Archive for the ‘Publikumsbeschimpfung’ Category

The medium is the medium.

Dienstag, Oktober 30th, 2012

Es sieht zugegebenermaßen gut aus, einen Schrank voller Platten im Zimmer stehen zu haben. Platten sind in dem Falle das musikalische Äquivalent des Buches. Unübersehbare Manifestation des eigenen Geschmacks. Es sieht nicht gut aus, eine Festplatten voller Audiodateien im Zimmer stehen zu haben. Audiodateien sind in dem Falle das Äquivalent zum E-Reader. Auch sie können Manifestation von Geschmack sein – man sieht ihn nur nicht. Durch eine Liste von Dateien zu scrollen ist ungefähr so spannend, wie dem Verfaulen einer trockenen Nudel beizuwohnen. MP3s haben keine haptisch fassbaren Cover. Platten schon. Platten sind geil. Sind sie?

Vor allem sind Platten schwer und vergänglich. Verdammt schwer. Nicht so verdammt vergänglich, aber die kaputte Rille der Lieblingsplatte ist allen ein Begriff, die mit Platten umgehen. Trotzdem halten sich die Liebhaber_innen mit einigem Eifer an ihrem Medium fest, kolportieren Gerüchte, werden in manchen Fällen leider komplett verrückt darüber. Um das hier kurz festzuhalten: Die, die über ihrem Platten-Fantum verrückt werden, sagen nichts gegen oder über das Medium aus. Kaffee wird auch nicht besser, weil irgendwelche Trottel Glaubenskriege über die richtige Herstellungsweise führen. Um die Verrückten soll es mir aber auch gar nicht gehen. Es soll über – oder vielmehr: gegen – das Gerücht gehen, dass das Medium die Nachricht ist. Wobei das abstrakt und für sich genommen sogar stimmt.

Die Frage, die sich also vorher noch gestellt werden muss, ist, welche Nachrichten ein Medium senden kann und welche nicht und, daran anschließend, ob wirklich diese Nachrichten beabsichtigt sein sollten, wenn man wieder einmal »The medium is the message« sagt. Am konkreten Beispiel Vinyl kann die Nachricht zum Beispiel sein, dass man sich schon seit Jahren Musik kauft, distinguiert auf dem Turm über dem Haifischbecken Populärkultur steht, oder sich in einer kulturellen Tradition sieht. Die 12“ ist vermutlich das eingängigste und immer noch gegenwärtigste Symbol – okay, neben Pillen – von Techno als Kultur. Über diesen Zusammenhang wurde schon genug geschrieben, auch von Menschen, die sich damit wesentlich besser auskennen, als ich. Was aber schon klar wird: Keiner der wenigstens halbwegs offensichtlichen Nachrichten des Vinyls hat etwas mit der Musik als solches zu tun. Wenn man bezogen auf die Musik sagt »The medium is the message«, dann wechselt man fröhlich den Gegenstand.

Wenn man Musik aneinanderreiht und das auch noch öffentlich tut, muss man sich mit allerlei Unwägbarkeiten rumschlagen. Kaputte Technik, nervige Gäste, zu wenig Getränke, komische Veranstalter_innen. Das alles macht nichts! Man macht es ja gerne. Man liebt die Musik. Umso nerviger, wenn es dann nicht um die Musik geht, sondern man sich für die Methode rechtfertigen muss, mit der man auflegt. Das Auflegen mit Laptop und Controller steht unter dem Verdacht, von der Fähigkeit zum Auflegen meilenweit entfernt zu sein. Warum eigentlich? Weil das Programm einer erspart, die halbe Zeit damit zu verplempern, die nächste Platte auf Geschwindigkeit zu bringen? Weil einer ein Programm wie Traktor durch Loops oder die Möglichkeit die A1 und A2 einer Platte, die dann selbstverständlich keine Platte mehr ist, nacheinander zu spielen, Felder der Kreativität geöffnet werden, die mit zwei Plattenspielern höchstens ein feuchter Traum waren? Sicher. Man kann sich in den technischen Möglichkeiten verlieren und zigmiarden Effekte auf tausende Samples treffen lassen. Aber das ist nur ein mögliches Problem des Mediums, kein notwendiges. Man kann es genauso gut lassen. Platten klingen nicht mal besser. Sie klingen höchstens anders. Und in einer Welt, in der sich die Menschen Musik von YouTube rippen (es soll sogar Leute geben, die mit YouTube-Rips auflegen), klingt das irgendwie egal. 99% der Musikkonsument_innen werden den Unterschied erst erkennen, wenn die Platte springt, oder sie dann plötzlich eine gute Anlage vor sich haben und sich wundern, warum der YouTube-Rip scheiße klingt. Zuhause war doch noch alles gut. Falls sich jetzt jemand fragt, warum das so ist: Das Problem liegt um die 128kbps und ist die Soundqualität, in der YouTube abspielt.

Von Seiten der Vinyl-Fanatiker_innen kriegt man weiterhin zu hören, dass man sich über das Gewicht der Platten nicht beschweren solle, schließlich kriegt man ja Geld dafür, im Club zu spielen und dann kann man doch ein wenig Arbeit auf sich nehmen. Mag sein. Aber nur, wenn man das Geld fürs Plattenschleppen kriegen würde. Dann soll sich aber auch bitte nicht beschwert werden, wenn die angestellten Schlepper_innen die Tasche hinter dem Pult abstellen und sich dann betrinken gehen. Übrigens: Das »bisschen Arbeit« ist schon zu einigen Stunden Arbeit geworden, bevor man sich überhaupt auf den Weg zum Club macht. Musik kaufen, Musik hören, sich einen ungefähren Plan ausdenken, wie man was spielen will, Plan wieder verwerfen, Musik von vorne hören, noch eine kleine künstlerische Krise, neuer Plan. Nur damit dann vor Ort doch alles anders ist. Aber man liebt ja die Musik.

Und wo wir gerade bei Liebe sind. Fernab aller Medien: Die wichtigste Voraussetzung, um Musik ineinander zu mischen, ist und bleibt, sich mit Musik zu beschäftigen. Es spielt dabei überhaupt keine Rolle, ob man »Ahnung von Musik« hat. Diese Ahnung ist nichts, als Standesdünkel jener, die die Musik durch Begriffe ersetzt haben. Das Beharren auf der Überlegenheit des Vinyls wiederum muss sich dem Vorwurf stellen, Standesdünkel jener zu sein, die die Musik durch Medien ersetzt haben. An diesem Punkt kann die Verteidigung der Platte nur noch mit einem »Ja, aber« aufwarten. Die Musik ist gut, aber. (Im Falle als schlecht empfundener Musik gerne durch ein gehässiges »Ha! Die Musik ist scheiße, Laptop-DJ« ersetzt.) Dieser Elitismus wirkt besonders komisch, wenn er in einer (Sub)kultur geäußert wird, die – damals, als die Pillen noch gut waren – angetreten ist, die Unterschiede zwischen den Menschen, auch zwischen Publikum und DJ, aufzuheben in kollektive Ekstase und Egalität. Für die Unmöglichkeit dieses Projekts, wenn der Inhalt sich auf BummBumm, Bumsen und Pillen beschränkt, kann man ihn natürlich auch bezeichnend finden.

