Archive for the ‘Saufstress’ Category

Another sound is necessary.

Dienstag, August 13th, 2013

Dies ist ein Werbebeitrag. Für einen Club. Ekelhaft. Wer das findet, darf ruhig wegschauen. In Leipzig tut sich was und das braucht Hilfe. »Was« meint in diesem Fall ein Kollektiv aus dem, was dann wohl irgendwie als Kreative bezeichnet werden würde, wenn man dem Ganzen den Beigeschmack des Najagehtso geben wollen würde. Aber wie gesagt: Dies ist ein Werbebeitrag. »Was« meint ziemlich töfte Menschen, die einen Club bauen. Oder besser: Einen Veranstaltungsort. Neben dem schnöden BummBumm sollen in der Location auch Vorträge gehalten oder Filme gezeigt werden. In den Worten des Kollektivs: »Gelegenheit zum Austausch, Bildung und zur Zusammenarbeit«. Dieser Ort wird den  Namen Institut für Zukunft tragen und zu diesem gehört die Crowdfounding-Kamapgne Another Sound Is Possible. Dem Club fehlt nämlich: Eine Anlage. Eine von Kirsch Audio, der Firma, die auch im Horst Krzbrg für großartigen Klang gesorgt hat.

Das Ziel ist die Akkumulation von 30.000€ bis zum 23.08., 23.59h. Im Moment fehlen für dieses Ziel noch 9.252€. Für die Unterstützung kriegt man einiges von einem Danke über Turnbeutel bis zur eigenen Party (die Redaktion dieses Blogs trägt sich mit dem Gedanken noch schnell eine Crowdfounding-Aktion ins Leben zu rufen, die die 2.000 für die eigene Party benötigten Euro auftreibt), vor allem aber Musik, die es in sich hat. Lieblingslabels wie Killekill, Connwax oder Dystopian haben Platten zur Verfügung gestellt und eine illustre Schar an Produzent_innen hat Tracks für die zweiteilige Support-Compilation gespendet.

Und jetzt? Kommt dein Part. Du gehst auf die Crowdfounding-Seite, suchst dir eines oder mehrere der zur Verfügung stehenden Pakete aus, sagst bitte allen deinen Freund_innen, das sie dasselbe tun sollen (von denen abgesehen, die nach dem ersten Satz aufgehört hätten zu lesen) und am Ende, meint: Anfang, sehen wir uns im Herbst in Leipzig und schwingen das Tanzbein.

Kurzer Einwurf, die Realpolitik betreffend.

Samstag, Juli 13th, 2013

Ich muss unumwunden zugeben, dass ich eigentlich keine Ahnung habe, vermute aber, dass Ahnung zu realpolitischen Einwürfen sowieso eher nicht dazugehört. Es ist aber so, wie gesagt, ich könnte mich irren, dass in Großbritannien Anfang der letzten 90er, Ende der letzten 80er des vergangenen Jahrtausends eine politisch-unpolitische Bewegung namens Acid House/Rave, garniert mit runden (nicht immer) Dingern, die im Jargon der Staatsverwaltung »Ecstacy-Tabletten« heißen mögen, der marodierenden Bewegung der Casuals/Hoolijänz/Firms/… den Garaus machte. Oder besser: Sie zu Unvernunft, Gefühlen und Tanzen brachte.

Wäre es nicht jetzt, wo Berlin von einer Bewegung von Pub-Crawler_innen/Säufer_innen/Easy-Jet-Säufer_innen/… erfasst wird und die gemeine Einwohner_in knapp neben dem Kulturschock steht, nicht wieder an der Zeit, durch massenhafte Gabe von »Ecstacy-Tabletten« zu intervenieren. Das könnte das Verhältnis des regeressiven Stammes der Einwohnerwütenden zum regressiven Stamm der Besoffenwütenden schlagartig bessern. Ist jetzt aber nur so eine Idee. Wowi, übernehmen Sie (der Appell an die Politik ist bei realpolitischen Einwürfen immens wichtig, weil man ja eben nicht selber tun will, sondern nur deutlich machen möchte, dass man eine Idee hat, die wenigstens Idee, also nicht Hirntod, ist)!

