Archive for the ‘Die objektive Verzweiflung’ Category

Street View (1979) zeigt: Alles grau.

Montag, November 5th, 2012

Die These ist nicht alt, …But Alive haben schon 1993 ein Lied drüber geschrieben, die Welt ist ein grauer, trostloser Ort. Der Vorläufer von Google, besser bekannt als öffentlich-rechtliches Fernsehen, haben das schon 1979 mit einer Fahrt durchs idyllische Kreuzberg belegt. Immerhin waren die Straßen leer.

Berlin-Kreuzberg, 1979 from BERLIN GRAFFITI on Vimeo.

39 Kilometer Langeweile.

Montag, Oktober 15th, 2012

Die Spannung war kaum zu fassen, als Felix B. eine endlose Liste Sicherheitsmaßnahmen durchging und endlich ans Fenster trat. Er öffnete das Fenster und sprang. Felix B. wird heute von der Welt unisono als »Held« betitelt. Der höchste Sprung aller Zeiten. Schallgeschwindigkeit. Einschaltsquoten auf YouTube, von denen die Piratenpartei nur träumen kann. Selbst das Fernsehen mit mit einer »Quotensensation«. Ausrufezeicheneinseinsausrufezeichenelfausrufezeicheneinseinself. Aber mal ernsthaft: What teh fuck?


Zugegebenermaßen: Ich hab das auch geguckt. Und mein ganzer Freund_innenkreis. Nur irgendwie war ich nicht begeistert. Den Moment der Momente habe ich sogar verpasst, weil ich gerade etwas spannenderes gesehen habe, als eine Kapsel in der Stratosphäre. Auch wenn ich mich daran nicht mehr erinnern kann. Zugegebenermaßen: Auch ich ziehe hiermit meinen Hut vor der Leistung von Red Bull und Felix B. Und auch ich bemühe dafür einen Superlativ. Das, was da gestern über Millionen Bildschirme flimmerte, war die größte Demonstration der gesellschaftlichen Langeweile, die man seit einiger Zeit multimedial und in HD aufbereitet sehen konnte. Es war die eindrucksvollste Demonstration der Verschiebung von Langeweile in den Bereich der Raserei. Eine Verschiebung, die Surfen auf Zügen oder Springen von Hochhäusern mehr und mehr aus dem erlesenen Kreis der Abenteuer ausschließt. Die gesellschaftliche Suche nach dem nächsten Superlativ, dem nächsten Eintrag in irgendeine Bestenliste, den nächsten 15 Minuten Ruhm verlässt dabei zusehends die Grenzen den Menschenmöglichen.


Über die Welt erfährt man so einiges, wenn man ihr zuguckt. Und einiges erst im Kontrast zu der funkelnden Glitzerwelt einer konzerngetriebenen Hochleistungsgesellschaft. Zum Beispiel, dass der Ausschluss aus jener oft tödlich endet. Ein Ausschluss, dem niemand zugucken will, auch wenn die Konsequenz öffentlich ausgetragen wird. So zündete sich ein Mensch am Samstag vor der Besucher_innenmenge des Reichstages öffentlich an, anscheinend, weil er keine Wohnung fand. Die Berichterstattung über Selbstmorde wurde irgendwann zusammengestaucht, weil durch sie zu viele Nachahmer_innen angestachelt wurden. Die Berichterstattung über den nächsten Höhenflug wird hingegen neue Superlative aufstellen. Nachahmer_innen muss man kaum befürchten. Wer hat schon 50 Millionen für die Befriedigung des eigenen Spleens auf der hohen Kante? Eben. Und so bleibt festzuhalten, dass die Gesellschaft, die alle Abenteuer abschafft, ein einziges Abenteuer übrig lassen wird: Diese Gesellschaft abzuschaffen. Im Sinne derer, die sich ihre Träume nicht erfüllen können, bitte möglichst schnell.

Überbrückung.

Freitag, Januar 6th, 2012

Hallo, wie ihr vielleicht mitgekriegt habt, war dieser Jahreswechsel. Wir nehmen institutionalisierte Feste ernst und befinden uns deswegen immer noch im Jahreswechsel. Und jetzt ist auch schon wieder Wochenende, das heißt dieser ganze Schwachsinn fängt von vorne an und der Wochenwechsel will auch ordentlich begossen werden, weil der sonst beleidigt ist, weil ihn niemand beachtet. Lange Rede, langer Sinn: Wir befinden uns kurz vor der Ernüchterung, habt solange bitte etwas Geduld mit uns. So lange könnt ihr ja einfach das hören. Oder das folgende. Ein etwas älterer Mix des Redaktionsfreundes Peter A, den kann man heute Abend übrigens sehen, wenn er zusammen mit Grizzly und Hannes Fischer den Holzbutzenfloor im Suicide Circus bespielt. Die Redaktion ist auch da.

