Archive for the ‘Für den Rest’ Category

Eine Entschuldigung.

Freitag, April 12th, 2013

Vor einigen Monaten habe ich an dieser Stelle den Plattitüdenwahnsinn gefühlt antideutscher Popmusik kritisiert. In der Sache richtig, muss ich beim Beispiel Frittenbude zu Kreuze kriechen. Die Redundanz war Wahrheit. Deutschland fühlt sich wahrhaft deutsch an, Tag für Tag wieder. Und das Problem ist in diesem Falle nicht die Band, die die Simplizität putzig verpackt, sondern zum Beispiel eine Polizistin aus Hamburg. Die fühlt sich tatsächlich beleidigt, weil ihr erklärt wurde, dass A.C.A.B. eine Getränkebestellung sein soll. Aus Respekt vor der bundesdeutschen Staatsmacht Weil ich keine Lust auf Post von der deutschen Staatsmacht habe, schreibe ich hier nicht auf, was ich davon halte. Aus gleichem Grunde sei an dieser Stelle auch von weiteren Beispielen abgesehen, die die These der Frittenbude stützen würden. Deswegen zurück zum Thema. Frittenbude, Entschuldigung! Kommt nicht wieder vor.

Lektion Techno betreffend.

Freitag, Januar 11th, 2013

Wie geht Techno? Keine Ahnung. Irgendwas mit Drum, Kick, Acid, Weltuntergang. Wem das nicht reicht, die kann ja folgendes Video gucken. In dem wird in 1,5 Minuten erklärt, wie Techno geht. Auf ’ne Art. Der zugehörige Film heißt Vibrations und kann, yay Interwebs, auf YouTube in voller Länge geguckt werden.

Street View (1979) zeigt: Alles grau.

Montag, November 5th, 2012

Die These ist nicht alt, …But Alive haben schon 1993 ein Lied drüber geschrieben, die Welt ist ein grauer, trostloser Ort. Der Vorläufer von Google, besser bekannt als öffentlich-rechtliches Fernsehen, haben das schon 1979 mit einer Fahrt durchs idyllische Kreuzberg belegt. Immerhin waren die Straßen leer.

Berlin-Kreuzberg, 1979 from BERLIN GRAFFITI on Vimeo.

Heinz Buschkowsky – Neukölln ist überall. Eine Rezension.

Freitag, Oktober 19th, 2012
Vor Ihnen liegt ein politisches Buch, keine wissenschaftliche Expertise. Die hätten sie vielleicht auch gar nicht gekauft. Ich bin nur der Bürgermeister eines Berliner Bezirks mit über 315 000 Einwohnerinnen und Einwohnern und der Flunderperspektive seines Rathausturms, kein Wissenschaftler. Die, die ich beschreibe, ist die Neuköllner Welt. Die Ableitungen, die ich für mich vornehme, müssen für die Gegebenheiten Ihrer Stadt und für Ihr Lebensumfeld nicht zutreffen. Die Entwicklung kann bei Ihnen sogar einen gegenteiligen Verlauf genommen haben. Insofern verschreibt dieses Buch nicht zwingend Rezepte. Ausschließen kann ich es aber nicht. Denn es gibt viele Neuköllns. Sie heißen nur anders. Doch egal, verständigen wir uns darauf, dass es einfach nur die aufgeschriebene Wirklichkeit an einem bestimmten Ort in der Bundesrepublik Deutschlands ist. (Seite 9)

Nun. Eigentlich sagt der erste Abschnitt mehr aus, als man bei der Lektüre des restlichen Buches zu erfahren hoffen kann. Was dazu einlädt, die Lektüre zu beenden und die Rezension kurz zu halten: Es ist vermutlich ganz einfach unnütz einem Buch, von dem schon der Autor glaubt, dass der Wahrheitsgehalt vielleicht keiner ist und der die These des Titels schon im ersten Absatz des Vorwrots selber in Zweifel zieht, mehr politische Aufmerksamkeit zukommen zu lassen als der letzten Ausgabe der Pixi-Heftchen. Da das Buch momentan in der 7. Auflage ausgeliefert wird, scheint dieser Appell zu spät zu kommen. Anstatt einer ausführlichen Diskussion trotzdem nur zwei alternative Deutungen.

