Archive for the ‘Scheißdeutsche’ Category

Blasphemie ist eine Strategie.

Donnerstag, Juni 6th, 2013

Harmonie war einmal, das neue große Ding ist Dysharmonie. Und es gibt so ein paar Gestalten der immerwährenden geistigen Umnachtung, mit denen man es sich ruhig öfter verscherzen kann. Ich rede von der katholischen Kirche, oder Religion im Allgemeinen. Aber speziell von der katholischen Kirche.

Als deren Oberhirte Dingsbums der I. letztes Jahr das beschauliche Multimillionendorf Berlin besuchte, konnten es sich einige der grundsätzlich überdurchschnittlich Verbitterten nicht nehmen lassen, dagegen ihre Münder aufzumachen, Trompeten (nicht von Jericho) zu zücken und ihm und seiner Bande – auch den Einheimischen, gute Blasphemie macht keinen Halt vor der eigenen Scholle – den Besuch mit der ein oder anderen negativen Erinnerung zu versüßen. Solche Proteste haben manchmal Nachwirkungen; manchmal kosten sie sogar Geld. Zum Beispiel, weil die Staatsgewalt ihre Treue zu Recht, Gesetz, König und Kirche (unzutreffendes bitte streichen) beweisen will. Lange Reder, langer Sinn: Am Samstag ab 23.59h lädt das ://about blank in Zusammenarbeit mit den Vollzeitkloppis von Dicht am Mittag zu einem Sonntag im Zeichen des Kreuzes. Mehr Informationen bei Facebook oder Resident Advisor.

Dieser Beitrag wurde ermöglicht, weil wir nicht dem WDR-Gesetz unterliegen. Sendungen, die vom WDR in Auftrag gegeben wurden, tun das. So zum Beispiel die Sendung Kekebus! von Carolin Kekebus. Wie das SZ TV-Blog berichtet wurde aus ihrer Sendung eine Gesangseinlage gestrichen, weil sie religiöse Gesetze verletzen könnte, und das ist böse, weil s. Gesetz. Klingt soweit nicht einleuchtend, es sei deswegen hier gezeigt.

Zum aktuellen Stand des Immerblöden: ECHO 2013.

Freitag, März 22nd, 2013

Um die Nachricht des Tages vorwegzunehmen: Ich bin jetzt Cro-Fan. Der macht zwar ungefähr so nichtssagende, weil jeglicher Denkleistung beraubte, Popmusik wie die Postpunks (im schlechtesten Sinne) von den Toten Hosen, geht dabei aber nicht auf die Nerven. Seine Live-Performance mit einer Bühne voller Cros ist dann auch das Highlight der gestrigen Show. Zwar nicht direkt neu, aber immerhin ein aktualisiertes Zitat eines Auftritts von Eminem.


Ansonsten kann man, das meint das bundesdeutsche Feuilleton und die paar Popkulturspacken außerhalb dessen, vom ECHO halten, was man will. Dass die deutsche Inszenierung von Pop schon immer an der nationalen Borniertheit oder einer Unfähigkeit zur Inszenierung außerhalb von Parteitagen (pun intended) scheitert, ist nun wirklich weder eine neue These noch eine spektakuläre. Wenn deswegen bei SPON oder der Süddeutschen heute wieder konstatiert wird, dass alles langweilig war, ist das langweilig. Horkheimer und Adorno wussten das schon länger. Irgendwo im Kulturindustriekapitel der Dialektik der Aufklärung hielten diese fest, dass realitätsgerechte Empörung die Warenmarke derjenigen ist, die dem Betrieb eine neue Idee zuführen wollen. Der gestrige Versuch einer aalglatten Selbstbeweihräucherung der schön Erfolgreichen und leidlich Schönen blieb ohne jede Empörung (die Mini-Empörung um Frei.Wild hatte sich schon recht bald erledigt, weit vor gestern 20.15h) und ohne jede neue Idee. Anstatt Ideen übt man sich in Star-Recycling, Einspieler-Werbefilmchen, und Höhnerscher Feier- und Frohsinn-Kotzerei. Immergleich stays Immergleich.


Der Witz des ECHOs ist ein anderer, wenn auch kein guter. Ein Preis, der auf der Basis der Beliebtheit bei denjenigen vergeben wird, die in jeder Umfrage wieder bezeugen, wie ekelhaft sie als Kollektiv sind, die Deutschen, ist keine Auszeichnung, sondern eine Beleidigung. Robbie Williams’ Reaktion auf seinen Echo, ungespielte Langeweile, wird so zur einzig richtigen. Die Sache mit dem Eigenlob kriegt er, auch kein Wunder, wesentlich besser hin als BAP-Niedecken.


Und sonst so: Frida Gold versucht die 90er wiederzubeleben mit einer grausamen Cover-Version eines grausamen Liedes, dessen grausamen Namen ich zum Glück schon wieder vergessen hatte, Cascada zeigt Dance-Pop zum Gähnen. Selbst das zweite Highlight, Emili Sandé, muss mit einem »Naja« vermerkt werden. Das glorreiche Ende ist der ECHO fürs Lebenswerk (national) für Hannes Wader, garniert mit einer Meyschen Gutmenschenlitanei, die man bis zum Moment, an dem sich Wader mehr davon wünscht, fast unverdient finden möchte. Auch Wader verzichtet dann auf eine neue Idee (Die Internationale, Der heimliche Aufmarsch, ich hätte fast alles mit Kusshand genommen) und trällert seinen Kosens-Hit »Heute hier, morgen dort«. Ein beeindruckendes Beispiel dafür, dass zwar tatsächlich »nichts bleibt, wie es war« – es allerdings auch nicht besser wird. Auch und gerade nicht mit den Toten Hosen. Ende. Nicht ohne ein weiteres Mal »An Tagen wie diesen« ertragen zu müssen. Tagesthemen. Snafu.

Dann mach doch den Kopf zu!

Freitag, Februar 1st, 2013

Es ist zum Kotzen. In einer Welt, in der der Stern plötzlich als Leitmedium des Antisexismus’ erscheint und man sich bei Stern TV nicht über den Einspieler sondern über die Feministin mit dem schönen Namen von Horst, die im Brustton der nicht durchdachten Überzeugung verkündet, dass Frauen kein übergriffiges Verhalten an den Tag legen könnten, aufregt, hilft selbst der vollste Kühlschrank nicht, den Magen genügend zu füllen. Meiner ist leer.