Warum bitte sollte das Vermitteln von Musik das Hobby oder gar der Job jener sein, die es sich leisten – oder irgendwie von den Rippen absparen – können, mit einem bestimmten Medium auflegen zu können? Dass es auch im Bereich der elektronischen Tanzmusik nicht gelungen ist, die allgegenwärtige Konkurrenz im Hamsterrad aufzuheben, rächt sich im Zeitalter der endgültigen technischen Reproduzierbarkeit eines jeden Werkes. Die Demokratisierung der Produktionsmittel kann in der Logik der Konkurrenz nur als Angriff auf das Etablierte erscheinen. Das vernünftige Projekt wäre kein Dogmatismus, sondern das Einsehen in Nach- und Vorteile aller Medien. Wie diese zu gewichten sind, bleibt Sache der Einzelnen.

Dass die Demokratisierung einen Haufen Scheiße an die Öffentlichkeit spült, ist auch nicht mehr oder weniger als die Aufhebung tradierter Formen der Öffentlichkeit. Ich gehe jede Wette ein, dass der Geschmack der Mehrheit in den Anfangstagen des Technos ebenso beschissen war, wie der Geschmack der Mehrheit, der auf Soundcloud & Co veröffentlichen Werke. Die Tragik der Popularisierung trifft Techno im weiteren Sinne nicht als erstes und hat ihn auch nicht als letztes getroffen. Die allgemeine Verfügbarkeit von Pinseln und Blättern schaffte keine Millionen Picassos und die Verfügbarkeit von Photoshop keine Millionen Graphikdesigner_innen. Genauso wenig schafft die allgemeine Verfügbarkeit von Traktor oder Serato und der zugehörigen Musik für lau auf unzähligen Blogs Millionen guter DJs.

So droht die prinzipiell begrüßenswerte Destruktion bestehender Zugangshierachien allerortens an der Ahnungslosigkeit der Mehrheit zu scheitern. Es ist zum Verzweifeln. Nicht nur, aber auch, weil man eigentlich nur Musik hören wollte. The medium is a message, so wie das Sprechen darüber eine ist. Ein Medium ist aber vor allem eines: Medium.

Bummelmuttis. Über die Unmöglichkeit der Diskretion auf dem Gehweg.

Samstag, Oktober 27th, 2012

Eye, selig-naiv grinsende Bummelmuttis, die ihr euren Nachwuchs wie Monstranzen des Bessermenschentums rumgewickelt vor euch hertragt und wie die Bachen im Frühling auf der Waldlichtung euch auf dem Bürgersteig schart, als habet ihr mit der Gnade der Mutterschaft das Vorrecht erwirkt, euren Mitmenschen die Zeit zu stehlen, denn weder links noch rechts noch mittendrin führt ein Weg an eurem penetrant zur Schau gestellten Glück vorbei! Nein, ich neide euch nichts und wenn ich beladen mit einer bleiernen Aldi-Tüte in der Linken und einem mittelschweren Aktenkoffer in der Rechten daherkomme und im Rahmen sozialer Gepflogenheiten, sozusagen freundlich aber bestimmt, um Platz und Vorbeikommen bitte, dann gibt es keinen Grund, ausfällig engagiert zu erklären, mir fehlte der Kindersegen für meine charakterliche Ausgeglichenheit; überflüssig, eure Augäpfel zu verdrehen, eure Nasen zu rümpfen und auch der Faltenwurf auf euren sonst so anmutig östrogengeglätteten Stirnen ist umsonst. Wundert euch aber nicht, wenn ich die linke Braue über ein solches Gebaren anhebe und mir die Adern in den Schläfen anschwellen und bersten. Denn euer verächtliches Betragen erfüllt eine psychologische Funktion: Niedergekommen aus einer entstellten Vorstellung von Freiheit, spiegelt es nicht weniger als eure Ohnmacht in den heurigen Verhältnissen – was ihr wenigstens mit dem Gefühl moralischer Überlegenheit zu entschädigen sucht.

Anders verkraftet ihr eure Kränkung nicht, da ihr insgeheim lange schon und ganz zu recht habt alle Hoffnung fahren lassen. Verkraftbar ist euch dies mit einer Politur der Widersprüche, die euch selbst mit allen Zwängen versöhnt denken lässt. Was euch Unbehagen bereitet, sind jene, die abweichen von euch, die ihr das Allgemeinste als Individuelles begreift. Anders leuchtet nicht ein, wie ihr privates Glück in einen Heilsdienst an der Menschheit umdeutet, der gefälligen Respekt von allen einfordert, die sich der Hingabe an die Strapazen einer Mutterschaft entziehen. Kinderlose Frauen gehen, wie Homosexuelle (Neuerdings werden auch alle, die sich dem Zwang zur inzwischen ökonomisch notwendigen Selbstoptimierung, z.B. qua Nicht-Rauchen, leiblicher Ertüchtigung und Halbfettmargarine verweigern, als fragwürdig identifiziert.), das Wagnis ein, erkennen zu geben, dass sie ihre leibliche Funktion nicht in den Dienst des Kollektivs stellen, Sexualität gar zum individuellen Lustgewinn praktizieren und werden deshalb apriorisch verdächtigt, die Reproduktion zu hintergehen. Ganz so, als sei ein Einzelnes mächtig, sich gesellschaftlicher Zwangsarbeit, wenn auch in ihrer abgemilderten Variante, zu verweigern, wird jedes Indiz für Individualität zur nackten Provokation. Die Blaupausen vom selben Entwurf, Menschenleben genannt, werden vom weichgespülten liberalen Verstand als höchster Wert veranschlagt, doch sind sie ohne Fleisch und Blut, denn das vermittelnde Element für Assimilation schlechthin ist in der Überflussgesellschaft Mangelware und eben diese Relation produziert gesellschaftlich überflüssige Mangelwesen.

Die Akzeptanz dieser Anomie gelingt nicht ohne Qual. Der Besitz an sich selbst und freier Wille können allenfalls Schein sein, wenn private Existenz abhängt von unbeeinflussbaren ökonomischen Prozessen. Niemand gibt pränatal sein Einverständnis darin, das Licht dieser Welt zu erblicken. Aber selbst von allem Sinn beraubt, treibt die gesellschaftliche Ordnung dennoch dazu an, Erleuchtung in der Unterjochung des persönlichen Glücks zu suchen. Die vorbehaltlose Bejahung des eingekerkerten Lebens kennt nicht einmal die Hoffnung auf ein seliges irdisches Leben. Ökologische Gemüsekisten und nachhaltige Kindergärten vermögen findig darüber hinwegzutäuschen, dass Leben in der Gegenwärtigkeit nur als verwertendes von Wert ist. Das Subjekt, das sich selbst erkennende Erkennende, verdankt die Eventualität seiner Existenz überhaupt erst dem Markt, denn Individualität hatte ihre Geburtsstunde in der Entfesselung der Zirkulationssphäre: Diese Art der Unfreiheit, private Arbeitskraft gesellschaftlich veräußern zu müssen, setzt paradoxerweise die Fähigkeit voraus, sich selbst zum Gegenstand von Erkenntnis zu machen und sich von anderen unterschieden wahrnehmen zu können. Selbsterkenntnis könnte den Status eigener Gefangenschaft bewusst mitdenken. Der unerträglichste Widerspruch ist jener, dass das Potential zu individuellen Lebensentwürfen überhaupt erst im Warentauschverhältnis möglich wird; denn der Markt ist leidenschaftslos gegen Alter, sexueller Identität und Hautfarbe, er kennt nur Verwertungsobjekte, treten diese nun als Arbeitskraft oder Konsument in Erscheinung. Innerhalb dieser allgemeinen Nivellierung ist die Entscheidung für oder gegen Elternschaft überhaupt erst denkbar. Verachtung gegen Mütter, weil diese den Ruch der alten Ordnung, die Stigmata der Bezwingung durch das Patriarchat und biologische Dienstbarkeit an sich trügen, verfehlt den Gedanken von Emanzipation. Solche Lesart blendet den eigenen Gehorsam gegen die bestehenden Verhältnisse aus, verkennt, dass die Gesellschaft nicht für die Menschen geschaffen wurde, missdeutet Individualität als ahistorisch und natürlich. Was von falsch verstandenem Feminismus anvisiert wird, ist die Gleichberechtigung oder Machtumkehr der Geschlechter im Konkurrenzverhältnis am Arbeitsmarkt.