Anhand von Sätzen wie »Der Name Neukölln hat durchaus einen beachtlichen Bekanntheitsgrad erlangt. Das verwundert aber nicht, weil, man ja auch New York, Paris und Rom kennt« (Seite 17) könnte man beinahe vermuten, dass es Buschkowsky hier nicht mal wirklich um ein politisches Projekt ging, sondern um eine Rolle im samstagabendlichen Krawallklamauk rund um Cindy und die jungen Wilden. Die Wendung, zu der er in den letzten beiden Sätzen des Buches kommt (»Wo Neukölln ist, ist vorne. Sollten wir einmal hinten sein, ist eben hinten vorne.« [Seite 382]) lässt hingegen vermuten, dass er selbst dem ollen Hegel Konkurrenz in dialektischer Methode machen will. Selbstverständlich trifft keines von beidem zu. So ernst er sich selber und seinen literarischen Erguss, der oft auf dem Niveau einer Schularbeit verbleibt, nimmt, so ärgerlich ist das Buch. Letztendlich ist es aber nur ein weiteres Ärgernis in einem ohnehin ärgerlichen Diskurs. Buschkowsky ist sicher nicht das große Böse – ebensowenig aber ein Streiter für die Emanzipation. Sein Buch als Wiedergabe der Wirklichkeit teilweise tatsächlich interessant, als Deutung jener aber weitgehend unbrauchbar.

Heinz Buschkowsky; Neukölln ist überall | Ullstein; 2012 | gebundene Ausgabe; 19,99€ | bereits erschienen

How low can you go?

Mittwoch, Oktober 17th, 2012

Man kann sich Politik ganz einfach machen. Das geht ungefähr so: Man ersetzt Inhalte durch Befindlichkeiten und Befindlichkeiten durch Wortspiele. Aus der Solidarität mit den Betroffenen wird so schnell ein Fetisch der Betroffenheit und aus der Beschäftigung mit Befindlichkeiten und ihrem politischen Gehalt Oppression Bingo, in dem gewonnen hat, wer sich am meisten Unterdrückungsmechanismen in den Lebenslauf schreiben kann.

Unterdrückung ist natürlich keine Besserungsanstalt und die Geschichte der Menschheit bietet Anschauungsmaterial genug, dass Unterdrückung genauso viele oder wenige Gründe bietet, sich mit der Herrschaft zu arrangieren, eine alternative Herrschaft zu fordern oder zur Überwindung der Herrschaft aufzurufen. Deswegen schadet es natürlich nicht, wenn man weiß, wo man in den Matrizen der Herrschaft steht. Aber auch nicht mehr oder weniger. Die Gründe gegen die jeweilige Unterdrückung lehrt eine_n nicht die Unterdrückung, sondern die Beschäftigung mit dieser. Die Auswüchse einiger Sektionen der internationalen Linken im Fahrwasser eigentlich sinniger Beschäftigungsgebiete wie Gender Studies oder Rassismusstudien verkommen zu Lachnummern, weil sie dies nicht wahrhaben wollen, dass sie jeden Inhalt, der ja erst die Parteilichkeit erklären und gebieten kann, zugunsten einer dogmatischen Parteilichkeit ausgetauscht haben.

Es verwundert deswegen nicht, dass im Interwebs ein kleines Spiel kursiert, dass jedem Menschen auf einem Graph von -x bis +x erklärt, wie privilegiert sie_er sei. Ich komme  auf knapp über 100, ein Wert, bei dem mir das Spiel dann ernsthaft suggeriert, dass ich jeden Tag gucken solle, ob ich noch so privilegiert sei. Nur wozu? Weil jemand, der kein Problem damit hat, privilegiert zu sein, das bekommt, wenn er sich jeden Tag wieder gut fühlen kann? Gute Idee, wirklich.

Ach ja, ich hätte da noch einen Vorschlag: Die 15 Unterdrückungspunkte, die Angehörige der staatlichen Ordnungsmacht sammeln können, könnte man zu 1500 Bonuspunkten macht, wenn man das ganze postuniversitäre Rumgeschwafel der Critical Betroffeness nicht versteht. Dann komme ich doch auf knappe -1400 Punkte und kann mich beruhigt im Stuhl zurücklehnen. Oppressed as hell.