Deswegen, nur zur Klarstellung: Natürlich ist der Stern nicht das antisexistische Leitmedium der Postpostpostmoderne und natürlich hat Frau von Horst Unrecht. Unrecht, gutes Thema. Wo Recht zu Unrecht wird, so hieß es, wird Widerstand zur Pflicht. Wenn Dummheit zur Gewohnheit wird, so heißt es: Willkommen in der Realität. Es überrascht deswegen kaum, dass auch viele Kommentare zum #Aufschrei, der gerade durch deutsche Medien geht, dumm wie Brot sind und fragmentarisch wie ebenjenes in geschnitten. Den großen Zusammenhang »Gesellschaft« halluziniert man höchstens noch herbei, ohne größere Anstrengungen zu unternehmen, ihn zu fassen. Manchmal erspart man sich selbst die Halluzination der Gesellschaft um sich ein wenig gutes Leben unter Vorspiegelung falscher Tatsachen zu gönnen.

So zum Beispiel Birgit Kelle, ihres Zeichens Christin und Antifeministin, denn es gibt ja Gleichstellungsgesetze – und wie wir alle wissen, reicht eine Vorschrift. Deswegen gibt es in den USA keinen Rassismus mehr und nach dem Ende des Dritten Reiches waren in Deutschland alle Nazis verschwunden. Stimmt gar nicht? Sagt das lieber Frau Keller. Diese jedenfalls hat zum Aufschrei unter der Überschrift »Dann macht doch die Bluse zu« auch ein bisschen hysterisches Gequake beizutragen. Um es vorwegzunehmen: Ihr Gequake ist Produkt einer leidlich erfolgreichen und glücklichen Aneinanderreihung von Begebenheiten, aus der sie eine gesellschaftliche Norm ableitet. Frei nach irgendsoeinem König: Die Gesellschaft ist sie.

Aber der Reihe nach. Mit einem Gedankenexperiment startet die Autorin. Was, ja was, wäre wohl passiert, wenn Brüderle Clooney heißen würde und nicht »frisches Gesicht« der FDP sondern Hollywoodgröße sei. Es mag der Phantasie von Keller nicht einfallen, dass auch Clooney sich übergriffig verhalten kann, dass ihn vielleicht gar nicht alle Menschen so töfte finden. Weiter fabuliert sie von heißen Flirts – der nebenbei auch bei Brüderle hätte entstehen können, hätte er zufälligerweise eine Frau erwischt, die auf junggebliebene Altpolitiker steht – und leitet ab, mit Gedankensprung aber ohne Zusammenhang: »Was wir daraus lernen? Wo persönliche Befindlichkeit als ausreichender Gradmesser erscheint, um Sexismus zu definieren, verkommt der Begriff zur Beliebigkeit.« Was wirklich zu lernen gewesen wäre, wäre natürlich etwas anderes: Übergriffigkeit kann nur über persönliche Maßstäbe definiert werden. Natürlich ist es gut, wenn eine Person mit mir flirtet, mit der ich flirten will und natürlich ist es schlecht, wenn das eine tut, die mich in Ruhe lassen soll. Das ist keine Beliebigkeit, das ist eine Basisbanalität. Bestimmtes Verhalten ist mal übergriffig und mal nicht. Im Sinne mündiger Menschen wäre es folglich auch nicht, einen Regelkatalog aufzustellen, der von A-Z erklärt, dass dieses oder jenes nicht sein darf, sondern soziale Intelligenz, Aufmerksamkeit und Absehen von der Durchsetzung des eigenen Willens. Das ist nicht einfach. Eine angenehmere Alternative als das Zertrampeln anderer Menschen aber allemal.

Wenn man das rafft und zusätzlich noch einsieht, dass Gesellschaft nicht die Borniertheit der Erfolgreichen ist, nicht die Einzelnen sind, sondern »die Summe der Beziehungen, Verhältnisse […], worin diese Individuen zueinander stehn« (Marx) – was Keller natürlich beides unterlassen hat –, kommt man noch ein Stückchen weiter. Der Blick auf den Arsch, das »Meer von Banalitäten, die nichts weiter sind als das alltägliche Balzverhalten zwischen Mann und Frau« (Keller) sind Ausdrücke der Gesellschaft und aus der Summe der Vorfälle lassen sich z.B. Machtverhältnisse absehen. Das alltägliche Balzverhalten ist Ausdruck eines gesellschaftlichen Machtverhältnisses, so wie der Blick auf den Arsch eines ist. Übergriff fängt nicht bei der Vergewaltigung an, anders wird ein Schuh draus: Auch die Vergewaltigung ist Ausdruck ebenjenes Machtverhältnisses, das es strukturell eben eher Männern erlaubt, sich etwas rauszunehmen. Das macht nicht alle Männern zu Tätern – individuelles Verhalten lässt sich zum Glück reflektieren und ändern – setzt aber das männliche Geschlecht nach wie vor in eine Machtposition. Und diese Machtposition ist nach wie vor gesellschaftlich. Dass im Einzelfall was anderes passiert, ist gut oder schlecht, aber noch nicht absolut. Die Erfahrungen (sich selber durchsetzen können, Solidarität), die Keller während ihres Studiums gemacht hat, sind gut und schön. Keller leitet daraus ab, dass die Probleme sich für alle erledigt hätten. Und das ist dumm.

Ebenso dumm, aber leider nicht minder populär, ist die Forderung, die schon in Kellers Überschrift anklang: Die Frauen sollen doch bitte in Sack und Asche laufen. Zuhause machen sie sich ja schließlich auch nicht zurecht! Damit schneidet sie übrigens ein interessantes Kapitel an: Die Ableitung des eigenen Selbstwertes aus der Achtung von anderen. Man kleidet sich anders, verhält sich anders, legt andere Maßstäbe an sich und die Welt an, wenn man nicht alleine ist. Das ist ein Problem, aber darum soll es jetzt nur am Rande gehen. Das eigentliche Problem ist doch, die Unbedingtheit, die aufgefahren wird, wenn Frauen dazu aufgefordert werden sich »nicht aufreizend« zu kleiden, gar dafür verantwortlich gemacht werden, wenn ihnen etwas zustößt. In was für einer beschissenen Welt leben wir eigentlich?

