autor dieser Zeilen. In einer Realität, die Lowlights linker Identitätspolitik (Fahnen schwenken, Buttons tragen, Facebook-Postings) aber für eine sinnvolle Unterstützung von Israel hält, ergibt das vermutlich alles Sinn.

Ausgeglichene Überschrift.

Es hat einen Vorteil, wenn Menschen ihre nennen wir es Obsession nicht nur aus Versehen öffentlich machen, sondern das aus Überzeugung und bei, wenn auch ideologisch vollvernebeltem, Bewusstsein. So kann man denn in Ruhe dem Tagwerk nachgehen (heute ist Ausgeglichenheitsmontag, da heißt das lächeln, Herzchen in das Internet malen und das Zimmer mit einer Blümchentapete ausstatten), und wenn man dann Abends in die Freizeit kommt, dann steht der Mist vom Mittag immer noch im Internet, also in den Ecken, die man nicht mit Herzchen ausgestattet hat. So sitzt man dann Abends vor dem Computer, bereitete sich eine standesgemäße Mahlzeit vor (Tiefkühlpizza, für das Klassenbewusstsein, und Rotwein, für den Zyniker) und freut sich auf die wieder angesetzte Naturdoku um 20.15h im Ersten. Der Mist steht immer noch im Internet. Mist ist zwar ohnehin die natürliche Erscheinungsform der Nullen und Einsen , aber es gibt ein paar Charaktere, die es mit Bravour schaffen so zu bezeichnenden Edelmist zu fabrizieren.

Einer jener ist Jürgen Elsässer. Auf seinem Blog äußerte sich jener zum Vorschlag des Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, die deutsche Fußballnationalmannschaft der Herren solle doch, wenn sie schon in Polen und der Ukraine für die Sache der Nation durch die Gegend kurvt, Auschwitz besuchen. So weit so, könnte man meinen, unspektakulär. Aber wir sind hier in Deutschland. Und in Deutschland ist die Verantwortung für die Vergangenheit noch mit einem äußerst verklemmten Klammerbeutel gepudert. Will meinen: Gehtsonicht. Meint: Elsässer. Zu Elsässers Person mag ich mir jenen Kommentar ersparen, ich hab ja Ausgeglichenheitsmontag, zu seinen Gedanken aber nicht.

So fabuliert der nichtmehrganzsoneu Reaktionäre, offensichtlich im Rausch des Nationalbesoffenseins voll aufgegangen, konsequent jetzt auch mit Liebe zur Nationalmannschaft, von einer »Anmaßung« des Zentralrat-Präsidenten. Sturzgetroffen wittert er eine Einmischung der Juden in alle Lebensbereiche, dass Graumann den Armen Kleinen Deutschen »das bißchen Spaß, das uns geblieben ist,« vermiesen wolle, denn die Armen Kleinen Deutschen heutzutage hätten mit jenen Zerbombten Großdeutschen vergangener Tage ja nichts zu tun. Natürlich nicht! Was wäre das auch für eine abstruse Idee, mit Jahrzehnten, gar Äonen »demokratische[r] Leistungen nach 1945« auf dem Buckel?! Vielleicht eine irgendwie naheliegende. Das wäre vermutlich viel zu einfach. Nationaltrainer in spe Elsässer weiß, wo die »Jungs« hinmüssen. Zum Titel! Und er weiß, dass auf diesem heiligen Wege kein Stolperstein namens Gesichte liegen soll, denn welcher Teil Geschichte zu interessieren hat, das weiß er auch genau. Er hat gezählt. Die letzten 67 Jahre. »Die heute Lebenden haben mit Auschwitz nichts zu tun«. Elsässer nimmt die Pose des Feldwebel Schultz aus der Serie »Ein Käfig voller Helden« ein. »I seh nischt und i hör nischt.« Von nichts gewusst, das haben nach Meinung von Elsässers Fans übrigens »mehr als 99 % der deutschen.« Wer noch ausgeglichener ist, als ich, kann sich mal in Mathematik üben, um das en détail aushalten zu können, muss man wohl nur mit verdammt gutem Gras bei Buddha rumsitzen. Und dann hat man vermutlich andere Sorgen. Oder keine. Das wäre irgendwie schön.