Extacy

Non, je ne regrette rien.

Samstag, April 27th, 2013

Letzte Platte. Ghosts. Robert Owens. Sun sun sun sun. Nervenzusammenbruch. Küsse. Kotze. Bier. Gedankenzerfaserung. Ramtamtam. Silva Rymd. Luftig. Heftig. Lustig. Gesichtszirkus. Nebel. Strobo. Wasserwerfer. Contour. Cotton Wood. Dusche. Dreck. Sofa. Kollektiv. Chaos. Ordnung. Rumms. Bier. Limonade. Pfütze. Garderobe. Leaves. Dunkel. Solidarität. Butterfahrt. Grizzly. Wechselgeld. Memory. Limiter. Kindergarten. Materialismus. Stempel. Schweiß. Zucker. Connwax. Familie. Sprachverfall. Wortverwirrung. Vorwärts. Jawoll. Naja. Platte. Buch. Punk. Akmê. Sonntagmittag. Religion. Häresie. Lobby. Mikrodisko. Efdemin. Deep. Bass. Heart. Hemingway. Faden. Weg. Silvester. Intervention. Johannes Vogel. Familie. Kasse. Film. Riss. Get Deep. Parallel. Egalität. Endorphin. Rausch. Leben. Wohnzimmer. Zeitseifenblasen. Night In Motion. Hastemal. Miriam Schulte. House. Brand. Rettung. Düne. Gras. Weg. Persönlichkeit. Baum. Haus. Flügel. Rauswurf. Rausverbot. Hausverbot. Scheißdeutsche. Nachschub. Plenum. Wohnwagen. Stillgestanden. Lautverwankt. Licht. CvD. Gehirnzellenverlust. Alte_rwasnhammertrack. Anja Zaube. Versackt. Verliebt. Verloren. Vermisst. Vergeben. Zeroize. Ende. Internationale. Wirklich letzte Platte. Band. Medien. Trinkgeld. Hintergrund. Regen. Arschaufreißen. Zärtlichkeit. Wassereis. So leer heute. Uff ist das voll. Warten. Wartung. Nadel. MDF. Festhalten. Bar. Zurück. Öfter hier. Heute nicht. Antifa. Performance. Putzen. Sport. Einfall. Toilette. Savas Pascalidis. Umbau. Lager. Überdosis. Nüchternheit. Blättchen. Gästeliste. +1. Stehst nicht drauf. Oh. Aufhören. Abgang. Rhythmus. Weitermachen. Bürokratie. Luft. Krankheit. Live. Schichtplan. Techno. Getränkebon. Leidenschaft. Weinnachten. Wortfluss. Sinnfindung. Situation. Blick. Flyer. Geschwätz. Tür. Augenblick. Erste Platte.

Happy birthday, ://about blank.

 

It’s so Berghain.

Mittwoch, Januar 23rd, 2013

Alle so friendly, ich könnt’ kotzen. Die Hymne für alle, die nach 10 Stunden in der Schlange abgewiesen wurden. Oder Leute mit Humor.

Paaaaaaaaaaaaank! Fakten ohne Anspruch auf Authenzität.

Montag, Juli 9th, 2012

Über Musik schreiben geht nicht. Soweit, so klar. Zum Glück gehört es zu den Basisbanalitäten jeder Subkultur, dass sie jeweils mehr sei als nur Musik. Ein »Way Of Life«. Mehr als Nieten und Sterni. Auch was mit Politik und Zugehörigkeit. Der da drüben ist schon ewig dabei. Deswegen darf er auch keinen Punk mehr hören und Rotwein trinken, aber trotzdem Punk sein. Die da hingegen ist noch nicht so lange dabei. Sie hört Punk freiwillig und findet, dass Rotwein dieses eine Wort mit intel sei. Wie im Computer, nur anders.