Und ja, vielleicht zieht man sich bestimmt an, um Reaktionen zu erhalten. Vielleicht will man diese Reaktionen aber nicht von jedem und vielleicht will man nicht jede Reaktion? Wäre das nicht mal einen Gedanken wert? Aus Minirock folgt nicht von jedem Mann begafft zu werden. Das folgt aus den Gedanken der Männer, die Frauen zu den Objekten ihrer Begierde machen. Get over it.

Diese Objektivierung, die Dummheit der einen entschuldigt ja nicht die Dummheit der anderen, ist andersrum natürlich auch verkehrt. Deswegen regt man sich über von Horst bei Stern TV auf, und das vollkommen zurecht, und auch darüber, wenn eine Kolumnistin in der taz phantasiert, dass »das rätselhafte Geschlecht nicht die Frauen« seien. Das Rätsel eines jeden Zwangskollektivs besteht darin, dass Individuen in diesem zusammengefasst werden, die Regeln mehr oder weniger akzeptieren, sich aber nicht auf diese geeinigt haben. Das rätselhafte Geschlecht sind alle Menschen als Menschengeschlecht. Was zu hoffen bleibt ist, dass die Menschen irgendwann mal auf die Idee kommen, dass es vielleicht weit weniger anstrengend wäre, wenn sich alle mal halbwegs vernünftig benehmen und nicht wie das letzte Arschloch in der Welt rumpoltern.

 

Sag mal, GdP (Gewerkschaft der Polizei)!

Dienstag, Oktober 30th, 2012

Geht es es dir eigentlich so elend, dass du den Mund gar nicht mehr aufkriegst? Das wäre nicht weiter schlimm, würdest du wenigstens deiner Konkurrenz der DPolG (Deutsche Polizeigewerkschaft) das Maul verbieten. Und bitte diesem Wendt als erstes. Und wo wir schon von dir sprechen, DPolG, klar, du bist nunmal eine Gewerkschaft für PolizistInnen und wir wissen alle, dass die als Kind vor lauter Verfassungstreue vergessen haben, von der Intelligenz zu kosten das Argument gegen den Staat zu lernen. Deswegen auch klar: Du machst Law & Order und vor lauter Law & Order schaffst du es weiterhin nicht von der Intelligenz zu kosten wenigstens mal für 2 Cent nachzudenken ach, egal. Deswegen darf sich dein Vorsitzender, oben erwähnter Wendt, auch weiter an die Presse wenden (und vermutlich sogar noch gefragt werden, schäm dich, Journalismus!) und so kluge Sätze sagen wie: »Man sieht wieder einmal, die Gerichte machen schöngeistige Rechtspflege, aber richten sich nicht an der Praxis aus«. Zum Thema racial profiling. Denn du und deine KollegInnen, ihr wisst natürlich: In Wahrheit sind diese ganzen Schwarzen wenigstens kriminell. Und wenn sie schon nicht kriminell sind, dann wenigstens verdächtig. Wie sagt man da so schön: 1312.

PSLOLOMGROLF c/o tagesschau.de, du glaubst also wirklich, dass ein Gerichtsurteil Rassismus und rassistische Verhaltensweisen einfach so abschafft? Oder wie darf ich den Satz »In den USA wurde die Praxis im Jahr 2003 abgeschafft« sonst verstehen? Kleiner Tipp: Guck dir doch mal die Realität an, hast du bestimmt irgendwo in deinen Archiven.

Bummelmuttis. Über die Unmöglichkeit der Diskretion auf dem Gehweg.

Samstag, Oktober 27th, 2012

Eye, selig-naiv grinsende Bummelmuttis, die ihr euren Nachwuchs wie Monstranzen des Bessermenschentums rumgewickelt vor euch hertragt und wie die Bachen im Frühling auf der Waldlichtung euch auf dem Bürgersteig schart, als habet ihr mit der Gnade der Mutterschaft das Vorrecht erwirkt, euren Mitmenschen die Zeit zu stehlen, denn weder links noch rechts noch mittendrin führt ein Weg an eurem penetrant zur Schau gestellten Glück vorbei! Nein, ich neide euch nichts und wenn ich beladen mit einer bleiernen Aldi-Tüte in der Linken und einem mittelschweren Aktenkoffer in der Rechten daherkomme und im Rahmen sozialer Gepflogenheiten, sozusagen freundlich aber bestimmt, um Platz und Vorbeikommen bitte, dann gibt es keinen Grund, ausfällig engagiert zu erklären, mir fehlte der Kindersegen für meine charakterliche Ausgeglichenheit; überflüssig, eure Augäpfel zu verdrehen, eure Nasen zu rümpfen und auch der Faltenwurf auf euren sonst so anmutig östrogengeglätteten Stirnen ist umsonst. Wundert euch aber nicht, wenn ich die linke Braue über ein solches Gebaren anhebe und mir die Adern in den Schläfen anschwellen und bersten. Denn euer verächtliches Betragen erfüllt eine psychologische Funktion: Niedergekommen aus einer entstellten Vorstellung von Freiheit, spiegelt es nicht weniger als eure Ohnmacht in den heurigen Verhältnissen – was ihr wenigstens mit dem Gefühl moralischer Überlegenheit zu entschädigen sucht.