Still not lovin’ sausage dogs – Wider den Dackeln in allen Bereichen des Lebens!

Es ist beinahe süß, wie er da auf dem Boden liegt. Die Beine leicht angewickelt, an den Lefzen meint man ein genüssliches Grinsen zu erkennen, als die Hand seiner Herrin sich langsam dem Bauch nähert. Kaum berührt sie ihn geht ein Ruck durch das Lebewesen auf dem Boden – und die rechte Pfote schleudert sich zielgerichtet in die Luft. Dem Hitler sei Ehre zu erweisen, irgendsoein kruder Gedankengang muss durch das Gehirn des Hundes schießen. Ein Hund, der nicht weniger ist, als ein Dackel.

Seit Jahrhunderten schon, ist der Dackel der willige Helfer des Deutschen. Er ist nicht weniger als das Tier des Volkes, dessen Welteroberungspläne hoffentlich immer scheitern werden – schon alleine, um uns (das meint Menschen mit Geschmack und Herz, okay, ohne Herz, aber mit umso mehr Geschmack) vor der weltweiten Dackelplage zu schützen. Momentan sieht es nämlich ganz gut aus. Seit Jahren befindet sich die Dackelplage auf dem Rückzug. Dieser Hund, der »sehr muskulös, mit aufrechter Haltung des Kopfes und aufmerksamem Gesichtsausdruck« (Wikipedia) den Widerstand der tapferen Volksgenossen gegen Müßigkeit und Körpererschlaffung als Maskottchen bebildert, wurde 2005 nur noch 7.300 mal, was selbstverständlich 7.300 Rattenverschnitte zu viel sind, dem Volkskörper zur Fürsorge übergeben. Und so wird wohl bald, es ist zu hoffen, der Dackel neben Elefant, Giraffe und Tiger das Co. bilden und in Zoos zu verachten sein. Denn, dass die Deutschen, ohne selber vom Erdboden getilgt zu werden, der Ausrottung des Dackels keinen Widerstand entgegensetzen werden, muss als unwahrscheinlich gelten.

Der aufmerksamen Leserin mag es aufgefallen sein, die Beschreibung des Dackels aus der Wikipedia. Mit ein klein wenig mehr Nachdenken bekommt das scheußliche Bauchgefühl, das sich breit machte, mehr Nahrung und wird schließlich zur fürchterlichen Gewissheit: Mit dem Dackel hat sich das deutsche Volk in den vergangenen 4 Jahrhunderten nichts weniger gezüchtet als ein tierisches Äquivalent zum Idealtypus des sogenannten Ariers. Kraft der Wirkungsgeschichte, mag man sogar meinen, dass der Arier eher dem Dackel nachempfunden ist. Pfuidaibel. Ein weiteres pikantes Detail findet sich bei genauerer Betrachtung der Züchtungsgeschichte. Der Dachverein deutscher Dackelzüchter_innen, der »Deutsche Teckelklub 1888« äußert sich auf seiner Homepage nicht zur Geschichte von 1933-’45. Die Informationen muss man sich mühsam zusammenklauben, wenn man folgendes liest, vermag man auch zu ahnen, warum: »August 1935: Die beiden württembergischen Vereine müssen formell ihre Auflösung erklären, um in die ›Fachschaft Jagdgebrauchshunde‹ im 1933 gebildeten ›Reichsverband für das Deutsche Hundewesen‹ überführt werden zu können.« Wohlgemerkt nur formell. Der Verein ging in einen von den NationalsozialistInnen geschaffenen Einheitsverband über. Eine Praxis, die von diversen Burschenschaften und Corps hinlänglich bekannt ist. An anderer Stelle erfährt man dabei noch interessanteres über den eigentlichen Deutschen Teckelklub. Dieser war ab 1906 Mitglied des »Deutschen Kartell für Hundewesen«, der zu seiner Auflösung nicht mal gebracht werden musste, denn »Am 14. Juli 1933 wurde das Deutsche Kartell umbenannt in ›Reichsverband für das Deutsche Hundewesen‹.« Der Reichsverband also, dem Sektionen des Teckelklubs »angeschlossen« wurden.

