Archive for the ‘Promo statt Pomo’ Category

Annulled User – 02

Montag, April 7th, 2014

Mit kurzer Kritik ist es so eine Sache, sie trifft oft ihren Gegenstand nur so halb und die großen Schwestern aus dem vergangenen Jahrhundert sind dann halt cooler. Technoplatten verzichten gerne  auf jede Kritik und dieses Lamento ist so alt, dass man es selber schon gar nicht mehr hören mag. Es ist nicht nur deswegen obsolet so gedankenverlorene Denkansätze zu fabrizieren wie: «Man könnte sich jetzt vermutlich darüber streiten, ob die Dreisatzökonomiekritik des Begleittextes das Elend unserer Vergesellschaftung auf den Punkt trifft, oder doch hinter der Dreibuchökonomiekritik des ollen Kalle zurückbleibt.» Die Dreisatzökonomiekritk dieser Platte lautet:

«The end user has now become obsolete. We are just an entity that sell goods. We are not the target but on the contrary a mean to make profit.»

Ja doch stimmt aber. Nichts aber. Es stimmt und für einen Promotext ist das vermutlich eines der klügsten Statements über die uns umgebende Welt, die man zu lesen kriegen wird. Verfeinert wird dieser Umstand dadurch, dass die 02 keineswegs hinter der 01 zurückbleibt, sondern glücklicherweise noch ein bisschen variantenreicher daherkommt. Techno. Gut.

Good Kingdom.

Freitag, Juli 5th, 2013

Vor ein paar Monaten wurde ein neues Moderat-Album angekündigt, letzte Woche die erste Single veröffentlicht. Bad Kingdom ist als Download und limitierte 10″ auf Monkeytown, dem Label von Modeselektor, erschienen, das Album wird Anfang August nachgereicht. Dass das Video zur Single wieder von der Pfadfinderei stammt, lässt auf ein ähnliches audio-visuelles Gesamtkunstwerk (Zur Erinnerung: Rusty Nails) wie beim ersten Album hoffen, überhaupt lässt der Track einiges erwarten. Wer nicht warten kann – oder will – kann sich schon Tickets für die Release-Shows im Hamburger Kampnagel (11. August) respektive der Berliner Columbiahalle (29. September) sichern, oder das Album in verschiedenen Ausführungen vorbestellen.

Album: Moderat – Moderat II | Monkeytown Records | erscheint am 2. August 2013
Single: Moderat – Bad Kingdom | Monkeytown Records | bereits erschienen

Tipp zur Nacht: Queerifications & Ruins.

Donnerstag, Juli 4th, 2013

DJ Sprinkles, hat vermutlich auch Vor- und Nachnamen und Alter, ist so ziemlich das, was man »Wahnsinnsproduzent« nennt. Meistens ist das House, macht aber, wie bei seinem verzückenden Empty Dancefloor Remix für June, auch vor Ambient keinen Halt, von unzähligen Einflüssen abgesehen.1 Nebenbei macht er auch noch einen ganzen Haufen anderes Zeugs. Texte, Performances, Design, gerne mit dem Vorzeichen Queer. An dieser Stelle sei es dabei belassen, auf seine Website hinzuweisen. Um seine Musik geht es bei der Anthologie mit dem wunderbaren Namen Queerifications & Ruins. Die Bezeichnung Anthologie verrät es schon, es geht um zusammengefasste Werke: Remixes von ihm aus den Jahren 2006-2013. Erschienen ist sie auf Mule Musiq, die schon das Album Midtown 120 Blues und einen feinen Haufen EPs von ihm veröffentlicht haben. Begleitend zur Doppel-CD sind 4 der Tracks auch auf 2 VinylAuskopplungen zu haben. Schwallinsall. Anhören.

DJ Sprinkles — Queerifications & Ruins – Collected Remixes By DJ Sprinkles | 2CD bzw. 2 x 12″ | Mule Musiq

  1. Kritische Fußnotiz: Wegen solcher Sätze, die in ihrer überstrapazierten Wahrheit manchmal so nötig wie sie immer quälend sind, wird über Musik schreiben schnell zum Spiel mit den eigenen wie fremden Zehennägeln. []

Das ist etwas, woran man sich halten kann.