Anders verkraftet ihr eure Kränkung nicht, da ihr insgeheim lange schon und ganz zu recht habt alle Hoffnung fahren lassen. Verkraftbar ist euch dies mit einer Politur der Widersprüche, die euch selbst mit allen Zwängen versöhnt denken lässt. Was euch Unbehagen bereitet, sind jene, die abweichen von euch, die ihr das Allgemeinste als Individuelles begreift. Anders leuchtet nicht ein, wie ihr privates Glück in einen Heilsdienst an der Menschheit umdeutet, der gefälligen Respekt von allen einfordert, die sich der Hingabe an die Strapazen einer Mutterschaft entziehen. Kinderlose Frauen gehen, wie Homosexuelle (Neuerdings werden auch alle, die sich dem Zwang zur inzwischen ökonomisch notwendigen Selbstoptimierung, z.B. qua Nicht-Rauchen, leiblicher Ertüchtigung und Halbfettmargarine verweigern, als fragwürdig identifiziert.), das Wagnis ein, erkennen zu geben, dass sie ihre leibliche Funktion nicht in den Dienst des Kollektivs stellen, Sexualität gar zum individuellen Lustgewinn praktizieren und werden deshalb apriorisch verdächtigt, die Reproduktion zu hintergehen. Ganz so, als sei ein Einzelnes mächtig, sich gesellschaftlicher Zwangsarbeit, wenn auch in ihrer abgemilderten Variante, zu verweigern, wird jedes Indiz für Individualität zur nackten Provokation. Die Blaupausen vom selben Entwurf, Menschenleben genannt, werden vom weichgespülten liberalen Verstand als höchster Wert veranschlagt, doch sind sie ohne Fleisch und Blut, denn das vermittelnde Element für Assimilation schlechthin ist in der Überflussgesellschaft Mangelware und eben diese Relation produziert gesellschaftlich überflüssige Mangelwesen.

Die Akzeptanz dieser Anomie gelingt nicht ohne Qual. Der Besitz an sich selbst und freier Wille können allenfalls Schein sein, wenn private Existenz abhängt von unbeeinflussbaren ökonomischen Prozessen. Niemand gibt pränatal sein Einverständnis darin, das Licht dieser Welt zu erblicken. Aber selbst von allem Sinn beraubt, treibt die gesellschaftliche Ordnung dennoch dazu an, Erleuchtung in der Unterjochung des persönlichen Glücks zu suchen. Die vorbehaltlose Bejahung des eingekerkerten Lebens kennt nicht einmal die Hoffnung auf ein seliges irdisches Leben. Ökologische Gemüsekisten und nachhaltige Kindergärten vermögen findig darüber hinwegzutäuschen, dass Leben in der Gegenwärtigkeit nur als verwertendes von Wert ist. Das Subjekt, das sich selbst erkennende Erkennende, verdankt die Eventualität seiner Existenz überhaupt erst dem Markt, denn Individualität hatte ihre Geburtsstunde in der Entfesselung der Zirkulationssphäre: Diese Art der Unfreiheit, private Arbeitskraft gesellschaftlich veräußern zu müssen, setzt paradoxerweise die Fähigkeit voraus, sich selbst zum Gegenstand von Erkenntnis zu machen und sich von anderen unterschieden wahrnehmen zu können. Selbsterkenntnis könnte den Status eigener Gefangenschaft bewusst mitdenken. Der unerträglichste Widerspruch ist jener, dass das Potential zu individuellen Lebensentwürfen überhaupt erst im Warentauschverhältnis möglich wird; denn der Markt ist leidenschaftslos gegen Alter, sexueller Identität und Hautfarbe, er kennt nur Verwertungsobjekte, treten diese nun als Arbeitskraft oder Konsument in Erscheinung. Innerhalb dieser allgemeinen Nivellierung ist die Entscheidung für oder gegen Elternschaft überhaupt erst denkbar. Verachtung gegen Mütter, weil diese den Ruch der alten Ordnung, die Stigmata der Bezwingung durch das Patriarchat und biologische Dienstbarkeit an sich trügen, verfehlt den Gedanken von Emanzipation. Solche Lesart blendet den eigenen Gehorsam gegen die bestehenden Verhältnisse aus, verkennt, dass die Gesellschaft nicht für die Menschen geschaffen wurde, missdeutet Individualität als ahistorisch und natürlich. Was von falsch verstandenem Feminismus anvisiert wird, ist die Gleichberechtigung oder Machtumkehr der Geschlechter im Konkurrenzverhältnis am Arbeitsmarkt.

Zweifelsohne sind in der Logik des Bestehenden egalitäre Integrationschancen für die Existenzerhaltung elementar notwendig, nur ist es eine fragwürdige Utopie von einer Gesellschaft, die allen das gleichrangige Recht zur Selbst- und Fremdausbeutung gewährt. Es nimmt nicht wunder, wenn aus solchem Verständnis Mutterschaft grundsätzlich reaktionär geschimpft wird. Indes ist der zur Schau gestellte Regress jener Frauen, die in ihrer Mutterrolle aufgehen und kinderloses Leben nur als Stumpfexistenz begreifen, die Kehrseite desselben Ungemachs über die Unmöglichkeit der Glücksverheißung. Die aufgrund nicht-konformer Geschlechteridentität sichtbar gemachte Differenz, die Ahnung von souverän bestimmter Selbstentfaltung, wirft Fragen auf über den Charakter des gesellschaftlichen Status quo: Die als verwirklicht behauptete Freiheit könnte als Feigenblatt und Legitimation gesellschaftlich schlechter Praxis enttarnt werden – und die Sinnlosigkeit des eigenen Lebens gleich mit. Aber die Wut darüber richtet sich nicht gegen die Verhältnisse, sondern wird untereinander gewaltvoll ausgetragen. Die Verrohung der Umgangsformen und die Kultivierung der Rücksichtslosigkeit auf den Gehwegen, Bahnsteigen und Shopping Malls ist Hingabe an die verdrängte eigene Ohnmacht. Der Ekel davor, sich selbst Gewalt antun zu müssen, sich selbst und andere auszubeuten, wird, einem Spiegelkabinett als Schaustellerattraktion gleich, verzerrt nach außen zurückgeworfen auf alle, die sich als Opfer anbieten. Wer sich in der öffentlichen Sphäre zurück nimmt statt zu nehmen, überhaupt meint, es mit besonnenen Menschen zu tun zu haben, gibt sich selbst als menschlich zu erkennen, markiert den Makel der Verletzlichkeit und erinnert an die unbezwungene Sterblichkeit. Die sich als sorgende Gemeinschaft gerierende Horde fand genau deshalb zusammen, um die Aussicht auf das Durchprügeln der Partikularinteressen wahrscheinlicher zu machen. Wer glaubt, Individuen anzusprechen, der irrt!