Die rein formelle Auflösung des Deutschen Teckelklubs lässt auch das relativ schnelle Wiederauferstehen des Klubs erklären, schon am 24.11.1945 erblüht der Teckelklub wieder, eine Umbenennung, die bei einigen studentischen Corps noch Usus war, wird von diesem anscheinend nicht verlangt, der Traditionalismus wurde von den Befreier_innen toleriert. Ist doch auch ein solcher Klub, bei erstem Hinsehen, vielleicht gerade mal putzig ob einer Zuneigung zu Tieren, die eher als vergrößerte Ratten erscheinen, denn als Hunde.

Einzig die Nennung dieses Kapitels in der Geschichte der Corps und des Teckelklubs, wird ausgelassen, nur auf das seit 110 Jahren bestehende Zuchtbuch wird verwiesen, dass dieses kaum 110 Jahre alt wäre, wenn nicht die Zeit des NS und die aktive Arbeit in diesen Jahren existieren würde, kann unterschlagen werden.

Deutschland nur anhand des NS’ zu kritisieren, muss aber jenen, die der »Zukunft zugewandt« sind, wie es in einer Hymne der proletarischen Bewegung heißt, als müßig erscheinen. Es ist im Grunde auch nicht nötig, denn auch in den Jahrzehnten nach der nationalsozialistischen Diktatur reißt die Verbindung von Dackeln und Deutschen keineswegs ab.

Das Maskottchen der Olympischen Spiele 1974 war Waldi. Und das war klar: Ein Dackel. Florian Langenscheidt schrieb eine seltenbescheuerte Ode an das Deutsche (»Das Beste an Deutschland – 250 Gründe unser Land heute zu lieben«) und der Dackel fand sich mittenmang dabei. Aber nicht irgendwo ganz hinten, die 249 vielleicht, um eine Lücke zu füllen. Keineswegs. Der Dackel prangte neben dem Kaiser Franz, Bier und Adidas auf der Titelseite. Und während in Zeiten der totalen Globalisierung noch jeder Furz einen Anglizismus erhält, heißt der Weltverband der Dackelzüchter_innen »Welt Union Teckel«. Denn wer sich mit dem Deutschen nicht identifiziert, der muss auch nicht verstehen, was diese Union eigentlich will.

Aber wo wir gerade bei Sprache sind – ein kleiner linguistischer Einwurf, eine Reise durch das Land der Übersetzungen. Die: gibt es nämlich im Grunde nicht. Im Englischen wurde nicht mehr als das Synonym Dachshund übernommen, das Japanische liefert mit »dakkusufunto« nicht mehr als eine dem Zungenschlag angepasste Umschreibung. Auf französisch »teckel« und so weiter, lediglich das Finnische hat mit »mäyräkoira« eine Abweichung vom deutschen Konsens zu bieten. Da ist dann das, in der Überschrift angeklungene, »sausage dog« aus dem Englischen die einzig sympathische Variante.
Der Dackel, obschon muskulös, zeichnet sich fürderhin durch ein ausgeprägtes autoritäres Bewusstsein aus. »Im Dachsbau ist der Hund ein Alleinjäger und muss seine eigenen Entscheidungen treffen, da der Hundeführer ihn hier nicht leiten kann.« Ein Auflehnen des Dackels scheint ausgeschlossen. Ist auch nicht nötig, zeichnet sich der Dackel doch durch eine ausgeprägte Bildungsunwilligkeit aus. Diese Bildungsunwilligkeit gegenüber progressiven Bewegungen ist auch dem Deutschen (der klar als Konstruktion hier auftaucht, anhand der Historie diese Konstruktion aber auch gerne bestätigt) nicht fremd, dem sein Volk, sein Standort, auch heute noch zu den wichtigsten Angelegenheiten gehört.
Eins noch, die japanische Nationalmannschaft des Herrenfußballs kürte einen Dackel 2006 zu ihrem Maskottchen für die in Deutschland stattfindende Weltmeisterschaft. Als wäre das nicht genug, nannten sie ihn: Erwin Rommel. Long live the axis!