Auch ich habe mal was mit Punk gemacht. Ich nenne es heute teilnehmende Beobachtung. Ich bin dabei gewesen. Leider habe ich alles Wichtige verpasst. West-Berlin, Schleimkeim, Chaos-Tage, Slime, Chaos Z, Hafen & Mainzer Straße, diese eine Startbahn. Selbst der zeitgenössische »goldene Herbst«, die Verhinderung mit allem Möglichen eines Naziaufmarschs im beschaulichen Göttingen, immerhin 2005 und damit durchaus erlebbar, ging an mir vorüber. Auch der G8 2007. Ich war zwar da, aber in der falschen Demonstration. Am Hafenbecken musste ich mich dann zurückhalten. Meine Mutter stand schließlich neben mir.

Dafür habe ich bei meiner ersten antifaschistischen Tätigkeit den Palast der Republik gestürmt. Nicht, dass ich gewusst hätte, was das sein soll. Wir mussten auch relativ bald wieder gehen, weil wegen Polizei, aber das sind unwichtige Details. Nebenbei wurde ein Naziaufmarsch verhindert, aber das war in Berlin – ohne brennende Blockaden und Geschichten, die man bei Fahnenfeuer und Dosenbier zum Besten geben kann.

Brennende Blockaden habe ich bis heute nicht gesehen. Einmal eine rauchende und einmal eine aus einem einzigen Mülleimer. Das zählt nicht. Ich habe auch nur einmal Dosenbier getrunken, das aber war auf einem Indiefestival, kein Faxe und zählt deswegen auch nicht. Kurzum, für mich war Punk eigentlich immer nur Musik. Das mit der Lebenseinstellung überließ ich meinen Freunden. Schon nach kurzer Zeit meiner teilnehmenden Beobachtung war mir klar, dass ich mich vollkommen auf sie verlassen kann.

Punk ist nicht lieb. Das sind immer die anderen. Meistens Hippies. Es gibt im Punk zwar Liebeslieder, die sind aber entweder Hochnot peinlich, oder es geht um Bier. Meistens beides. Punks sind auch nicht lieb, oder besser: Sie sind es nur hinter verschlossenen Tür. Nach einem halben Kasten Bier fällt das Stehen nicht unbedingt leichter. Ein gekonnter Punkplattenalleinunterhalter erkennt diesen Moment und schafft Abhilfe durch das Spielen einiger Klassiker. Schon nach wenigen Takten dieser Platten liegen sich alle in den Armen. Die Texte der Lieder in den nächsten drei Stunden muss man auswendig kennen. Die generell unkomplizierte Weise, in der Punklieder aufgebaut sind, erleichtert das ungemein. »Haut die Bullen platt wie Stullen, haut ihnen ins Gesicht« oder »Polizei, SA, SS, GSG-9 und BGS« kann man sich auch merken, wenn gehen nur noch in gemeinsamer Kraftanstrengung möglich scheint.

Es gibt natürlich auch Punk, der komplizierter ist. Unter echten Punks aber gerät dieser schnell in Verdacht so genannter »Abiturientenpunk« zu sein. Es gibt zwar auch in dieser Subkultur ein Abitur. Dieses hat aber mit – Überraschung – Dosenbier und Bordstein zu tun. Es firmiert unter dem Namen »Bahnhofsabitur«. Die genauen Abläufe sind geheim und genau genommen will man sie auch nicht kennen. Die Vorteile einer bestandenen Abiturprüfung kenne ich nicht. Ich bin gar nicht erst angetreten. Prüfungsangst.

Was es im Punk auch gibt, ist eine heilige Dreifaltigkeit. 3 Akkorde, 3 Menschen, 3 Minuten. Soviel braucht es für einen vernünftigen Punksong. So erklärt es sich auch, dass Punks ihre Platten mit A1-8 beschriften können, wo man bei manchen Technoproduktionen aufpassen muss, dass der Platz überhaupt für A1 reicht. Ich war auch mal Mitglied einer Punkband. Auch wir waren zu dritt. Ein Freund von mir am Schlagzeug und irgendein Jungpunk, von dem ich zugegebenermaßen vergessen haben, warum wir ihn überhaupt kannten, am Bass, ich habe gesungen. Einen Gitarristen haben wir nie gefunden. Wie die meisten Vorhaben meines Freunds und mir haben wir das Projekt relativ bald eingestellt. Ohne Namen, wir dachten kurz über Notausgang nach, aber mit zwei Liedern, die nie gehört wurden. Worum es ging, habe ich auch vergessen. Vermutlich um Pils und Polizistenhass.