And a real hero.

Donnerstag, Oktober 11th, 2012

Man kann Sport alles Mögliche vorwerfen, zum Beispiel, dass er anstrengend ist. Aber sicher nicht, dass er aus der sicheren Distanz des heimischen Wohnschlafundesszimmers nicht unterhaltsam wäre. Der Radsport hat in den letzten Jahren zwar ein wenig nachgelassen, nicht zuletzt, weil der öffentlich-rechtliche Verblödungskomplex entschieden hat, von der Tour de France mal lieber die Finger zu lassen – Doping und so – und die Öffentlichkeit dadurch rasant abnahm.

Was aber nicht heißt, dass das Amusement vorbei wäre! Nein, im Gegenteil. Hinter den Vorhängen der Grabesruhe rumorte es fleißig weiter (und ja, es wurde auch Rad gefahren). Dopingvorwürfe hier, Dopingbestätigungen da, eigentlich alle waren gedopt. Und wer nicht gedopt war, hat Schach gespielt. Aber, ähem, zurück zum Thema. In den Ermittlungen gegen den größten Radfahrer aller Zeiten (wegen journalistischer Sorgfaltspflicht gestrichen) einen Radfahrer und das beste Team aller Zeiten sein Team, Lance Armtrong und die US Postal Service-Mannschaft, ließ die US-Antidopingagentur USADA gestern verlauten, dass Armstrong »the most sophisticated, professionalised and successful doping programme the sport has ever seen« betrieben habe. Grund genug, ihm endlich mal das Lob zukommen zu lassen, das er verdient. Lance Armstrong ist nicht weniger als der größte Held, den der Sport in den letzten zwei Jahrzehnten, oder überhaupt, gesehen hat. Danke, Lance!

Ohne weitere Worte.

Montag, Oktober 1st, 2012

We’re not generating enough angry white guys to stay in business for the long term.

Lindsey Graham, pessimistische Grinsebacke & republikanischer Senator in den USA. Oder auch: Man braucht keine 20 Semester Politikwissenschaften um seine Klientel zu kennen.

Okay, Kapitalismus.

Mittwoch, Juli 11th, 2012

Du bist konsequent bescheuert. Das muss ich anerkennen. Und was dein Geld alles möglich macht! Alles. Die Frage, was passiert, wenn man einen zu großen Werbeetat, einen Rennwagen, seinen Fahrer und eine Großstadt kombiniert, erübrigt sich also. Eigentlich. Schön aber, dass D.C. das trotzdem ausprobiert hat. Bitteschön:

A little destruction.

Mittwoch, Juni 13th, 2012

Ich entschuldige mich für das vielseitige Schweigen und melde mich einem Knall zurück. In Zeitlupe. Die Diskussion, ob Krise nun von Überproduktion oder Unterproduktion oder Übernachfrage oder Unterklugheit oder der unsichtbaren Hands des Marktes zu verschulden ist, wird hier nicht geführt. Das alles hin oder her ist die Zerstörung von Dingen ein tolles Hobby. Ein Schelm, wer, besonders nach diesem eingeschobenen Schelmverweis, an das Entfernen von Fahnen denkt. Hier geht es nicht um Politik. Hier geht es um Zerstörung in Zeitlupe. Weil Service bei uns schon immer Teil des Redaktionskonzeptes war, wird als Hintergrundmusik Lelehudah von AUN empfohlen und der ganzheitlichen Tiefenentspannung steht nichts im Weg.

Talking ’bout a … – Anmerkungen zu #Blockupy.