Individuelle menschliche Verhaltensweisen erinnern die Monaden an ihre rudimentäre Mündigkeit, die allenfalls ausreichte, Entscheidungsgewalt im Namen des Gemeinen auszuüben. Höflichkeit, die zeremonielle Umgangsform bei Hofe, die elegant die blutigen, unvermittelten Hierarchieverhältnisse der Ständegesellschaft durch zivilisierte Unterwerfungsrituale nicht nur widerspiegelte sondern reproduzierte, findet inzwischen nicht Verwendung, ohne zugleich als überkommen verhöhnt zu werden, denn sie ist nutzlos in einer Gesellschaft, in der die Verfügungsgewalt alle erfasst. (vgl. Adorno, Minima Moralia, Aphorismus No. 19, Zur Dialektik des Takts) Die entstellte Gesellschaft muss sich nicht noch länger verstellen: Sie hat nicht einmal die Sanktion gegen Devianz mehr nötig, denn wer sich der Verwertbarkeit nicht andient, den straft die Zeitigung des eigenen Lebens. Das einstige bürgerlich-emanzipatorische Anliegen, dem Tod von der Schippe zu springen, die Gesellschaft menschenwürdig einzurichten, wurde inzwischen zur Lüge. Dass sogar Gesten, die Menschlichkeit anrühren könnten, von den Menschen selbst abgewehrt und bestraft werden mit Rüpelei und Rempelei, ist das richtige Abbild der falschen Ordnung.

And a real hero.

Donnerstag, Oktober 11th, 2012

Man kann Sport alles Mögliche vorwerfen, zum Beispiel, dass er anstrengend ist. Aber sicher nicht, dass er aus der sicheren Distanz des heimischen Wohnschlafundesszimmers nicht unterhaltsam wäre. Der Radsport hat in den letzten Jahren zwar ein wenig nachgelassen, nicht zuletzt, weil der öffentlich-rechtliche Verblödungskomplex entschieden hat, von der Tour de France mal lieber die Finger zu lassen – Doping und so – und die Öffentlichkeit dadurch rasant abnahm.

Was aber nicht heißt, dass das Amusement vorbei wäre! Nein, im Gegenteil. Hinter den Vorhängen der Grabesruhe rumorte es fleißig weiter (und ja, es wurde auch Rad gefahren). Dopingvorwürfe hier, Dopingbestätigungen da, eigentlich alle waren gedopt. Und wer nicht gedopt war, hat Schach gespielt. Aber, ähem, zurück zum Thema. In den Ermittlungen gegen den größten Radfahrer aller Zeiten (wegen journalistischer Sorgfaltspflicht gestrichen) einen Radfahrer und das beste Team aller Zeiten sein Team, Lance Armtrong und die US Postal Service-Mannschaft, ließ die US-Antidopingagentur USADA gestern verlauten, dass Armstrong »the most sophisticated, professionalised and successful doping programme the sport has ever seen« betrieben habe. Grund genug, ihm endlich mal das Lob zukommen zu lassen, das er verdient. Lance Armstrong ist nicht weniger als der größte Held, den der Sport in den letzten zwei Jahrzehnten, oder überhaupt, gesehen hat. Danke, Lance!

Verwirrung International.

Montag, Oktober 1st, 2012

Es ist nicht alles zum Haare raufen. Manches ist auch zum unterm Tisch liegen und weinen. Oder lachen. Zum Beispiel, wenn ein Kolumnist des iranischen Auslandssenders Press TV halluziniert, dass Julian Assange, derzeit politischer Gast des ecuadorianischen Konsulates in London, in Wahrheit, na klar, Agent des Mossads ist. Das ist jetzt nicht unbedingt sonderlich überraschend, die Redaktion des Spektakels wartet nur darauf, die Meldung zu empfangen, dass Ahmadinejad, derzeit politischer Hetzer in Teheran, der Weltöffentlichkeit verkündet, dass ein gewisser Ahmadinejad Agent des Mossads, der CIA und der Kleingartenkolonie Mittel-Zeilitzheim ist, um endlich den Untergang aller Kultur bekanntgeben zu können.

Das wäre lustig. Dauert aber vermutlich doch noch ein bisschen. Deswegen sollten wir uns dem ganz normalen Wahnsinn vor unserer Haustür zuwenden. In der BILD-Zeitung, inoffizielles Propagandablatt der (naja, nicht immer) freiheitlich-demokratischen Stammtischordnung, darf immer noch ein gewisser F. J. Wagner seine Kolumne abliefern. Jeden Tag. Die Ausgaben sind, das muss man ihm lassen, trotz mindestens vier Sätzen, in sich stimmig (sieht man von Kleinigkeiten ab, dass er es nicht schafft, konsequent eine_n Adressat_in beizubehalten usw.). Aber was passiert, wenn man die Ausgaben einer Woche oder gar eines Monates mal auf Kohärenz abklopft? Gar nicht nötig. Frei nach dem Motto „Was interessiert mich mein Geschwätz von vor 2 Wochen Tagen gestern“ hüpft sich der Wagner Franz durch seine Feindbilder.

Als der FC Bayern München sich einen neuen Spieler kaufte, Javi, 40 Millionen €, musste der Wagner natürlich was dazu sagen. Neben ein bisschen Rassenschau („Javi Martinez sieht nett aus. Wenn er lacht, zeigt er schöne Zähne.“) eine knallharte Analyse: „40 Millionen habt Ihr hingeblättert, weil Ihr verzweifelt seid. Weil Ihr nicht verlieren könnt. Weil Ihr die Leere, die Dunkelheit nicht ertragt.“ Ja, es muss schrecklich dunkel und leer sein auf dem zweiten Platz der ersten Bundeslige (letzte Saison). Fast so dunkel und leer wie im Herbst. Zu dem, Überraschung, hat Wagner natürlich auch ein kleines bisschen Wehrmachtssenf hinzuzugeben: „Der Herbst bringt die Kälte. Man rutscht aus, bleibt liegen und dann erfriert man. Ich habe Angst, wenn die Sonne nicht mehr scheint. Wenn die Sonne scheint, überleben wir.“

Und so sind sie beide getriebene, der FC Bayern München, der sich Superstars kauft, und der Wagner, die arme Pottsau, die nur drei Wochen Urlaub in Südfrankreich machen durfte, bevor sie wieder in den heimischen energieeffizienten vier Wänden frieren muss. Armes Haserl.