Mit einem Dackel an der Hacke wird der Kommunismus im Leben nicht zu erreichen sein. Wer Dackel und Deutsche hasst, kann kein schlechter Mensch sein.

That same old discussion.

Debatten in der bürgerlichen Gesellschaft haben eine lustige Eigenart. Weil sich die grundlegende Scheiße nicht ändert, die durchschnittliche Bürgerin aber auch nur ein Geschichtsbewusstsein von eben bis gleich mitbringt dreht sich alles im Kreis. So verwundert es kaum, dass, just wo das Urheberinnenrecht durch ACTA/SOPA/PIPA wieder diskutiert wird, auch die Standpunkte die gleichen sind wie damals®. Ich meine damit ein damals vor ungefähr zwanzig Jahren, in der durch Samplingmaschinen und grundlegenden technischen Fortschritt neue Möglichkeiten mit Musik umzugehen geschaffen wurden. Plötzlich muss man Musik nicht mehr selber machen, sondern konnte aus der Musik der anderen prägnante Teile samplen, in den eigenen Song einbauen und damit Millionen verdienen. Okay, letzteres eher nie. Um sich einen Überblick über die Diskussion zu verschaffen, könnte man also sich durch Berge und Gebirge von Büchern und Texten wühlen, oder man guckt sich folgende Dokumentation vom Ende der Achtziger an. Das Who is who der Rap-Szene (Ice T! Beastie Boys! De La Soul!) bezieht Stellung, ein Anwalt kommt zu Wort. Alles wie immer, auch, weil der Gesetzgeber anscheinend nicht in der Lage oder Willens ist, Sachen zu ändern und die Umwälzung, alles zu beenden, Revolution, wohl noch ein paar Dekaden auf sich warten lässt. Shit happens.

Einfach mal ganz unbefangen …

Als Knarl Rellöm in seinem Lied »Arme kleine Deutsche« festhielt, dass beim neuen deutschen unverkrampften Patriotismus die Verkrampfung eindeutig die schönere Variante war, konnte er vermutlich nicht ahnen, wohin die unbefangen lustigen Deutschen noch gelangen würden. Einer der Vorzüge des Internets ist, dass man auch von vollkommen unbedeutenden und im besten Fall ziemlich bald pleite gehenden Sonnenstudios erfährt, die sich auf die Fahne schreiben, ihre Kunden »schwarz wie Neger« zu machen. Daran ist nicht nur von einem ästhetischen Gesichtspunkt so gut wie alles falsch. Aber herzlichen Glückwunsch—blöd wie ein Schäferhund seid ihr schon mal. Und jetzt geht sterben.

I’m doing it for the lulz.

Kennt ihr noch so richtige Deutsche? Deutsche, die von »Weltjudentum« faseln, Deutsche, die ihre Briefe Blogposts (wie nennt man das in stolzdeutsch eigentlich?) unterschreiben mit der Formel »mit reichsdeutschen Grüßen«? Nein? Ich auch nicht. Glücklicherweise gibt es aber das Internet und das ist frei und bla und deswegen dürfen auch echte Deutsche mit Vertreibungsgeschichte und Pipapo, wie Richard Wilhelm von Neutitschein, etwas in dieses Internet schreiben.
Ein Dorn sind solchen Deutschen natürlich jene im Auge und Arsche, die wollen, dass mit Deutschland Schluss ist. So wie ich. Oder Christin Löchner, Politikerin in der Linkspartei. Diese schrieb einem Esoterikirgendwasreichstreuvollpfostenblog eine E-Mail, die den schönen Satz »Ich liebe und fördere den Volkstod, beglückwünsche Polen für das erlangte Gebiet und die Tschech/innen für die verdiente Ruhe vor den Sudetendeutschen.« Richard Wilhelm von Neutitschein kann das natürlich nicht einfach so auf sich sitzen lassen und begeht sich folgend im Volkssport aller Volltrottel: Empören.