Sonntag, Dezember 9th, 2012

»Musikalisch ausgereift, versiert und experimentierfreudig, textlich so klar und deutlich wie selten: gegen dich, deine Freunde und alle anderen sowieso. Und das alles ohne ausfallend oder stumpf zu werden – die selbsternannte Szenepolizei ist auf dem Gipfel angekommen und pöbelt fröhlich herunter.« Soweit der Promotext. Promotexte neigen zur Übertreibung und dahergelaufene Blogger, die auf einmal Rezensionen schreiben, dazu, Platten zu rezensieren, die sie richtig geil finden.

Eines von beidem stimmt auch hier. Erstmal die Fakten: Die Kaput Krauts gibt es seit 2003, sie erfüllen das Klischee der Klischeefreiheit und Straße Kreuzung Hochhaus Antenne ist das beste Punkalbum seit einiger Zeit. Bei Punk, der nicht auf den Kopf gefallen ist und selbst beim Lesen der Texte noch Überraschungen bereithält, neigt man dazu etwas von …But Alive zu schreiben. Zurecht. Deswegen sei das hiermit getan: Die Kaput Krauts stehen gleich neben …But Alive auf dem Bierkasten meiner Lieblingspunkbands. Oder kurz: Verdammt, der Promotext hat recht.

Straße Kreuzung Hochhaus Antenne ist klug. Und eine Platte mit dem Besten der Punkmusik in wirksame aber nicht peinliche Dosen verpackt. Filmzitate, Rappart, Gitarrenriffs, Sing Sang. Und viel Wut. Music for the riot hour. Anhören.

Straße Kreuzung Hochhaus Antenne ist bei Twisted Chords erschienen | 12″ kaufen (inklusive Download-Code) | CD kaufen

Heinz Buschkowsky – Neukölln ist überall. Eine Rezension.

Freitag, Oktober 19th, 2012
Vor Ihnen liegt ein politisches Buch, keine wissenschaftliche Expertise. Die hätten sie vielleicht auch gar nicht gekauft. Ich bin nur der Bürgermeister eines Berliner Bezirks mit über 315 000 Einwohnerinnen und Einwohnern und der Flunderperspektive seines Rathausturms, kein Wissenschaftler. Die, die ich beschreibe, ist die Neuköllner Welt. Die Ableitungen, die ich für mich vornehme, müssen für die Gegebenheiten Ihrer Stadt und für Ihr Lebensumfeld nicht zutreffen. Die Entwicklung kann bei Ihnen sogar einen gegenteiligen Verlauf genommen haben. Insofern verschreibt dieses Buch nicht zwingend Rezepte. Ausschließen kann ich es aber nicht. Denn es gibt viele Neuköllns. Sie heißen nur anders. Doch egal, verständigen wir uns darauf, dass es einfach nur die aufgeschriebene Wirklichkeit an einem bestimmten Ort in der Bundesrepublik Deutschlands ist. (Seite 9)

Nun. Eigentlich sagt der erste Abschnitt mehr aus, als man bei der Lektüre des restlichen Buches zu erfahren hoffen kann. Was dazu einlädt, die Lektüre zu beenden und die Rezension kurz zu halten: Es ist vermutlich ganz einfach unnütz einem Buch, von dem schon der Autor glaubt, dass der Wahrheitsgehalt vielleicht keiner ist und der die These des Titels schon im ersten Absatz des Vorwrots selber in Zweifel zieht, mehr politische Aufmerksamkeit zukommen zu lassen als der letzten Ausgabe der Pixi-Heftchen. Da das Buch momentan in der 7. Auflage ausgeliefert wird, scheint dieser Appell zu spät zu kommen. Anstatt einer ausführlichen Diskussion trotzdem nur zwei alternative Deutungen.