Zweifelsohne sind in der Logik des Bestehenden egalitäre Integrationschancen für die Existenzerhaltung elementar notwendig, nur ist es eine fragwürdige Utopie von einer Gesellschaft, die allen das gleichrangige Recht zur Selbst- und Fremdausbeutung gewährt. Es nimmt nicht wunder, wenn aus solchem Verständnis Mutterschaft grundsätzlich reaktionär geschimpft wird. Indes ist der zur Schau gestellte Regress jener Frauen, die in ihrer Mutterrolle aufgehen und kinderloses Leben nur als Stumpfexistenz begreifen, die Kehrseite desselben Ungemachs über die Unmöglichkeit der Glücksverheißung. Die aufgrund nicht-konformer Geschlechteridentität sichtbar gemachte Differenz, die Ahnung von souverän bestimmter Selbstentfaltung, wirft Fragen auf über den Charakter des gesellschaftlichen Status quo: Die als verwirklicht behauptete Freiheit könnte als Feigenblatt und Legitimation gesellschaftlich schlechter Praxis enttarnt werden – und die Sinnlosigkeit des eigenen Lebens gleich mit. Aber die Wut darüber richtet sich nicht gegen die Verhältnisse, sondern wird untereinander gewaltvoll ausgetragen. Die Verrohung der Umgangsformen und die Kultivierung der Rücksichtslosigkeit auf den Gehwegen, Bahnsteigen und Shopping Malls ist Hingabe an die verdrängte eigene Ohnmacht. Der Ekel davor, sich selbst Gewalt antun zu müssen, sich selbst und andere auszubeuten, wird, einem Spiegelkabinett als Schaustellerattraktion gleich, verzerrt nach außen zurückgeworfen auf alle, die sich als Opfer anbieten. Wer sich in der öffentlichen Sphäre zurück nimmt statt zu nehmen, überhaupt meint, es mit besonnenen Menschen zu tun zu haben, gibt sich selbst als menschlich zu erkennen, markiert den Makel der Verletzlichkeit und erinnert an die unbezwungene Sterblichkeit. Die sich als sorgende Gemeinschaft gerierende Horde fand genau deshalb zusammen, um die Aussicht auf das Durchprügeln der Partikularinteressen wahrscheinlicher zu machen. Wer glaubt, Individuen anzusprechen, der irrt!

Individuelle menschliche Verhaltensweisen erinnern die Monaden an ihre rudimentäre Mündigkeit, die allenfalls ausreichte, Entscheidungsgewalt im Namen des Gemeinen auszuüben. Höflichkeit, die zeremonielle Umgangsform bei Hofe, die elegant die blutigen, unvermittelten Hierarchieverhältnisse der Ständegesellschaft durch zivilisierte Unterwerfungsrituale nicht nur widerspiegelte sondern reproduzierte, findet inzwischen nicht Verwendung, ohne zugleich als überkommen verhöhnt zu werden, denn sie ist nutzlos in einer Gesellschaft, in der die Verfügungsgewalt alle erfasst. (vgl. Adorno, Minima Moralia, Aphorismus No. 19, Zur Dialektik des Takts) Die entstellte Gesellschaft muss sich nicht noch länger verstellen: Sie hat nicht einmal die Sanktion gegen Devianz mehr nötig, denn wer sich der Verwertbarkeit nicht andient, den straft die Zeitigung des eigenen Lebens. Das einstige bürgerlich-emanzipatorische Anliegen, dem Tod von der Schippe zu springen, die Gesellschaft menschenwürdig einzurichten, wurde inzwischen zur Lüge. Dass sogar Gesten, die Menschlichkeit anrühren könnten, von den Menschen selbst abgewehrt und bestraft werden mit Rüpelei und Rempelei, ist das richtige Abbild der falschen Ordnung.

How low can you go?

Mittwoch, Oktober 17th, 2012

Man kann sich Politik ganz einfach machen. Das geht ungefähr so: Man ersetzt Inhalte durch Befindlichkeiten und Befindlichkeiten durch Wortspiele. Aus der Solidarität mit den Betroffenen wird so schnell ein Fetisch der Betroffenheit und aus der Beschäftigung mit Befindlichkeiten und ihrem politischen Gehalt Oppression Bingo, in dem gewonnen hat, wer sich am meisten Unterdrückungsmechanismen in den Lebenslauf schreiben kann.

Unterdrückung ist natürlich keine Besserungsanstalt und die Geschichte der Menschheit bietet Anschauungsmaterial genug, dass Unterdrückung genauso viele oder wenige Gründe bietet, sich mit der Herrschaft zu arrangieren, eine alternative Herrschaft zu fordern oder zur Überwindung der Herrschaft aufzurufen. Deswegen schadet es natürlich nicht, wenn man weiß, wo man in den Matrizen der Herrschaft steht. Aber auch nicht mehr oder weniger. Die Gründe gegen die jeweilige Unterdrückung lehrt eine_n nicht die Unterdrückung, sondern die Beschäftigung mit dieser. Die Auswüchse einiger Sektionen der internationalen Linken im Fahrwasser eigentlich sinniger Beschäftigungsgebiete wie Gender Studies oder Rassismusstudien verkommen zu Lachnummern, weil sie dies nicht wahrhaben wollen, dass sie jeden Inhalt, der ja erst die Parteilichkeit erklären und gebieten kann, zugunsten einer dogmatischen Parteilichkeit ausgetauscht haben.

Es verwundert deswegen nicht, dass im Interwebs ein kleines Spiel kursiert, dass jedem Menschen auf einem Graph von -x bis +x erklärt, wie privilegiert sie_er sei. Ich komme  auf knapp über 100, ein Wert, bei dem mir das Spiel dann ernsthaft suggeriert, dass ich jeden Tag gucken solle, ob ich noch so privilegiert sei. Nur wozu? Weil jemand, der kein Problem damit hat, privilegiert zu sein, das bekommt, wenn er sich jeden Tag wieder gut fühlen kann? Gute Idee, wirklich.

Ach ja, ich hätte da noch einen Vorschlag: Die 15 Unterdrückungspunkte, die Angehörige der staatlichen Ordnungsmacht sammeln können, könnte man zu 1500 Bonuspunkten macht, wenn man das ganze postuniversitäre Rumgeschwafel der Critical Betroffeness nicht versteht. Dann komme ich doch auf knappe -1400 Punkte und kann mich beruhigt im Stuhl zurücklehnen. Oppressed as hell.