Deutschland, deine SchülerInnen.

Mittwoch, Juli 25th, 2012

Deutschlands SchülerInnen sind eine Wucht. Wenn sie die Bildung nicht gerade bestreiken – durchschnittlich 0,7 Tage im Jahr (ohne Wochenenden und Ferien, Hitzefrei und Terror) –, sind sie eifrig dabei, dem Betrieb beizuwohnen. Teil dieses Prozederes ist, dass ein Gutteil der SchülerInnenschaft sich nicht zu blöde ist, ihr Zurichtung zu feiern, wenn sie einen Abschluss erreicht haben. Okay, man kann einwenden, dass sie sich auch nicht zu blöde sind, in Dorfdiskotheken und auf Schützenfesten zu feiern, das also auch nichts weiter zu bedeuten hat. Allerdings besteht die Performance der versammelten Zukunft dieses Landes im wochendisierten Ritual vornehmlich darin, sich in das nächstgelegene Koma zu saufen.

Beim Abschluss, dem Ritterschlag des Bildungssystems, wollen sich die abschließend Sortierten selber einbringen. Das führt über Mottos (irgendwas zwischen »13 Jahre Klassenkampf« und »Sag niemals nie«) bis zu einer Feier. Die Ergebnisse sind im Normalvollzug schon abschreckend genug. Noch schlimmer wird das Ganze, wenn der abgesteckte Rahmen verlassen wird. Also, wenn die Band und der verstimmte Chor nicht Scorpions, Jan Delay, Tina Turner oder andere Bruchstücke der Tyrannei der Popmasse aufführen, sondern zu einem etwas exotischerem Titel greifen.

So geschehen in einem Dorf, dessen Name ja auch irgendwie egal ist, weil er bis zur nächsten Bombenwelle der Roten Armee keine weitere Beachtung wert ist. In diesem Dorf jedenfalls kamen SchülerInnen auf die Idee, dass man ein emotionales Lied nehmen könnte. Etwas mit Wehmut. Und Gitarren. Etwas von Sleipnir. Das ist bissel blöde, weil Sleipnir natürlich bissel blöde sind. Auch ein bissel blöde sind Dennis und seine Kumpels, die in den Rollen von Regisseuren, Kameramännern und Backgroundsängern brillieren. In der Neuverfilmung dann mit Til Schweiger und Tom Cruise.

The united words of german volkszorn.

Freitag, Juli 13th, 2012

Man stelle sich vor, die Bild berichtet, wie sie halt berichten tut. Also mit unverpixelten Bildern, Klarnamen, Sätzen wie Mahlsteinen, frei nach dem Motto »Nichts genau weiß man nicht« und einer Kommentarspalte bei Facebook. Man stelle sich weiter vor, dass diese Bild vielen Menschen gefällt und diese viele Menschen ihren Senf dazutun. Um die Vorstellung ein bisschen zu bereichern folgend ein Best Of der ersten Stunde. Auf Artikel zu Bild und dem zugehörigen Facebook-Post wird generös verzichtet.

 

Sascha S. Pech gehabt wenn man einbricht ;)) ! So sind die Gesetze in den USA !!

Silvio G. geht garnicht, todesstrafe

Tom D. Headshoooooooooooot!

Dennis D. ‎….selber schuld!

Andrej S. da trägt ja auch schon jeder ab 16 ne waffe

Stefan J. F. B. Ach ja, dieses „zivilisierte“ Land, ne?

Massimo P. hahah was macht ne Berlinrin in USA 😀 ??? Versteh ich nicht und warum Bricht sie ein hahahah DU SCHLAMPE

Ivan V. ‎:( Todestrafee Sowas eey soouwas dummes.. man soLLte den Täter erschiessen

Karsten K. Tja selber Schuld und gut so.Hier wird man ja noch selber vor Gericht gestellt wenn man sein Eigentum verteidigt.Manche Rechte sollte man auch hier einführen.

Nikeey S. W. Bei Einbruch darf man in den USA auf eigenem Grund jemanden umbringen. Gesetz ist Gesetz, ihr Problem.

Kevin R. ich finds richtig so sollte in deutschland auch erlaubt sein … was soll das auch wieso bricht die irgendwo ein ? oO

Anette W. das man gleich erschossen wird ist echt mehr als hart, aber warum muss man einbrechen, und andere leben unsicher machen. man klaut einfach nicht. ich denke das bekommt man in kindesalter so anerzogen…

Ute R. mir stellt sich die frage….welche eltern lassen ein 16 jähriges kind auswandern und die schwester drauf aufpassen?????konnten die eltern nicht mehr weil sie in berlin schon viel mist gebaut hat???

Michael S. Man sollte nicht einbrechen , wenn man weiß , das jeder schiessen kann und wird !! Beileid für die Eltern , furchtbar !

Sascha K. schlimm das dieser betrag einem gefallen kann… berlinerin getötet und ihr drückt gefällt mir ???? … die berlinerin gefällt mir auch nur der rest nicht…

David M. diese nachricht ist in den bosnischen medien schon einpaar tage, sie soll kopf einer verbrecherbande gewesen sein und wurde vom hausherr erschossen. das ist auch gut so!

Kevin S. hätte es nicht nen kinderschänder oder so am Kopf treffen können???

Matthias S. Massimo P. [s.o., Anm. Autor] duu bist echt das letzte dich solten sie an die wand stellen und mit bleikugeln voll pumpen

Roy K. ohne scheiß wer solche kommis abgibt muss doch ein anner waffel haben entweder zu früh aufgehört zu stillen oder einfach nur geisteskrank solche leute sollte mann sofort an den strick schicken …

Marta-Vaddi P. deutschland nimm dir nen beispiel sexualstraftäter kinderschänder u bahn schläger und all die anderen feigen schweine hinrichten.. richtig so.. wer sich nicht an die regeln halten will hats nicht anders verdient.. scheiss bewährungsmüll endlich abschaffen

Chris M. Das ist nie eine Berlinerin xD Die kommt aus Istanbul ja!!!