Donnerstag, Mai 17th, 2012

Wenn sich Menschen gegen die Herrschaft auflehnen, bin ich grundsätzlich solidarisch. Meine Solidarität wird in dem Moment aber zu einer kritischen, wenn ihr Appell der nach einer besseren Herrschaft ist und zusätzlich noch mit Ankündigungen wie dieser garniert wird: »12:35h #Frankfurt Paulsplatz: Pfiffe gegen die unverständlichen Polizeidurchsagen. Konstantin Wecker singt gleich durchs Megaphon. #Blockupy«. Das geht nun, mit Verlaub, wirklich zu weit. Weil aber auch kritisch-solidarisches Verhalten das solidarisch noch in sich trägt, ignoriere ich das Weckersche Treiben und versuche mich stattdessen in Diskursanalyse. Im Internet. Bei Twitter! Das verspricht doch witzig zu werden. Humor für Leute mit Humor. Aber ernsthaft. Im Folgenden: 3 Blöcke. 1. Block: Die Versammlungsfreiheit. 2. Block: Polizei, Gewalt und Friedlichkeit. 3. Block: Versammelte Kuriositäten in 140 Zeichen.

1. Die Versammlungsfreiheit – Fluch und Segen eines guten Idealismus.

Die Vergleiche, die man ob des Verhaltens von Legislative, Judikative, Exekutive und Pressekative anstimmte, waren vielfältig, meistens krude und selten auf den Punkt. Damit meine ich auf irgendeinen. Spätestens nach 2 Stunden Tweets lesen, waren meine Erwartungen geschrumpft. Armin H. aus F. witterte den Geruch von »Schönwettergrundrecht«, Rainer wusste zu vergleichen: »#Blockupy Veranstaltungen werden verboten! #NAZIS dürfen regelmäßig in deutschen Städten aufmarschieren!« Marie Laveau sah das ähnlich. Andreas Marktzyniker hingegen erklärte die Stadtregierung Frankfurts kurzerhand zur »schwarz-grünen Junta« und fragte, wann denn wohl das Kriegsrecht verhängt werden würde. S. Fischer fühlte seine Menschenrechte direkt »mit Füßen getreten«. Hui ui ui. Da in Frankfurt scheint ja ganz schön was los zu sein. Ist es aber gar nicht.Verschiedene linke Gruppe haben zu Aktionstagen aufgerufen, im gemeinsamen Aufruf heißt es, dass man »am 18. Mai den Geschäftsbetrieb der Banken in Frankfurt blockieren« werde, um wütend zu sein. Am 17. Mai wolle man zentrale Plätze besetzen (der 17. Mai begann dann mit der Räumung des Empörten-Camps durch die Polizei) und am 19. Mai eine breite, lustige, bunte und was man halt sonst noch so auf Demos haben will Demo veranstalten.

Verschiedene Gerichte haben dann eigentlich alles verboten – bis auf die Demo am Samstag. Warum? Nimmt man die Begründungen der Occupy-Twitterer_innen liegt es auf der Hand. »Legitimer Protest« solle unterdrückt werden, während der Staat ja offensichtlich nichts gegen Nazis unternehme. »Grundrechte« würden ausgehöhlt. Jetzt heißt es im Art. 20 GG zwar, dass »alle Staatsgewalt vom Volke« ausgeht, aber im Satz danach, der von denen, die vor einigen Momenten mit dem Buch in der Hand rumwedeln, anscheinend nicht gelesen wurde, »sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen […]« ausgeübt. Artikel 18 GG schreibt fürderhin fest, dass wer die Grundrechte »zum Kampfe gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung mißbraucht« diese Grundrechte verwirke. Jetzt wollen die Empörten in Frankfurt natürlich keinesfalls die Grundordnung antasten, nein, nein. Ihr Protest richtet sich gegen eine schlechte Repräsentation in der Politik und »Verschwendung« oder »Gier« im Finanzsektor. Sie wollen dementsprechend »echte Demokratie« und »gezügelte Finanzmärkte«. Das weiß auch die Rechtsprechung (und wenn auch erst die höchstrichterliche im Nachhinein, wenn es halt alles schon vorbei ist). Wenn die Protestierenden sich aber auf die Grundrechte berufen, machen sie sich einen Idealismus von diesen zu Eigen. Die sind nämlich gar nicht festgeschrieben worden, um die Wohlfühloase jener zu bilden, die vom kapitalistischen Betrieb enttäuscht wurden, sondern im Gegenteil zur Aufrechterhaltung der kapitalistischen Wirtschaft als Geschäftsgrundlage der Demokratie.