Es war nicht alles schlecht.

Mittwoch, Dezember 21st, 2011

Sicher, der Hunger ist schlimm. Atomraketen gehören auch nur in die Hände bürgerlicher Demokratien und ihres militärisch-industriellen Komplexes. Und diese Mauer erst, die ein Volk trennt – nun ja. Aber: Tanzen können die Nordkoreaner. Und wo getanzt wird, da kann es nicht ganz schlecht sein. Okay, das stimmt nicht. Doch diese Tränen, die sind echt.

Gebt das Heroin frei!

Montag, Dezember 12th, 2011

Es wird Zeit sich mit billigstem Antipopulismus unbeliebt zu machen. Jetzt ist die Frage was hat das mit Heroin zu tun? Dann ist ist die Antwort nichts. Außer, dass die allseits für ihre humoristischen Leistungen anerkannte Regierung der Bundesrepublik Deutschland sich zu Drogen und Volksgesundheit geäußert hat.

Es trug sich zu in der Weimarer Republik, dass ein paar übermotivierte Politiker auf die Idee kamen, dass es vielleicht ein guter Einfall sei, der Bevölkerung vorzuschreiben, wie sie sich dumm machen dürfen. Denn, jemand, die Zeit ihres Tages in einer Opiumhöhle rumhängt und sich Pfeife nach Pfeife genehmigt, kommt in der Regel nicht mehr dazu die zersetzte Arbeitskraft dem Kapital zu Gute kommen zu lassen. Das ist ein Skandal. Seitdem hat der deutsche Staat von dieser Linie nicht abgelassen, auch wenn die differenziertere Meinung heutzutage auch Freundinnen der Drogen in die Parlamente und an die Strände demokratischer Meinungsbildung spült. Die Ex-Kifferinnen von den Grünen, die neuen Freunde des Rauschs in der Piratenpartei oder die Gegenfürgegenalles-Partei Die Linke. Nun, muss man keine Expertin sein, um zu wissen, wie viel von der offen propagierten Drogenfreundlichkeit übrig bleibt, wenn man in einer Koalition mit der CDU sitzt. Nichts. Denn spätestens, wenn man sich den Mühlsteinen des Realismus hingeben muss, um das alles, was man sich so halluziniert hat, auch im Rahmen der Finanzierbarkeit zu halten, hat sich so mancher Idealismus in Luft und Lippenbekenntnisse aufgelöst.

Aber darum geht es hier gar nicht. Es geht hier um Drogen und Drogenverhinderungspolitik. Mal eine Frage: Woher kommt das denn bloß, dass Gras, Heroin, Koks und all die anderen angenehmeren oder unangenehmeren Mittel zum Aushalten des Alltags andauernd bis immer mit irgendeinem Scheiß gestreckt sind, sich die Risiken beim Konsum ins Unermessliche steigen und so manche Drogenkarriere in der Gosse endet? Von einer Eigentumsordnung, die nicht den Rausch, sondern den Profit zu ihrer Maxime erhoben hat. Von einer Drogenpolitik, die auf Restriktionen setzt (übrigens, unter den Vorzeichen heutiger Gesellschaften ist das Gegenteil meistens genauso falsch, s. Profitinteresse). Von einer Scheinheiligkeit, die den Feierabendkasten Bier zur Kultur erhebt, drei Tage wach auf chemischen Derivaten aber für verrückt hält. Man wird doch wohl noch selber entscheiden dürfen, wie sehr man sich kaputtmacht. Und so lange die Option ist, sich dem Kapital als Profitmaschine zu veräußern, eben so richtig. Gebt das Heroin frei.

I just want to set myself on fire.

Montag, Dezember 5th, 2011

Die Maschinen nehmen uns die Arbeit weg, und das ist auch gut so. Mit dieser Erfindung von Erik Hobijn ist selbst der entflammte Selbstmord nur einen Feuerstoß entfernt, während man in einer mehr oder weniger entspannten Position rumhängt. Wer des Lebens noch nicht ganz überdrüssig ist, kann statt der Einstellung well-done auch rare oder medium wählen und wird dann nur gar nicht (dank feuerfester Paste) beziehungsweise ein wenig verkohlt. Makaber? Mag sein. Kunst? Egal. Nützlich? Kein Kommentar.