Roberto S. armes mädel scheiß USA (FUCK USA)

Janine T. Wenn se geklaut hat, selbst schuld =) is halt nunmal so bei denen. wenn nicht: selbst schuld in en land auszuwandern vor allem in einen staat wo man waffen legal tragen darf und erschießen darf wen man will (sofern er sich auf dem eigenen grundstück befindet)

Heinz P. Was soll man dazu sagen, schlimm alles. So ein hübsches Mädchen.
Amerika ist das Land der Waffen, fast jeder Haushalt besitzt eine Waffe..
Man weiß nie was einen erwartet.
Sollte uns alle nachdenklich machen.
Selbst wenn sie eine Einbrecherin war, hat sie nicht den Tod verdient.
Wir Menschen urteilen gerne, gut das ein liebender Gott nicht urteilt.
Wir wissen viel und doch nichts.

Sabrina N. weist sowas kommt in der zeitung aber was in afganistan abgeht das juckt niemand da sterben täglich deutsche Soldaten.. armes Deutschland.. klar R.I.P. aber verstehen Tu ich das echt nicht..

Chev C. hätte sie sich auch mal ne knarre gekauft… dumme weiber und wenn sie die einbrecherin war, nenn ich das berufsrisiko

Jörg F. und das schlimme ist , sie sind stolz auf ihre waffen !!Das land der unbegrenzten möglichkeiten ! ich hasse diese kriegstreiber !arrogantes scheiss volk !! mehr intelligenz als nen paar kuhtreiber haben sie nicht !die A-bombe haben auch deutsche wissenschaftler , für die gebaut, zum mond war auch ein deutscher , selbst die shuttel sind 80 % deutsche technik !! die haben halt kein hirn !!! ein land in dem jeder das recht hat nen maschienengewehr zu besitzen , endet nunmal im chaos und anarchie !!!!!!

Thomas K. wenigstens bekommt ihr mörder die todesstrafe !!! in deutschland würde er bewährung bekommen haha !!!

Μαικ Χ. Leute, anderes Land andere Sitten… Daran kann man nichts ändern

Und was lernt man? So schlimm wie die Medien, sind auch die, die sie konsumieren. Der Bild scheint das egal zu sein. Eine Moderation findet nicht statt. Und man kann sich bestätigt sehen, dieses Land und seine Leute nicht zu lieben. Ansonsten alles beim Alten. Revolution wird weiter vertagt. Leider.

Talking ’bout a … – Anmerkungen zu #Blockupy.

Donnerstag, Mai 17th, 2012

Wenn sich Menschen gegen die Herrschaft auflehnen, bin ich grundsätzlich solidarisch. Meine Solidarität wird in dem Moment aber zu einer kritischen, wenn ihr Appell der nach einer besseren Herrschaft ist und zusätzlich noch mit Ankündigungen wie dieser garniert wird: »12:35h #Frankfurt Paulsplatz: Pfiffe gegen die unverständlichen Polizeidurchsagen. Konstantin Wecker singt gleich durchs Megaphon. #Blockupy«. Das geht nun, mit Verlaub, wirklich zu weit. Weil aber auch kritisch-solidarisches Verhalten das solidarisch noch in sich trägt, ignoriere ich das Weckersche Treiben und versuche mich stattdessen in Diskursanalyse. Im Internet. Bei Twitter! Das verspricht doch witzig zu werden. Humor für Leute mit Humor. Aber ernsthaft. Im Folgenden: 3 Blöcke. 1. Block: Die Versammlungsfreiheit. 2. Block: Polizei, Gewalt und Friedlichkeit. 3. Block: Versammelte Kuriositäten in 140 Zeichen.

1. Die Versammlungsfreiheit – Fluch und Segen eines guten Idealismus.

Die Vergleiche, die man ob des Verhaltens von Legislative, Judikative, Exekutive und Pressekative anstimmte, waren vielfältig, meistens krude und selten auf den Punkt. Damit meine ich auf irgendeinen. Spätestens nach 2 Stunden Tweets lesen, waren meine Erwartungen geschrumpft. Armin H. aus F. witterte den Geruch von »Schönwettergrundrecht«, Rainer wusste zu vergleichen: »#Blockupy Veranstaltungen werden verboten! #NAZIS dürfen regelmäßig in deutschen Städten aufmarschieren!« Marie Laveau sah das ähnlich. Andreas Marktzyniker hingegen erklärte die Stadtregierung Frankfurts kurzerhand zur »schwarz-grünen Junta« und fragte, wann denn wohl das Kriegsrecht verhängt werden würde. S. Fischer fühlte seine Menschenrechte direkt »mit Füßen getreten«. Hui ui ui. Da in Frankfurt scheint ja ganz schön was los zu sein. Ist es aber gar nicht.Verschiedene linke Gruppe haben zu Aktionstagen aufgerufen, im gemeinsamen Aufruf heißt es, dass man »am 18. Mai den Geschäftsbetrieb der Banken in Frankfurt blockieren« werde, um wütend zu sein. Am 17. Mai wolle man zentrale Plätze besetzen (der 17. Mai begann dann mit der Räumung des Empörten-Camps durch die Polizei) und am 19. Mai eine breite, lustige, bunte und was man halt sonst noch so auf Demos haben will Demo veranstalten.