Und das heißt jetzt konkret? Das heißt konkret, dass ein Protest, der für einen ganzen Tag einen der zentralen Orte des marktwirtschaftlichen Treibens stilllegen möchte, außerhalb des demokratischen Normalvollzugs verortet und als solcher eben nicht geduldet wird. Die Demo am Samstag ist erlaubt, so wie Nazi-Demos durch irgendwelche Provinzkäffer erlaubt werden. An diesem Vergleich zeigt sich nicht, wie oben vermutet, die Aushöhlung der Grundrechte, sondern die abstrakte Gleichheit jener. Die Einzelinteressen, und seien es die der Mehrheit, zählen nicht, im Gegenteil ist die Staatsgewalt angetreten, das Gesamtinteresse gegen die Einzelinteressen durchzusetzen. Der Wille des Volkes, das Handeln des Volkes, meint nicht das Handeln der Individuen, sondern das Handeln einer Abstraktion (vgl. dazu Der bürgerliche Staat, §2 Souveränität – Volk – Grundrechte – Repräsentation), wie Gesellschaft nicht aus den einzelnen Menschen besteht, »sondern die Summe der Beziehungen, Verhältnisse, worin diese Individuen zueinander stehen« (Marx) ausdrückt. Das Problem ist also nicht, dass die Grundrechte nicht gelten und »legitimer Protest« unterdrückt wird, dass Problem ist, dass die Grundrechte einer Gesellschaft gelten, die fundamentale Kritik (und sei sie noch so zahnlos) an ihr als Grundrecht ausgeschlossen hat. In anderen Worten: Die Protestierenden wollen gegen ein vom Staat geschütztes Wirtschaftssystem angehen und wundern sich dann, wenn der Staat es schützt. Das Berufen auf die Versammlungsfreiheit verbleibt so in der Beschränkung der Demokratie gefangen. Das Aufbringen von Bussen (z.B. aus Berlin), die auf den Weg zu diesen Versammlungen sind, die momentan schlicht und ergreifend verboten sind, ist nichts weniger und nichts mehr als das Durchsetzen der Rechtslage. Nach dieser ist es nämlich verboten, zu verbotenen Veranstaltungen anzureisen.

2. Polizei, Gewalt und Friedlichkeit.

Zu den größeren Aufregern des gestrigen Tages gehörte es, man mag es Farce nennen, dass tatsächlich ein Bulle eingesetzt wurde, der im Zuge der S21-Proteste mal Demonstrant_innen geschlagen hat. Für die Kommentator_innen des öffentlich-basisdemokratischen Kurznachrichtenfunkes Grund genug für einige Vermutungen. Für die einen ist er Nazi, die anderen rufen ihn dazu auf, »sich gleich mal von #Blockupy zu verpissen« ein anderer (ich habe den Tweet leider ausgedruckt und dann verlegt) scheint es offensichtlich, dass der unliebsame Ordnungshüter geschickt wurde, um die Protestierenden zu provozieren. Nicht, dass die Anwesenheit von ein paar hundert Bullen Grund genug wäre, sich provoziert zu fühlen. Dieser eine spezielle ist das. Wenn man das auf alle bundesdeutschen Hundertschaften und Streifenbullen anwenden würde, die im Dienst schon mal jemanden geschlagen haben, hätte vermutlich jeder Polizeieinsatz den alleinigen Grund die Betroffenen durch Anwesenheit bestimmter Einzelfälle zu provozieren. Nene. Nichtsdestoweniger hallen die Aufrufe durch die Gänge, dass man sich auf keinen Fall provozieren lassen soll, dass die Friedlichkeit die stärkste Waffe des Protestes sei usw. Stimmt schon, die Staatsgewalt, gewandt gegen das Volk, das gibt immer feine Bilder in den bundesdeutschen (vielleicht gar weltweiten!) Medien ab. Danach wird dann zwei Tage ein wenig Kritik geübt. Nicht an der Staatsgewalt an sich, sondern an den Ausschweifungen jener. Vielleicht gibt es noch eine Runde bei Jauch, in der der Bundesinnenminister »hart durchgreifen« sagt (was anderes kann er nämlich gar nicht sagen, Berufskrankheit), Geißler den Schlichter spielt (Knüppel: ja, aber mit Zuckerwatte), Schäuble sagt »Es ist ja nicht alles gut, deswegen bin ich mal hierher gekommen« und im Publikum Leute mit hässlichen T-Shirts sitzen, die dann auch mal befragt werden, um der Basisdemokratie Genüge zu tun.