Punk wird oft auf Pils und Polizistenhass reduziert. Das ist so wahr, wie es falsch ist. Man kann dem Punk als Kultur zugute halten, dass in ihm das politische präsenter ist, als anderswo. Zwar klappt es auch bei der Umsetzung des alten Leitspruchs »Das Private ist politisch« nicht immer die Theorie in die Praxis umzusetzen. Allerdings ist Politik hier mehr als Subtext. Wenn auch die Substanz zuweilen fehlt. Die, die am System gescheitert sind, wollen nicht mitspielen. Sie wollen rebellieren. Im besten Fall entwickelt sich aus dem Bauchgefühl der Verweigerung eine Perspektive der Überwindung. Besoffen Polizisten bepöbeln, Nazis jagen und das hassenswerte mit voller Inbrunst hassen ist dafür nicht der schlechteste Weg.

Überbrückung.

Freitag, Januar 6th, 2012

Hallo, wie ihr vielleicht mitgekriegt habt, war dieser Jahreswechsel. Wir nehmen institutionalisierte Feste ernst und befinden uns deswegen immer noch im Jahreswechsel. Und jetzt ist auch schon wieder Wochenende, das heißt dieser ganze Schwachsinn fängt von vorne an und der Wochenwechsel will auch ordentlich begossen werden, weil der sonst beleidigt ist, weil ihn niemand beachtet. Lange Rede, langer Sinn: Wir befinden uns kurz vor der Ernüchterung, habt solange bitte etwas Geduld mit uns. So lange könnt ihr ja einfach das hören. Oder das folgende. Ein etwas älterer Mix des Redaktionsfreundes Peter A, den kann man heute Abend übrigens sehen, wenn er zusammen mit Grizzly und Hannes Fischer den Holzbutzenfloor im Suicide Circus bespielt. Die Redaktion ist auch da.

Das vergoldete Stück Scheiße.

Donnerstag, Dezember 29th, 2011

Hallo Du. Du saßt gerade in der Bahn mit mir. Deine Mutter hat eine Motz gekauft. So weit, so unspektakulär. Aber jetzt kommst Du. Mit deiner Wohlstandsfresse setzt Du ein solch verblödetes, elitäres Grinsen an, dass mir schlecht wird. Bahnfahren macht mir sowieso keinen Spaß. Die Menschen auf engem Raum gehen mir auf die Nerven. Und dann kommst Du. Mit deiner hässlichen Brille mit Fensterglas, deinem blasierten Gesichtsausdruck und deiner korrekten Frisur. Du bist der Abschaum dieser Gesellschaft. Nicht die Zeitung, die Du anguckst, nicht der Mensch, der sie verkaufen muss, weil das Leben nicht lief wie für Dich und deine Freunde. Weil das Leben nicht die U-Bahn in die warme Wohnung ist. Dein Gesichtsausdruck ist das ekelhafteste, was ich in langer Zeit ertragen musste. Und das muss man in Deutschland erstmal schaffen. Du bist ein Arschloch. Und ich auch, weil ich Dir dein Wohlstandsgrinsen nicht poliert habe.

Aus der Redaktion: All i know about punk i learned from dosenbier.

Mittwoch, Dezember 21st, 2011

Wir haben alle keine Ahnung von Musik, das aber professionell. Außerdem haben wir eine dunkle Vergangenheit, die sich in schlecht beleuchteten Kaschemmen abspielte. Dass das deckungsgleich mit Teilen der Gegenwart ist, ist sicher Zufall. Was liegt näher, als diese Faktoren zu vereinigen und die Vergangenheit aufzuarbeiten? Eben, nichts. Ein Teil der Redaktion hat also unter einem Synonym einen Mix gemacht, der eine Geschichte des Krachs in drei Akkorden erzählt. Die Tracklist findet sich, wenn man auf diesen Link klickt. Der Konsum von Alkohol wird angeraten.