Anhand von Sätzen wie »Der Name Neukölln hat durchaus einen beachtlichen Bekanntheitsgrad erlangt. Das verwundert aber nicht, weil, man ja auch New York, Paris und Rom kennt« (Seite 17) könnte man beinahe vermuten, dass es Buschkowsky hier nicht mal wirklich um ein politisches Projekt ging, sondern um eine Rolle im samstagabendlichen Krawallklamauk rund um Cindy und die jungen Wilden. Die Wendung, zu der er in den letzten beiden Sätzen des Buches kommt (»Wo Neukölln ist, ist vorne. Sollten wir einmal hinten sein, ist eben hinten vorne.« [Seite 382]) lässt hingegen vermuten, dass er selbst dem ollen Hegel Konkurrenz in dialektischer Methode machen will. Selbstverständlich trifft keines von beidem zu. So ernst er sich selber und seinen literarischen Erguss, der oft auf dem Niveau einer Schularbeit verbleibt, nimmt, so ärgerlich ist das Buch. Letztendlich ist es aber nur ein weiteres Ärgernis in einem ohnehin ärgerlichen Diskurs. Buschkowsky ist sicher nicht das große Böse – ebensowenig aber ein Streiter für die Emanzipation. Sein Buch als Wiedergabe der Wirklichkeit teilweise tatsächlich interessant, als Deutung jener aber weitgehend unbrauchbar.

Heinz Buschkowsky; Neukölln ist überall | Ullstein; 2012 | gebundene Ausgabe; 19,99€ | bereits erschienen

Kleiner Bushido.

Mittwoch, Oktober 10th, 2012

Im JUNI-Magazin für Kultur und Politik schrieb Sascha Verlan vor einigen Jahren über die damals noch recht frische »Gangster«-Rap-Bewegung in Deutschland: »Sie [Aggro Berlin etc.; Anm. RnR] bedienen die Klischees, um davon finanziell zu profitieren, nicht um sie zu brechen, wie es gute HipHop-Tradition wäre. Nein, hier geht es niemandem um HipHop oder gar darum, die Verhältnisse zu ändern. Es geht schlicht um Publicity, es geht um Öffentlichkeit und es geht um Verkaufszahlen.« Die jungen Rapper und ein paar wenige Rapperinnen kamen aus einem Ghetto, das sie selber erschufen, sie »verwechselten Härte mit Gewalt, Authentizität mit schlechten Lebensverhältnissen« (Verlan).

So geht das mit Bushido seit ungefähr unzähligen Alben und Singles, Möchtegernskandalen und Preisen. Wo die Beats früher noch aus purer Not schlecht waren, sind sie es heute aus der puren Gefälligkeit, die Popmusik auszeichnet, die schon immer nicht auf die Verkaufszahlen schielt, sondern diese fest im Blick hat. Das hat natürlich nichts mehr mit dem mysteriösen Bordstein zu tun, von dem er sich mal verabschiedete, um – Authenzität oder was auch immer sei gelobt – zwei Alben später wieder zu ihm zurückzukehren. Es spricht zwar nichts dagegen, ein Album in einer limitierten Edition für 39,90€ zu verscherbeln, es spricht aber auch nicht sonderlich viel dafür. Es spricht auch nichts dagegen, 10 Jahre den gleichen Aufguss schlechter Raps zu verkaufen, nur auch wieder nicht sonderlich viel dafür. An dieser Stelle sei fairerweise erwähnt: Es spricht auch nichts dafür, den gleichen Aufguss schlechter Raps immer wieder zu kaufen.

Wenn Bushido es schon nicht lassen kann, von Authentizität zu schwafeln und eine Marke zu verkaufen, dann wäre es vielleicht an der Zeit, seine Authentizität zu erneuern und vom harten Leben mit dem Aushandeln von Plattenverträgen zu erzählen. Blöd nur, dass das nun wirklich niemanden mehr interessiert. Dann halt wieder die immergleiche Melange aus Punchlines hart wie Butter nach einer Stunde in der Sonne und schlecht inszenierter Gewalt. Ein kleines bisschen Aufschrei im Feuilleton ist sicher wieder drin. Film ab.