39 Kilometer Langeweile.

Montag, Oktober 15th, 2012

Die Spannung war kaum zu fassen, als Felix B. eine endlose Liste Sicherheitsmaßnahmen durchging und endlich ans Fenster trat. Er öffnete das Fenster und sprang. Felix B. wird heute von der Welt unisono als »Held« betitelt. Der höchste Sprung aller Zeiten. Schallgeschwindigkeit. Einschaltsquoten auf YouTube, von denen die Piratenpartei nur träumen kann. Selbst das Fernsehen mit mit einer »Quotensensation«. Ausrufezeicheneinseinsausrufezeichenelfausrufezeicheneinseinself. Aber mal ernsthaft: What teh fuck?


Zugegebenermaßen: Ich hab das auch geguckt. Und mein ganzer Freund_innenkreis. Nur irgendwie war ich nicht begeistert. Den Moment der Momente habe ich sogar verpasst, weil ich gerade etwas spannenderes gesehen habe, als eine Kapsel in der Stratosphäre. Auch wenn ich mich daran nicht mehr erinnern kann. Zugegebenermaßen: Auch ich ziehe hiermit meinen Hut vor der Leistung von Red Bull und Felix B. Und auch ich bemühe dafür einen Superlativ. Das, was da gestern über Millionen Bildschirme flimmerte, war die größte Demonstration der gesellschaftlichen Langeweile, die man seit einiger Zeit multimedial und in HD aufbereitet sehen konnte. Es war die eindrucksvollste Demonstration der Verschiebung von Langeweile in den Bereich der Raserei. Eine Verschiebung, die Surfen auf Zügen oder Springen von Hochhäusern mehr und mehr aus dem erlesenen Kreis der Abenteuer ausschließt. Die gesellschaftliche Suche nach dem nächsten Superlativ, dem nächsten Eintrag in irgendeine Bestenliste, den nächsten 15 Minuten Ruhm verlässt dabei zusehends die Grenzen den Menschenmöglichen.


Über die Welt erfährt man so einiges, wenn man ihr zuguckt. Und einiges erst im Kontrast zu der funkelnden Glitzerwelt einer konzerngetriebenen Hochleistungsgesellschaft. Zum Beispiel, dass der Ausschluss aus jener oft tödlich endet. Ein Ausschluss, dem niemand zugucken will, auch wenn die Konsequenz öffentlich ausgetragen wird. So zündete sich ein Mensch am Samstag vor der Besucher_innenmenge des Reichstages öffentlich an, anscheinend, weil er keine Wohnung fand. Die Berichterstattung über Selbstmorde wurde irgendwann zusammengestaucht, weil durch sie zu viele Nachahmer_innen angestachelt wurden. Die Berichterstattung über den nächsten Höhenflug wird hingegen neue Superlative aufstellen. Nachahmer_innen muss man kaum befürchten. Wer hat schon 50 Millionen für die Befriedigung des eigenen Spleens auf der hohen Kante? Eben. Und so bleibt festzuhalten, dass die Gesellschaft, die alle Abenteuer abschafft, ein einziges Abenteuer übrig lassen wird: Diese Gesellschaft abzuschaffen. Im Sinne derer, die sich ihre Träume nicht erfüllen können, bitte möglichst schnell.

Talking ’bout a … – Anmerkungen zu #Blockupy.

Donnerstag, Mai 17th, 2012

Wenn sich Menschen gegen die Herrschaft auflehnen, bin ich grundsätzlich solidarisch. Meine Solidarität wird in dem Moment aber zu einer kritischen, wenn ihr Appell der nach einer besseren Herrschaft ist und zusätzlich noch mit Ankündigungen wie dieser garniert wird: »12:35h #Frankfurt Paulsplatz: Pfiffe gegen die unverständlichen Polizeidurchsagen. Konstantin Wecker singt gleich durchs Megaphon. #Blockupy«. Das geht nun, mit Verlaub, wirklich zu weit. Weil aber auch kritisch-solidarisches Verhalten das solidarisch noch in sich trägt, ignoriere ich das Weckersche Treiben und versuche mich stattdessen in Diskursanalyse. Im Internet. Bei Twitter! Das verspricht doch witzig zu werden. Humor für Leute mit Humor. Aber ernsthaft. Im Folgenden: 3 Blöcke. 1. Block: Die Versammlungsfreiheit. 2. Block: Polizei, Gewalt und Friedlichkeit. 3. Block: Versammelte Kuriositäten in 140 Zeichen.

1. Die Versammlungsfreiheit – Fluch und Segen eines guten Idealismus.

Die Vergleiche, die man ob des Verhaltens von Legislative, Judikative, Exekutive und Pressekative anstimmte, waren vielfältig, meistens krude und selten auf den Punkt. Damit meine ich auf irgendeinen. Spätestens nach 2 Stunden Tweets lesen, waren meine Erwartungen geschrumpft. Armin H. aus F. witterte den Geruch von »Schönwettergrundrecht«, Rainer wusste zu vergleichen: »#Blockupy Veranstaltungen werden verboten! #NAZIS dürfen regelmäßig in deutschen Städten aufmarschieren!« Marie Laveau sah das ähnlich. Andreas Marktzyniker hingegen erklärte die Stadtregierung Frankfurts kurzerhand zur »schwarz-grünen Junta« und fragte, wann denn wohl das Kriegsrecht verhängt werden würde. S. Fischer fühlte seine Menschenrechte direkt »mit Füßen getreten«. Hui ui ui. Da in Frankfurt scheint ja ganz schön was los zu sein. Ist es aber gar nicht.Verschiedene linke Gruppe haben zu Aktionstagen aufgerufen, im gemeinsamen Aufruf heißt es, dass man »am 18. Mai den Geschäftsbetrieb der Banken in Frankfurt blockieren« werde, um wütend zu sein. Am 17. Mai wolle man zentrale Plätze besetzen (der 17. Mai begann dann mit der Räumung des Empörten-Camps durch die Polizei) und am 19. Mai eine breite, lustige, bunte und was man halt sonst noch so auf Demos haben will Demo veranstalten.

Verschiedene Gerichte haben dann eigentlich alles verboten – bis auf die Demo am Samstag. Warum? Nimmt man die Begründungen der Occupy-Twitterer_innen liegt es auf der Hand. »Legitimer Protest« solle unterdrückt werden, während der Staat ja offensichtlich nichts gegen Nazis unternehme. »Grundrechte« würden ausgehöhlt. Jetzt heißt es im Art. 20 GG zwar, dass »alle Staatsgewalt vom Volke« ausgeht, aber im Satz danach, der von denen, die vor einigen Momenten mit dem Buch in der Hand rumwedeln, anscheinend nicht gelesen wurde, »sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen […]« ausgeübt. Artikel 18 GG schreibt fürderhin fest, dass wer die Grundrechte »zum Kampfe gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung mißbraucht« diese Grundrechte verwirke. Jetzt wollen die Empörten in Frankfurt natürlich keinesfalls die Grundordnung antasten, nein, nein. Ihr Protest richtet sich gegen eine schlechte Repräsentation in der Politik und »Verschwendung« oder »Gier« im Finanzsektor. Sie wollen dementsprechend »echte Demokratie« und »gezügelte Finanzmärkte«. Das weiß auch die Rechtsprechung (und wenn auch erst die höchstrichterliche im Nachhinein, wenn es halt alles schon vorbei ist). Wenn die Protestierenden sich aber auf die Grundrechte berufen, machen sie sich einen Idealismus von diesen zu Eigen. Die sind nämlich gar nicht festgeschrieben worden, um die Wohlfühloase jener zu bilden, die vom kapitalistischen Betrieb enttäuscht wurden, sondern im Gegenteil zur Aufrechterhaltung der kapitalistischen Wirtschaft als Geschäftsgrundlage der Demokratie.