»Unglaublich« sei es, was da passiere, eine Linke (sic!) fordert den Volkstod, nicht nur das, eine linke Politikerin. »Multifunktionärin« noch dazu, so stolpert sich von Neutitschein durch seine geliebte deutsche Sprache, deren Anwendung er nur knapp über dem Niveau der durchschnittlich übersetzten südkoreanischen Bedienungsanleitung beherrscht. Nun, man mag es Perlen vor die Säue nennen, jetzt auch noch Wörter als Reaktion zu tippen, allerdings muss ich doch sehr drum bitten, die armen Schweine durch einen Vergleich mit solchen Menschen nicht durch den Hochdruckreiniger zu ziehen.

Zum ersten mag man anmerken, dass es einen kleinen Unterschied zwischen Volkstod und Völkermord gibt, den man aber natürlich nicht erkennen muss, wenn man schon zu blöd ist, ein eindeutig als solches gekennzeichnetes Zitat auszumachen. Wenn nämlich das Volk sich in der ideologischen Übereinstimmung zusammenfindet und beginnt als Zwangskollektiv auf die anderen Kollektive loszugehen, dann würde es für einen Volkstod im engeren Sinne natürlich reichen, diese ideologische Übereinstimmung durch Kritik zu zerschlagen. Besonders harte Fälle, Huhu, von Neutitschein, können dann natürlich trotzdem einer intensiveren Behandlung (so nennt man das doch, seit das Gulag out ist, oder?) zugeführt werden. Und jetzt heul nicht, von Neutitschein, Du glorreicher Überlebender des »Vertreibungsholocaust«. Wer es tatsächlich für ein Wunder hält, dass man so richtig den Arsch versohlt bekommt, nachdem man versucht hat ganze Landstriche auszurotten, dem muss man vielleicht einfach nochmal den Arsch versohlen. Das wird man ja wohl noch sagen dürfen.

Aber man soll ja nicht immer nur meckern: »Die Linke gibt sich als antikapitalistische Partei«, gut erkannt! In Wahrheit ist Die Linke nämlich viel deutscher und kapitalistischer, als sich Dein Hirn das nur vorstellen kann. Ach ja, Zitate sind das in Anführungszeichen. Zitat heißt soviel wie: Hat jemand anders gesagt und man bezieht sich drauf. Nichts zu danken, von Neutitschein.

Es phobiert zusammen, was zusammen gehört.

Es ist vielleicht ein bisschen spät um mal was zu Bushido und Integration zu sagen. Mir egal. Einige unter euch erinnern sich vielleicht, in einem Jahr vor gar nicht allzu langer Zeit, erhielt ein Rapper Namens Bushido einen Bambi in der Kategorie “Integration”. Die linksliberale Öffentlichkeit schlug Alarm und Wahnsinn. Natürlich dieselbe Öffentlichkeit, die es zum Beispiel nicht interessiert, dass schwule Männer* kein Blut spenden dürfen, weil sie einer “HIV-Risikogruppe” angehören. Generell eine Öffentlichkeit, die sich von keiner Ahnungslosigkeit davon abhalten lässt, mit der Keule der moralisch Überlegenen auf das “Fremde” und die in ihm erkannte Regression einzukloppen, damit aber so beschäftigt ist, dass man die Homophobie an der Heimatfront nicht mehr bemerkt. Das nun jemand wie Bushido aber integriert sein solle, das könne nicht sein, denn er hat den Test der moralischen Integrität nicht bestanden.

Bushido hasst Schwule und Frauen, Bushido befürwortet Gewalt (nicht die der Polizei). Und das geht so nicht, wurde einer entgegen gebrüllt. So einer kann kein Teil der Gesellschaft sein, auch wenn man ihm eine zweite oder dritte Chance “natürlich zustehe”. Man könnte natürlich auch sagen, dass Bushido natürlich in eine Gesellschaft passt, die neben einer ganz speziellen deutsch-jüdischen Kultur, auch eine jahrhundertelange Tradition in der Exekution und ideologischen Reproduktion von Homophobie und Patriarchat ihr Eigen nennt. Die billige Exterritortialisierung der Probleme durch Medien und Zuschauerinnen aus dem heimischen Wohnzimmer auf die Bambi-Bühne, aus dem Freundeskreis auf Bushido, lassen die eigenen Ressentiments gerade noch im fahlen Licht des demokratischen Leichenhauses scheinen, machen sie aber kein Stück weniger hassenswert. Und vice versa.