Systemwasbitte?

Donnerstag, Dezember 15th, 2011

Liebe mitlesende Menschen. Good news for bad people who love bad news: Die Krise geht weiter. Auf wenigstens unbestimmte Zeit. Ein an die Redaktion angeschlossener Trink Tank (Eiche, Merlot, 2003er Jahrgang), für Bestimmungen der Entwicklung des tendenziellen Falls der Füllrate zuständig, offenbart einen stetig sich dem Boden annähernden Trend. Aber auch in der Binnen-, Nichtbinnen und Sowiesowirtschaft sind die Vorhersagen düster.

Umso düsterer der Himmel der Prognose sich färbt, umso wagemutiger wollen die Medien über »das System« reden. Dieser eine aus dem heute journal, schon bei den Kommentaren zum Aufstandspektakel in der arabischen Welt um kein hämisches Grinsen verlegen, setzte diese weltmännische Spitzbübigkeit gekonnt fort, als um die Bewegung ging, die irgendwas besetzen wollte, und ist sicher nur noch einen, zugegebenermaßen großen, Schritt davon entfernt sich offiziell und zum Leitwesen der Intendantenschar gegen »das System« zu stellen. Und er ist nur einer. Die bildungsbürgerliche Pseudointelligenz (mit ihr verhält es sich wie mit Ephedrin und Pseudoephedrin, wirkt ein bisschen, tut aber eigentlich nur so) liest Bücher mit einstmals undenkbaren Titel wie »Empört euch« oder »Organisiert euch« (das naheliegende Nächstlingswerk »Erschießt euch« hat anscheinend keinen Verleger gefunden), in denen ein Veteran des antifaschistischen Widerstandes eindrucksvoll beweist, dass historische Leistungen nicht vor zeitgenössischer Dummheit schützen, und fragt sich wohin das alles gehen soll. Alles, das ist schon wieder dieses »System«. Nun, als Kommunistin könnte man jetzt Hoffnung schöpfen, wenn die SZ auf die Idee kommt »den unnützen Ballast des Kapitalismus« loszuwerden und die FAZ ausruft »Stellt endlich die Systemfrage«. Könnte man, wenn man sich auf die Überschriften beschränkt und sich in inhaltlichen Fragen an den oben erwähnten Trink Tank wendet.

Eigentlich sind mir diese ganzen Kommentare zur Krise auch zu dumm. Es ist nun weder ein Wunder, dass ein Feuilletonist der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vielleicht in Unbehagen promoviert, aber von Marx nicht einen Satz verstanden hat. Noch ist es verwunderlich, dass die Süddeutsche Zeitung, sowas wie der linksliberale Arm der medialen Vollverblödung, mit unnützem Ballast des Kapitalismus keineswegs Ausbeutung meint, sondern Gensalat und materiellen Wohlstand. Einer jener, die auf Eigenhandaufzucht aus dem eigenen Garten stehen, postuliert: »Nach der Energiewende kommt die Nahrungsmittelwende.« Immerhin, mag man meinen, wenn das so ist, bleibt einer als Verbraucherin noch wenigstens ein Jahrzehnt, bis die Diktatur der Nachhaltigkeit einem von Billigstproletarierinnen geernteten Biosalat aufzwingt und wir alle in Sackleinen in einer Prenzlauer Berg gewordenen Umwelt ein erbärmliches Leben auf dem Stand der Produktivkräfte von anno dazumal führen müssen.