Und das heißt jetzt konkret? Das heißt konkret, dass ein Protest, der für einen ganzen Tag einen der zentralen Orte des marktwirtschaftlichen Treibens stilllegen möchte, außerhalb des demokratischen Normalvollzugs verortet und als solcher eben nicht geduldet wird. Die Demo am Samstag ist erlaubt, so wie Nazi-Demos durch irgendwelche Provinzkäffer erlaubt werden. An diesem Vergleich zeigt sich nicht, wie oben vermutet, die Aushöhlung der Grundrechte, sondern die abstrakte Gleichheit jener. Die Einzelinteressen, und seien es die der Mehrheit, zählen nicht, im Gegenteil ist die Staatsgewalt angetreten, das Gesamtinteresse gegen die Einzelinteressen durchzusetzen. Der Wille des Volkes, das Handeln des Volkes, meint nicht das Handeln der Individuen, sondern das Handeln einer Abstraktion (vgl. dazu Der bürgerliche Staat, §2 Souveränität – Volk – Grundrechte – Repräsentation), wie Gesellschaft nicht aus den einzelnen Menschen besteht, »sondern die Summe der Beziehungen, Verhältnisse, worin diese Individuen zueinander stehen« (Marx) ausdrückt. Das Problem ist also nicht, dass die Grundrechte nicht gelten und »legitimer Protest« unterdrückt wird, dass Problem ist, dass die Grundrechte einer Gesellschaft gelten, die fundamentale Kritik (und sei sie noch so zahnlos) an ihr als Grundrecht ausgeschlossen hat. In anderen Worten: Die Protestierenden wollen gegen ein vom Staat geschütztes Wirtschaftssystem angehen und wundern sich dann, wenn der Staat es schützt. Das Berufen auf die Versammlungsfreiheit verbleibt so in der Beschränkung der Demokratie gefangen. Das Aufbringen von Bussen (z.B. aus Berlin), die auf den Weg zu diesen Versammlungen sind, die momentan schlicht und ergreifend verboten sind, ist nichts weniger und nichts mehr als das Durchsetzen der Rechtslage. Nach dieser ist es nämlich verboten, zu verbotenen Veranstaltungen anzureisen.

2. Polizei, Gewalt und Friedlichkeit.

Zu den größeren Aufregern des gestrigen Tages gehörte es, man mag es Farce nennen, dass tatsächlich ein Bulle eingesetzt wurde, der im Zuge der S21-Proteste mal Demonstrant_innen geschlagen hat. Für die Kommentator_innen des öffentlich-basisdemokratischen Kurznachrichtenfunkes Grund genug für einige Vermutungen. Für die einen ist er Nazi, die anderen rufen ihn dazu auf, »sich gleich mal von #Blockupy zu verpissen« ein anderer (ich habe den Tweet leider ausgedruckt und dann verlegt) scheint es offensichtlich, dass der unliebsame Ordnungshüter geschickt wurde, um die Protestierenden zu provozieren. Nicht, dass die Anwesenheit von ein paar hundert Bullen Grund genug wäre, sich provoziert zu fühlen. Dieser eine spezielle ist das. Wenn man das auf alle bundesdeutschen Hundertschaften und Streifenbullen anwenden würde, die im Dienst schon mal jemanden geschlagen haben, hätte vermutlich jeder Polizeieinsatz den alleinigen Grund die Betroffenen durch Anwesenheit bestimmter Einzelfälle zu provozieren. Nene. Nichtsdestoweniger hallen die Aufrufe durch die Gänge, dass man sich auf keinen Fall provozieren lassen soll, dass die Friedlichkeit die stärkste Waffe des Protestes sei usw. Stimmt schon, die Staatsgewalt, gewandt gegen das Volk, das gibt immer feine Bilder in den bundesdeutschen (vielleicht gar weltweiten!) Medien ab. Danach wird dann zwei Tage ein wenig Kritik geübt. Nicht an der Staatsgewalt an sich, sondern an den Ausschweifungen jener. Vielleicht gibt es noch eine Runde bei Jauch, in der der Bundesinnenminister »hart durchgreifen« sagt (was anderes kann er nämlich gar nicht sagen, Berufskrankheit), Geißler den Schlichter spielt (Knüppel: ja, aber mit Zuckerwatte), Schäuble sagt »Es ist ja nicht alles gut, deswegen bin ich mal hierher gekommen« und im Publikum Leute mit hässlichen T-Shirts sitzen, die dann auch mal befragt werden, um der Basisdemokratie Genüge zu tun.

So weit wird es aber nicht kommen. Wenn es nach dem Willen der Protestierenden geht. Zwar bringt sie das in ein Dilemma, das irgendwo in den tausenden Kommentaren auch mal erkannt wurde: Ohne Gewalt wird gar nicht berichtet, mit Gewalt nur über die Gewalt. Da alleinig der Maßstab »Es wurde berichtet« reicht (für Satisfaktion oder Shitstorm), kann ein klein wenig Gewalt den Protestierenden nur recht sein. Ist es aber nicht. Man muss sich ja alleine schon »von Chaoten abgrenzen« – während Pressemeldungen veröffentlicht werden, dass der Protest sich keinesfalls spalten lasse. Von Zeit zu zeit heißt es, dass die staatliche Gewalt zu akzeptieren sei und es halt keine Gewalt neben ihr geben dürfe (Grundgebote, Artikel 2). Zwar ist man sich nicht zu blöd (s. Absatz 3) sich auf eine Stufe mit den Protestierenden weltweit zu stellen, aber friedlich. Weiteres zur Gewalt will ich an dieser Stelle nicht anmerken und verweise stattdessen auf einen alten Artikel zur Gewalt, einen Text zur Militanzdebatte und eine kommende Rezension des Buches »Von der Diktatur zur Demokratie« von Gene Sharp in diesem Blog.

3. Kuriositätenkabinett.

Deadline für dieses Kabinett ist 15.40h gewesen, man muss ja irgendwie zum Ende kommen, die Auswahl ist vollkommen subjektiv und sicherlich nicht komplett.

»Ok, wenn die Banklobbyisten #Blockupy Demo verbieten, Plan B: Konten leer räumen. Und zu Sparkassen wechseln.« (Frank)

»#OCCUPY #REICHSTAG RT @broeselbub: Totalitäre Staaten verbieten Demos, weil sonst was über üble Machenschaften nach außen dringt. #Blockupy« (Schwarz Weiß)

»›Dieser Zug hält nicht an der #Taunusanlage!‹ Müsste ich da jetzt hin wäre ich ziemlich sauer! #Blockupy #Frankfurt« (Oliver Schellpepper)

»Spontan-Demos mit 3 Leuten können nicht verboten werden#Blockupy #Frankfurt #Occupy http://t.co/BmsxFS7U« (Zimbi)

»#blockupy Diese Protestler müssten jede Uniform die sie mit Farbe versaut haben ausnahmslos bezahlen. Kein Pardon für Störenfriede…« (Strolch von nebenan)

»Uni #Frankfurt wird wegen #Blockupy geschlossen. Asta ist über autoritäre Präsidiumspolitik schockiert http://t.co/6SBDlylr« (ak. analyse & kritik)

»Das bespritzen von Polizisten ist NICHT friedlich! #Occupy ist NICHT friedlich! Blockadecamps sind NICHT friedlich! #frankfurt #Blockupy« (Luca Leittersdorf)

»RT @Dahonk: Was gerade in Frankfurt passiert, erinnert mich an die letzten Tage der DDR 1989. Danach brach das System zusammen.#blockupy« (Thom Twitting)

»#zumglueck89nichtaufdiestrasse ›16 Menschen wurden vorläufig festgenommen‹ (Frankfurt) & ›18 Menschen wurden festgenommen‹ (Baku) #blockupy« (Else)

»Es ist leichter in Teheran gegen die Mullahs zu demonstrieren, als in Frankfurt gegen die Globalisierung #blockupy« (H. Martin)

»Wann verhängt die schwarz-grüne #Junta wg. #Blockupy das Kriegsrecht über #Frankfurt? Was kommt noch? #Ausgangssperren?#cdu #grüne #fail« (Andreas Marktzyniker)

»Wenn meine Schule uns schon nach Hause schickt um unsere Sicherheit zu gewähren, heißt das was. #Blockupy« (Jessy.)