David-Guetta-Content.

Freitag, Dezember 30th, 2011

Es kann David Guetta schon mal passieren, dass er einfach vergisst seine CD-Spieler und den Mixer anzuschalten. Das muss einem auch nicht auffallen, wenn die Anlage trotzdem Töne von sich gibt. Nun, fernab davon muss man auch keine allzu hohe Meinung zum Titan des Pophouseolymps haben. Aber: David Guetta kann auch anders. Mit angeschalteten CD-Spielern. Man muss David Guetta auch nicht vorhalten, dass er Erdbeerschnitzel nicht kennt. Selber schuld. Worüber man dann aber schmunzeln darf, wenn David Guetta, aber seht doch selbst:

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt.

Mittwoch, Dezember 7th, 2011

Das Kraftfuttermischwerk hat sich dieses Jahr wieder die Mühe gemacht einen musikalischen Adventskalender auf die Beine zu stellen. In dem geht es überraschend bunt gefächert zu (Jazz, Dubstep von Tanith). Dran bleiben lohnt sich. Lohnen tut sich auch der heutige Mix von der Wiener DJ Objet A. Die turnt vor allem durch Österreich und legt gewöhnlich so auf, dass kein Bein regunglos verharrt, meistens auch noch der ganze Körper hinterher wackelt. Aber wozu lange Reden schwingen.

In anderem Fahrwasser unterwegs ist Andri. Der hat auf URSL mit der wunderschönen Rock The Night EP vorgelegt (vor allem der titelgebende Track featuring Hellsongs ist ein Ohrwurmhit allererster Güte) und setzt jetzt mit einem 20 minütigen Epos namens Nancy Trippin nach. Irgendwo zwischen Sonnenaufgang und der Flucht mit warmer Milch mit Honig ins Bett. Und die WAV gibt es als Geschenk zum Download.

Mal wieder was von Hot Chip.

Dienstag, Dezember 6th, 2011

Gut, man kann von Dominik Eulberg im allgemeinen und seinem Naturfimmel im besonderen halten was man will (also eher nicht so viel), aber mit seiner versehentlichen Geschmackssicherheit, die Für-Immer-Boygroup Hot Chip mit einem Remix für den Track „H20“ seines Albums „Diorama“ zu beauftragen, hat er deutlich Pluspunkte gesammelt. Der Remix erscheint als 4 Track-EP auf Traum Schalplatten, zusammen mit Remixen von Kollektiv Turmstraße, Extrawelt und Gabriel Ananda. In der digitalen Version gibt es zusätzlich noch einen Rone Remix, einen unreleasten Stephan Bodzin-Remix von „Teddy Tausendtod“ sowie eine instrumentale Version des Hot Chip-Beitrags.

Mal was schönes.

Dienstag, Dezember 6th, 2011

Falls es irgendjemandem noch nicht aufgefallen ist, heute ist Dienstag. Das ist der Tag nach Montag und generell ein so genanntes Arschloch. Weil aber die Welt so wie sie ist sich in einem Zustand des vollkommen beschissen sein befindet, sehe ich es gar nicht ein mir auch noch von Wochentagen die Laune unnötig verhageln zu lassen. Mal abgesehen davon, dass ich bestimmt seit wenigstens lange nicht mehr feiern war. Auch egal. Weil ihr alle Ben Howard oder Ane Brun schon kennt, verweise ich auf die nur im Subtext, quasi zur Gedankenauffrischung. Im Mitteltext verweise ich auf den wirklich schönen Remix, den Kollektiv Turmstrasse für Dominik Eulberg gemacht haben. Und komme dann zum eigentlichen Punkt: Vor 190 Jahren wurde der Chronograph erfunden. Montblanc hat das zum Anlass genommen einen Kurzfilmwettbewerb auszurufen. Einen Sehrkurzfilmwettbewerb. Die Aufgabe war Schönheit in einer Sekunde zu filmen. Wer noch mitmachen möchte, die dritte Runde läuft bis zum 13.12. Einfach auf diesen Link klicken.