So weit wird es aber nicht kommen. Wenn es nach dem Willen der Protestierenden geht. Zwar bringt sie das in ein Dilemma, das irgendwo in den tausenden Kommentaren auch mal erkannt wurde: Ohne Gewalt wird gar nicht berichtet, mit Gewalt nur über die Gewalt. Da alleinig der Maßstab »Es wurde berichtet« reicht (für Satisfaktion oder Shitstorm), kann ein klein wenig Gewalt den Protestierenden nur recht sein. Ist es aber nicht. Man muss sich ja alleine schon »von Chaoten abgrenzen« – während Pressemeldungen veröffentlicht werden, dass der Protest sich keinesfalls spalten lasse. Von Zeit zu zeit heißt es, dass die staatliche Gewalt zu akzeptieren sei und es halt keine Gewalt neben ihr geben dürfe (Grundgebote, Artikel 2). Zwar ist man sich nicht zu blöd (s. Absatz 3) sich auf eine Stufe mit den Protestierenden weltweit zu stellen, aber friedlich. Weiteres zur Gewalt will ich an dieser Stelle nicht anmerken und verweise stattdessen auf einen alten Artikel zur Gewalt, einen Text zur Militanzdebatte und eine kommende Rezension des Buches »Von der Diktatur zur Demokratie« von Gene Sharp in diesem Blog.

3. Kuriositätenkabinett.

Deadline für dieses Kabinett ist 15.40h gewesen, man muss ja irgendwie zum Ende kommen, die Auswahl ist vollkommen subjektiv und sicherlich nicht komplett.

»Ok, wenn die Banklobbyisten #Blockupy Demo verbieten, Plan B: Konten leer räumen. Und zu Sparkassen wechseln.« (Frank)

»#OCCUPY #REICHSTAG RT @broeselbub: Totalitäre Staaten verbieten Demos, weil sonst was über üble Machenschaften nach außen dringt. #Blockupy« (Schwarz Weiß)

»›Dieser Zug hält nicht an der #Taunusanlage!‹ Müsste ich da jetzt hin wäre ich ziemlich sauer! #Blockupy #Frankfurt« (Oliver Schellpepper)

»Spontan-Demos mit 3 Leuten können nicht verboten werden#Blockupy #Frankfurt #Occupy http://t.co/BmsxFS7U« (Zimbi)

»#blockupy Diese Protestler müssten jede Uniform die sie mit Farbe versaut haben ausnahmslos bezahlen. Kein Pardon für Störenfriede…« (Strolch von nebenan)

»Uni #Frankfurt wird wegen #Blockupy geschlossen. Asta ist über autoritäre Präsidiumspolitik schockiert http://t.co/6SBDlylr« (ak. analyse & kritik)

»Das bespritzen von Polizisten ist NICHT friedlich! #Occupy ist NICHT friedlich! Blockadecamps sind NICHT friedlich! #frankfurt #Blockupy« (Luca Leittersdorf)

»RT @Dahonk: Was gerade in Frankfurt passiert, erinnert mich an die letzten Tage der DDR 1989. Danach brach das System zusammen.#blockupy« (Thom Twitting)

»#zumglueck89nichtaufdiestrasse ›16 Menschen wurden vorläufig festgenommen‹ (Frankfurt) & ›18 Menschen wurden festgenommen‹ (Baku) #blockupy« (Else)

»Es ist leichter in Teheran gegen die Mullahs zu demonstrieren, als in Frankfurt gegen die Globalisierung #blockupy« (H. Martin)

»Wann verhängt die schwarz-grüne #Junta wg. #Blockupy das Kriegsrecht über #Frankfurt? Was kommt noch? #Ausgangssperren?#cdu #grüne #fail« (Andreas Marktzyniker)

»Wenn meine Schule uns schon nach Hause schickt um unsere Sicherheit zu gewähren, heißt das was. #Blockupy« (Jessy.)