 

Deutschland, du bist Deutschland!

Montag, Mai 7th, 2012

Die Anklage in der Überschrift klingt redundant? Zugegebenermaßen. Aber ich will auch mal Gesellschaftskritik auf dem Level der nicht-mehr-ganz-so-neuen-antideutschen-Popmusik betreiben. Zuerst aber ein kleiner Blick in die Geschichte. Im Jahre 2006 fand in Deutschland eine Sportveranstaltung statt, bei der irgendwelche Männer irgendwelchen Bällen hinterherliefen und irgendwelche anderen fanden, dass das jetzt ein Supergrund sei auf die Männer, alle anderen Männer und ganze Nationen stolz zu sein. Gegen diese Welle des Hurra-Patriotismus stemmte sich wacker Egotronic. Die nahmen »Ten German Bombers« neu auf. Eine solche Provokation, dass sich selbst Spiegel Online genötigt sah, mit den Beteiligten mal ein ernstes Wörtchen zu reden. Was nicht einfach ist, wenn die Beteiligten kein ernstes Wörtchen mehr reden können. Heraus kam dieser Beitrag. Was man damals »keine Ahnung […] uncool […] keine Ahnung« fand, existiert heute immer noch. Grund genug für die Stars der nicht-mehr-ganz-so-neuen-antideutschen-Popmusik (»Frittenbude, Egotronic und die Tiere«) eine Erneuerung der verblichenen Kritik zu versuchen. Wo damals noch aus der Perspektive des Bomberpiloten über Deutschland geredet wurde, versucht sich Frittenbude im Dialog mit Deutschland. Und was sie haben sie Deutschland zu sagen? »Du fühlst dich immer noch so deutsch an.« Was, ja was, mag man den Popstars zurufen, solle Deutschland denn bitte sonst sein? Kommunistisches Wohlfühlparadies, Champagnerbecken, Straßen aus Zucker? Es endet zugegebenermaßen meistens peinlich, wenn sich Linke auf die Kunst stürzen und versuchen Gesellschaftskritik zu vermitteln. Oder noch genereller: Es endet meistens peinlich, wenn Menschen versuchen Gesellschaftskritik zu vermitteln. Fairerweise: Es endet meistens peinlich, wenn Menschen etwas versuchen. Unfairerweise: Selbst der Bericht bei Spiegel Online hatte noch mehr Substanz. Auch wenn die aus Speedresten in den Nasen der Protagonisten bestand. Die Empörung, die Frittenbude & Co versuchen zu repräsentieren, ist keine mehr. Wo Kinski noch beleidigte und Nikel Pallat immerhin versuchte das Interieur eines Fernsehstudios zu zertrümmern und die Mikrophone zu entwenden, lassen sich die nonkonformen Musiker heutzutage zum Abschied brav die Hand geben. Vermutlich, weil man irgendwie erfahren muss, wie sich Deutschland anfühlt. Was bleibt, ist ein fürchterlich belangloser Ohrwurm.

Wie es auch anders geht (nämlich betrunken, lustig und treffend) zeigte Olli Schulz als Charles Schulzkowski ein paar Wochen vorher in derselben Sendung:

Ihr seid nichts als linke Spießer.

Mittwoch, Mai 2nd, 2012

Zugegeben, dieser Artikel ist Nachtreterei. Aber: Sie haben es nicht anders verdient. Als die revolutionäre 1. Mai-Demo, eines der Highlights linker Identitätspolitik in Deutschland, von Einheiten der Polizei angegriffen wurde und sich dagegen wehrte, verlagerten sich die Ausschreitungen auch in die Lindenstraße. Das ist nicht die aus dem Fernsehen, aber immerhin gibt es dort momentan eine Baustelle, also Bauzäune, also astreines Barrikadenmaterial. Nun, das mit den Barrikaden kann die deutsche Linke nicht mehr, weswegen auch nicht viel mehr passierte, als dass die dort stehenden Zäune umgerissen wurden. Die berlinische Qualitätspresse (B.Z.) wusste in ihrem Ticker zu schreiben, dass »das Jüdische Museum mit Steinen beworfen [wurde]«.

Das wäre ein Problem. Wäre, weil es nicht passiert ist. Ein Problem, weil Angriffe auf jüdische Einrichtungen nichts weniger als antisemitisch wären. Nun, die normative Kraft des Erfundenen brachte einige Antideutsche auf die Barrikaden (virtuell natürlich nur, weil s.o.). In der Feindbildpflege höchst bemüht auch aus einer Nichtigkeit Antisemitismus zu konstruieren, konstruierten sie fleißig. Auch nach Hinweisen, dass nicht das Jüdische Museum angegriffen wurde, sondern eine Polizeibarracke davor, war man sich nicht zu blöde, weiter Antisemitismus zu wittern. Schließlich hätte diese Polizeibarracke ja die Aufgabe das Jüdische Museum vor den Angriffen der antisemitischen Internationale zu schützen. Wie ein kleines Haus (s. Bild unten) das bloß machen soll, und ob sich ein zum Angriff entschlossener Antisemit von 4 Bullen kurz vor der Rente und einem Häuschen mit einer Grundfläche von einem geschätzten Quadratmeter von diesem Angriff abhalten lassen würde, bezweifelt der Autor dieser Zeilen. In einer Realität, die Lowlights linker Identitätspolitik (Fahnen schwenken, Buttons tragen, Facebook-Postings) aber für eine sinnvolle Unterstützung von Israel hält, ergibt das vermutlich alles Sinn.

Ausgeglichene Überschrift.

Montag, März 12th, 2012

Es hat einen Vorteil, wenn Menschen ihre nennen wir es Obsession nicht nur aus Versehen öffentlich machen, sondern das aus Überzeugung und bei, wenn auch ideologisch vollvernebeltem, Bewusstsein. So kann man denn in Ruhe dem Tagwerk nachgehen (heute ist Ausgeglichenheitsmontag, da heißt das lächeln, Herzchen in das Internet malen und das Zimmer mit einer Blümchentapete ausstatten), und wenn man dann Abends in die Freizeit kommt, dann steht der Mist vom Mittag immer noch im Internet, also in den Ecken, die man nicht mit Herzchen ausgestattet hat. So sitzt man dann Abends vor dem Computer, bereitete sich eine standesgemäße Mahlzeit vor (Tiefkühlpizza, für das Klassenbewusstsein, und Rotwein, für den Zyniker) und freut sich auf die wieder angesetzte Naturdoku um 20.15h im Ersten. Der Mist steht immer noch im Internet. Mist ist zwar ohnehin die natürliche Erscheinungsform der Nullen und Einsen , aber es gibt ein paar Charaktere, die es mit Bravour schaffen so zu bezeichnenden Edelmist zu fabrizieren.