Systemfrage heißt dann auf Seite 4 (die anderen 2 Seiten habe ich mir aus Angst um mein Seelenheil erspart) des erbärmlichen SZ-Artikels auch ein »neues Geldsystem« zu erfinden. Denn, ganz ohne Geld kann es auch nicht gehen! Die Finanzwirtschaft ist schließlich irgendwie irre systemwichtig um die Realwirtschaft und so weiter. Schon Hannah Ahrendt hat festgestellt, das »ein realistisch denkender Mensch nur mit dem [rechnet], was vor seiner Nasenspitze liegt« und Horkheimer und Adorno stellten im Kulturkapitel der Dialektik der Aufklärung fest: »Realitätsgerechte Empörung wird zur Warenmarke dessen, der dem Betrieb eine neue Idee zuzuführen hat«. An neuen Ideen und chronisch beschränkter Nasenspitzenbeschau mangelt es den Empörten von Wall Street bis Urban Gardening in Berlin-Kreuzberg in der Tat nicht. Jegliche Hoffnung, dass mit ihnen die Revolution aber ein Stückchen näher gerückt ist, sollte man fahren lassen, den Freundinnen erklären, warum sie trotzdem sein muss, und mal öfter, mal immer dem tendenziellen Fall der Füllrate des eigenen Trink Tanks unter die Arme greifen. Danke für die Aufmerksamkeit, Prost.

Gebt das Heroin frei!

Montag, Dezember 12th, 2011

Es wird Zeit sich mit billigstem Antipopulismus unbeliebt zu machen. Jetzt ist die Frage was hat das mit Heroin zu tun? Dann ist ist die Antwort nichts. Außer, dass die allseits für ihre humoristischen Leistungen anerkannte Regierung der Bundesrepublik Deutschland sich zu Drogen und Volksgesundheit geäußert hat.

Es trug sich zu in der Weimarer Republik, dass ein paar übermotivierte Politiker auf die Idee kamen, dass es vielleicht ein guter Einfall sei, der Bevölkerung vorzuschreiben, wie sie sich dumm machen dürfen. Denn, jemand, die Zeit ihres Tages in einer Opiumhöhle rumhängt und sich Pfeife nach Pfeife genehmigt, kommt in der Regel nicht mehr dazu die zersetzte Arbeitskraft dem Kapital zu Gute kommen zu lassen. Das ist ein Skandal. Seitdem hat der deutsche Staat von dieser Linie nicht abgelassen, auch wenn die differenziertere Meinung heutzutage auch Freundinnen der Drogen in die Parlamente und an die Strände demokratischer Meinungsbildung spült. Die Ex-Kifferinnen von den Grünen, die neuen Freunde des Rauschs in der Piratenpartei oder die Gegenfürgegenalles-Partei Die Linke. Nun, muss man keine Expertin sein, um zu wissen, wie viel von der offen propagierten Drogenfreundlichkeit übrig bleibt, wenn man in einer Koalition mit der CDU sitzt. Nichts. Denn spätestens, wenn man sich den Mühlsteinen des Realismus hingeben muss, um das alles, was man sich so halluziniert hat, auch im Rahmen der Finanzierbarkeit zu halten, hat sich so mancher Idealismus in Luft und Lippenbekenntnisse aufgelöst.

Aber darum geht es hier gar nicht. Es geht hier um Drogen und Drogenverhinderungspolitik. Mal eine Frage: Woher kommt das denn bloß, dass Gras, Heroin, Koks und all die anderen angenehmeren oder unangenehmeren Mittel zum Aushalten des Alltags andauernd bis immer mit irgendeinem Scheiß gestreckt sind, sich die Risiken beim Konsum ins Unermessliche steigen und so manche Drogenkarriere in der Gosse endet? Von einer Eigentumsordnung, die nicht den Rausch, sondern den Profit zu ihrer Maxime erhoben hat. Von einer Drogenpolitik, die auf Restriktionen setzt (übrigens, unter den Vorzeichen heutiger Gesellschaften ist das Gegenteil meistens genauso falsch, s. Profitinteresse). Von einer Scheinheiligkeit, die den Feierabendkasten Bier zur Kultur erhebt, drei Tage wach auf chemischen Derivaten aber für verrückt hält. Man wird doch wohl noch selber entscheiden dürfen, wie sehr man sich kaputtmacht. Und so lange die Option ist, sich dem Kapital als Profitmaschine zu veräußern, eben so richtig. Gebt das Heroin frei.