Einer jener ist Jürgen Elsässer. Auf seinem Blog äußerte sich jener zum Vorschlag des Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, die deutsche Fußballnationalmannschaft der Herren solle doch, wenn sie schon in Polen und der Ukraine für die Sache der Nation durch die Gegend kurvt, Auschwitz besuchen. So weit so, könnte man meinen, unspektakulär. Aber wir sind hier in Deutschland. Und in Deutschland ist die Verantwortung für die Vergangenheit noch mit einem äußerst verklemmten Klammerbeutel gepudert. Will meinen: Gehtsonicht. Meint: Elsässer. Zu Elsässers Person mag ich mir jenen Kommentar ersparen, ich hab ja Ausgeglichenheitsmontag, zu seinen Gedanken aber nicht.

So fabuliert der nichtmehrganzsoneu Reaktionäre, offensichtlich im Rausch des Nationalbesoffenseins voll aufgegangen, konsequent jetzt auch mit Liebe zur Nationalmannschaft, von einer »Anmaßung« des Zentralrat-Präsidenten. Sturzgetroffen wittert er eine Einmischung der Juden in alle Lebensbereiche, dass Graumann den Armen Kleinen Deutschen »das bißchen Spaß, das uns geblieben ist,« vermiesen wolle, denn die Armen Kleinen Deutschen heutzutage hätten mit jenen Zerbombten Großdeutschen vergangener Tage ja nichts zu tun. Natürlich nicht! Was wäre das auch für eine abstruse Idee, mit Jahrzehnten, gar Äonen »demokratische[r] Leistungen nach 1945« auf dem Buckel?! Vielleicht eine irgendwie naheliegende. Das wäre vermutlich viel zu einfach. Nationaltrainer in spe Elsässer weiß, wo die »Jungs« hinmüssen. Zum Titel! Und er weiß, dass auf diesem heiligen Wege kein Stolperstein namens Gesichte liegen soll, denn welcher Teil Geschichte zu interessieren hat, das weiß er auch genau. Er hat gezählt. Die letzten 67 Jahre. »Die heute Lebenden haben mit Auschwitz nichts zu tun«. Elsässer nimmt die Pose des Feldwebel Schultz aus der Serie »Ein Käfig voller Helden« ein. »I seh nischt und i hör nischt.« Von nichts gewusst, das haben nach Meinung von Elsässers Fans übrigens »mehr als 99 % der deutschen.« Wer noch ausgeglichener ist, als ich, kann sich mal in Mathematik üben, um das en détail aushalten zu können, muss man wohl nur mit verdammt gutem Gras bei Buddha rumsitzen. Und dann hat man vermutlich andere Sorgen. Oder keine. Das wäre irgendwie schön.

Still not lovin’ sausage dogs – Wider den Dackeln in allen Bereichen des Lebens!

Dienstag, Februar 21st, 2012

Es ist beinahe süß, wie er da auf dem Boden liegt. Die Beine leicht angewickelt, an den Lefzen meint man ein genüssliches Grinsen zu erkennen, als die Hand seiner Herrin sich langsam dem Bauch nähert. Kaum berührt sie ihn geht ein Ruck durch das Lebewesen auf dem Boden – und die rechte Pfote schleudert sich zielgerichtet in die Luft. Dem Hitler sei Ehre zu erweisen, irgendsoein kruder Gedankengang muss durch das Gehirn des Hundes schießen. Ein Hund, der nicht weniger ist, als ein Dackel.

Seit Jahrhunderten schon, ist der Dackel der willige Helfer des Deutschen. Er ist nicht weniger als das Tier des Volkes, dessen Welteroberungspläne hoffentlich immer scheitern werden – schon alleine, um uns (das meint Menschen mit Geschmack und Herz, okay, ohne Herz, aber mit umso mehr Geschmack) vor der weltweiten Dackelplage zu schützen. Momentan sieht es nämlich ganz gut aus. Seit Jahren befindet sich die Dackelplage auf dem Rückzug. Dieser Hund, der »sehr muskulös, mit aufrechter Haltung des Kopfes und aufmerksamem Gesichtsausdruck« (Wikipedia) den Widerstand der tapferen Volksgenossen gegen Müßigkeit und Körpererschlaffung als Maskottchen bebildert, wurde 2005 nur noch 7.300 mal, was selbstverständlich 7.300 Rattenverschnitte zu viel sind, dem Volkskörper zur Fürsorge übergeben. Und so wird wohl bald, es ist zu hoffen, der Dackel neben Elefant, Giraffe und Tiger das Co. bilden und in Zoos zu verachten sein. Denn, dass die Deutschen, ohne selber vom Erdboden getilgt zu werden, der Ausrottung des Dackels keinen Widerstand entgegensetzen werden, muss als unwahrscheinlich gelten.

Der aufmerksamen Leserin mag es aufgefallen sein, die Beschreibung des Dackels aus der Wikipedia. Mit ein klein wenig mehr Nachdenken bekommt das scheußliche Bauchgefühl, das sich breit machte, mehr Nahrung und wird schließlich zur fürchterlichen Gewissheit: Mit dem Dackel hat sich das deutsche Volk in den vergangenen 4 Jahrhunderten nichts weniger gezüchtet als ein tierisches Äquivalent zum Idealtypus des sogenannten Ariers. Kraft der Wirkungsgeschichte, mag man sogar meinen, dass der Arier eher dem Dackel nachempfunden ist. Pfuidaibel. Ein weiteres pikantes Detail findet sich bei genauerer Betrachtung der Züchtungsgeschichte. Der Dachverein deutscher Dackelzüchter_innen, der »Deutsche Teckelklub 1888« äußert sich auf seiner Homepage nicht zur Geschichte von 1933-’45. Die Informationen muss man sich mühsam zusammenklauben, wenn man folgendes liest, vermag man auch zu ahnen, warum: »August 1935: Die beiden württembergischen Vereine müssen formell ihre Auflösung erklären, um in die ›Fachschaft Jagdgebrauchshunde‹ im 1933 gebildeten ›Reichsverband für das Deutsche Hundewesen‹ überführt werden zu können.« Wohlgemerkt nur formell. Der Verein ging in einen von den NationalsozialistInnen geschaffenen Einheitsverband über. Eine Praxis, die von diversen Burschenschaften und Corps hinlänglich bekannt ist. An anderer Stelle erfährt man dabei noch interessanteres über den eigentlichen Deutschen Teckelklub. Dieser war ab 1906 Mitglied des »Deutschen Kartell für Hundewesen«, der zu seiner Auflösung nicht mal gebracht werden musste, denn »Am 14. Juli 1933 wurde das Deutsche Kartell umbenannt in ›Reichsverband für das Deutsche Hundewesen‹.« Der Reichsverband also, dem Sektionen des Teckelklubs »angeschlossen« wurden.

Die rein formelle Auflösung des Deutschen Teckelklubs lässt auch das relativ schnelle Wiederauferstehen des Klubs erklären, schon am 24.11.1945 erblüht der Teckelklub wieder, eine Umbenennung, die bei einigen studentischen Corps noch Usus war, wird von diesem anscheinend nicht verlangt, der Traditionalismus wurde von den Befreier_innen toleriert. Ist doch auch ein solcher Klub, bei erstem Hinsehen, vielleicht gerade mal putzig ob einer Zuneigung zu Tieren, die eher als vergrößerte Ratten erscheinen, denn als Hunde.

Einzig die Nennung dieses Kapitels in der Geschichte der Corps und des Teckelklubs, wird ausgelassen, nur auf das seit 110 Jahren bestehende Zuchtbuch wird verwiesen, dass dieses kaum 110 Jahre alt wäre, wenn nicht die Zeit des NS und die aktive Arbeit in diesen Jahren existieren würde, kann unterschlagen werden.

Deutschland nur anhand des NS’ zu kritisieren, muss aber jenen, die der »Zukunft zugewandt« sind, wie es in einer Hymne der proletarischen Bewegung heißt, als müßig erscheinen. Es ist im Grunde auch nicht nötig, denn auch in den Jahrzehnten nach der nationalsozialistischen Diktatur reißt die Verbindung von Dackeln und Deutschen keineswegs ab.

Das Maskottchen der Olympischen Spiele 1974 war Waldi. Und das war klar: Ein Dackel. Florian Langenscheidt schrieb eine seltenbescheuerte Ode an das Deutsche (»Das Beste an Deutschland – 250 Gründe unser Land heute zu lieben«) und der Dackel fand sich mittenmang dabei. Aber nicht irgendwo ganz hinten, die 249 vielleicht, um eine Lücke zu füllen. Keineswegs. Der Dackel prangte neben dem Kaiser Franz, Bier und Adidas auf der Titelseite. Und während in Zeiten der totalen Globalisierung noch jeder Furz einen Anglizismus erhält, heißt der Weltverband der Dackelzüchter_innen »Welt Union Teckel«. Denn wer sich mit dem Deutschen nicht identifiziert, der muss auch nicht verstehen, was diese Union eigentlich will.

Aber wo wir gerade bei Sprache sind – ein kleiner linguistischer Einwurf, eine Reise durch das Land der Übersetzungen. Die: gibt es nämlich im Grunde nicht. Im Englischen wurde nicht mehr als das Synonym Dachshund übernommen, das Japanische liefert mit »dakkusufunto« nicht mehr als eine dem Zungenschlag angepasste Umschreibung. Auf französisch »teckel« und so weiter, lediglich das Finnische hat mit »mäyräkoira« eine Abweichung vom deutschen Konsens zu bieten. Da ist dann das, in der Überschrift angeklungene, »sausage dog« aus dem Englischen die einzig sympathische Variante.
Der Dackel, obschon muskulös, zeichnet sich fürderhin durch ein ausgeprägtes autoritäres Bewusstsein aus. »Im Dachsbau ist der Hund ein Alleinjäger und muss seine eigenen Entscheidungen treffen, da der Hundeführer ihn hier nicht leiten kann.« Ein Auflehnen des Dackels scheint ausgeschlossen. Ist auch nicht nötig, zeichnet sich der Dackel doch durch eine ausgeprägte Bildungsunwilligkeit aus. Diese Bildungsunwilligkeit gegenüber progressiven Bewegungen ist auch dem Deutschen (der klar als Konstruktion hier auftaucht, anhand der Historie diese Konstruktion aber auch gerne bestätigt) nicht fremd, dem sein Volk, sein Standort, auch heute noch zu den wichtigsten Angelegenheiten gehört.
Eins noch, die japanische Nationalmannschaft des Herrenfußballs kürte einen Dackel 2006 zu ihrem Maskottchen für die in Deutschland stattfindende Weltmeisterschaft. Als wäre das nicht genug, nannten sie ihn: Erwin Rommel. Long live the axis!

Mit einem Dackel an der Hacke wird der Kommunismus im Leben nicht zu erreichen sein. Wer Dackel und Deutsche hasst, kann kein schlechter Mensch sein.

I’m doing it for the lulz.

Dienstag, Januar 24th, 2012

Kennt ihr noch so richtige Deutsche? Deutsche, die von »Weltjudentum« faseln, Deutsche, die ihre Briefe Blogposts (wie nennt man das in stolzdeutsch eigentlich?) unterschreiben mit der Formel »mit reichsdeutschen Grüßen«? Nein? Ich auch nicht. Glücklicherweise gibt es aber das Internet und das ist frei und bla und deswegen dürfen auch echte Deutsche mit Vertreibungsgeschichte und Pipapo, wie Richard Wilhelm von Neutitschein, etwas in dieses Internet schreiben.
Ein Dorn sind solchen Deutschen natürlich jene im Auge und Arsche, die wollen, dass mit Deutschland Schluss ist. So wie ich. Oder Christin Löchner, Politikerin in der Linkspartei. Diese schrieb einem Esoterikirgendwasreichstreuvollpfostenblog eine E-Mail, die den schönen Satz »Ich liebe und fördere den Volkstod, beglückwünsche Polen für das erlangte Gebiet und die Tschech/innen für die verdiente Ruhe vor den Sudetendeutschen.« Richard Wilhelm von Neutitschein kann das natürlich nicht einfach so auf sich sitzen lassen und begeht sich folgend im Volkssport aller Volltrottel: Empören.

»Unglaublich« sei es, was da passiere, eine Linke (sic!) fordert den Volkstod, nicht nur das, eine linke Politikerin. »Multifunktionärin« noch dazu, so stolpert sich von Neutitschein durch seine geliebte deutsche Sprache, deren Anwendung er nur knapp über dem Niveau der durchschnittlich übersetzten südkoreanischen Bedienungsanleitung beherrscht. Nun, man mag es Perlen vor die Säue nennen, jetzt auch noch Wörter als Reaktion zu tippen, allerdings muss ich doch sehr drum bitten, die armen Schweine durch einen Vergleich mit solchen Menschen nicht durch den Hochdruckreiniger zu ziehen.

Zum ersten mag man anmerken, dass es einen kleinen Unterschied zwischen Volkstod und Völkermord gibt, den man aber natürlich nicht erkennen muss, wenn man schon zu blöd ist, ein eindeutig als solches gekennzeichnetes Zitat auszumachen. Wenn nämlich das Volk sich in der ideologischen Übereinstimmung zusammenfindet und beginnt als Zwangskollektiv auf die anderen Kollektive loszugehen, dann würde es für einen Volkstod im engeren Sinne natürlich reichen, diese ideologische Übereinstimmung durch Kritik zu zerschlagen. Besonders harte Fälle, Huhu, von Neutitschein, können dann natürlich trotzdem einer intensiveren Behandlung (so nennt man das doch, seit das Gulag out ist, oder?) zugeführt werden. Und jetzt heul nicht, von Neutitschein, Du glorreicher Überlebender des »Vertreibungsholocaust«. Wer es tatsächlich für ein Wunder hält, dass man so richtig den Arsch versohlt bekommt, nachdem man versucht hat ganze Landstriche auszurotten, dem muss man vielleicht einfach nochmal den Arsch versohlen. Das wird man ja wohl noch sagen dürfen.

Aber man soll ja nicht immer nur meckern: »Die Linke gibt sich als antikapitalistische Partei«, gut erkannt! In Wahrheit ist Die Linke nämlich viel deutscher und kapitalistischer, als sich Dein Hirn das nur vorstellen kann. Ach ja, Zitate sind das in Anführungszeichen. Zitat heißt soviel wie: Hat jemand anders gesagt und man bezieht sich drauf. Nichts zu danken, von Neutitschein.