Verschiedene Gerichte haben dann eigentlich alles verboten – bis auf die Demo am Samstag. Warum? Nimmt man die Begründungen der Occupy-Twitterer_innen liegt es auf der Hand. »Legitimer Protest« solle unterdrückt werden, während der Staat ja offensichtlich nichts gegen Nazis unternehme. »Grundrechte« würden ausgehöhlt. Jetzt heißt es im Art. 20 GG zwar, dass »alle Staatsgewalt vom Volke« ausgeht, aber im Satz danach, der von denen, die vor einigen Momenten mit dem Buch in der Hand rumwedeln, anscheinend nicht gelesen wurde, »sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen […]« ausgeübt. Artikel 18 GG schreibt fürderhin fest, dass wer die Grundrechte »zum Kampfe gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung mißbraucht« diese Grundrechte verwirke. Jetzt wollen die Empörten in Frankfurt natürlich keinesfalls die Grundordnung antasten, nein, nein. Ihr Protest richtet sich gegen eine schlechte Repräsentation in der Politik und »Verschwendung« oder »Gier« im Finanzsektor. Sie wollen dementsprechend »echte Demokratie« und »gezügelte Finanzmärkte«. Das weiß auch die Rechtsprechung (und wenn auch erst die höchstrichterliche im Nachhinein, wenn es halt alles schon vorbei ist). Wenn die Protestierenden sich aber auf die Grundrechte berufen, machen sie sich einen Idealismus von diesen zu Eigen. Die sind nämlich gar nicht festgeschrieben worden, um die Wohlfühloase jener zu bilden, die vom kapitalistischen Betrieb enttäuscht wurden, sondern im Gegenteil zur Aufrechterhaltung der kapitalistischen Wirtschaft als Geschäftsgrundlage der Demokratie.

Und das heißt jetzt konkret? Das heißt konkret, dass ein Protest, der für einen ganzen Tag einen der zentralen Orte des marktwirtschaftlichen Treibens stilllegen möchte, außerhalb des demokratischen Normalvollzugs verortet und als solcher eben nicht geduldet wird. Die Demo am Samstag ist erlaubt, so wie Nazi-Demos durch irgendwelche Provinzkäffer erlaubt werden. An diesem Vergleich zeigt sich nicht, wie oben vermutet, die Aushöhlung der Grundrechte, sondern die abstrakte Gleichheit jener. Die Einzelinteressen, und seien es die der Mehrheit, zählen nicht, im Gegenteil ist die Staatsgewalt angetreten, das Gesamtinteresse gegen die Einzelinteressen durchzusetzen. Der Wille des Volkes, das Handeln des Volkes, meint nicht das Handeln der Individuen, sondern das Handeln einer Abstraktion (vgl. dazu Der bürgerliche Staat, §2 Souveränität – Volk – Grundrechte – Repräsentation), wie Gesellschaft nicht aus den einzelnen Menschen besteht, »sondern die Summe der Beziehungen, Verhältnisse, worin diese Individuen zueinander stehen« (Marx) ausdrückt. Das Problem ist also nicht, dass die Grundrechte nicht gelten und »legitimer Protest« unterdrückt wird, dass Problem ist, dass die Grundrechte einer Gesellschaft gelten, die fundamentale Kritik (und sei sie noch so zahnlos) an ihr als Grundrecht ausgeschlossen hat. In anderen Worten: Die Protestierenden wollen gegen ein vom Staat geschütztes Wirtschaftssystem angehen und wundern sich dann, wenn der Staat es schützt. Das Berufen auf die Versammlungsfreiheit verbleibt so in der Beschränkung der Demokratie gefangen. Das Aufbringen von Bussen (z.B. aus Berlin), die auf den Weg zu diesen Versammlungen sind, die momentan schlicht und ergreifend verboten sind, ist nichts weniger und nichts mehr als das Durchsetzen der Rechtslage. Nach dieser ist es nämlich verboten, zu verbotenen Veranstaltungen anzureisen.

2. Polizei, Gewalt und Friedlichkeit.

Zu den größeren Aufregern des gestrigen Tages gehörte es, man mag es Farce nennen, dass tatsächlich ein Bulle eingesetzt wurde, der im Zuge der S21-Proteste mal Demonstrant_innen geschlagen hat. Für die Kommentator_innen des öffentlich-basisdemokratischen Kurznachrichtenfunkes Grund genug für einige Vermutungen. Für die einen ist er Nazi, die anderen rufen ihn dazu auf, »sich gleich mal von #Blockupy zu verpissen« ein anderer (ich habe den Tweet leider ausgedruckt und dann verlegt) scheint es offensichtlich, dass der unliebsame Ordnungshüter geschickt wurde, um die Protestierenden zu provozieren. Nicht, dass die Anwesenheit von ein paar hundert Bullen Grund genug wäre, sich provoziert zu fühlen. Dieser eine spezielle ist das. Wenn man das auf alle bundesdeutschen Hundertschaften und Streifenbullen anwenden würde, die im Dienst schon mal jemanden geschlagen haben, hätte vermutlich jeder Polizeieinsatz den alleinigen Grund die Betroffenen durch Anwesenheit bestimmter Einzelfälle zu provozieren. Nene. Nichtsdestoweniger hallen die Aufrufe durch die Gänge, dass man sich auf keinen Fall provozieren lassen soll, dass die Friedlichkeit die stärkste Waffe des Protestes sei usw. Stimmt schon, die Staatsgewalt, gewandt gegen das Volk, das gibt immer feine Bilder in den bundesdeutschen (vielleicht gar weltweiten!) Medien ab. Danach wird dann zwei Tage ein wenig Kritik geübt. Nicht an der Staatsgewalt an sich, sondern an den Ausschweifungen jener. Vielleicht gibt es noch eine Runde bei Jauch, in der der Bundesinnenminister »hart durchgreifen« sagt (was anderes kann er nämlich gar nicht sagen, Berufskrankheit), Geißler den Schlichter spielt (Knüppel: ja, aber mit Zuckerwatte), Schäuble sagt »Es ist ja nicht alles gut, deswegen bin ich mal hierher gekommen« und im Publikum Leute mit hässlichen T-Shirts sitzen, die dann auch mal befragt werden, um der Basisdemokratie Genüge zu tun.

So weit wird es aber nicht kommen. Wenn es nach dem Willen der Protestierenden geht. Zwar bringt sie das in ein Dilemma, das irgendwo in den tausenden Kommentaren auch mal erkannt wurde: Ohne Gewalt wird gar nicht berichtet, mit Gewalt nur über die Gewalt. Da alleinig der Maßstab »Es wurde berichtet« reicht (für Satisfaktion oder Shitstorm), kann ein klein wenig Gewalt den Protestierenden nur recht sein. Ist es aber nicht. Man muss sich ja alleine schon »von Chaoten abgrenzen« – während Pressemeldungen veröffentlicht werden, dass der Protest sich keinesfalls spalten lasse. Von Zeit zu zeit heißt es, dass die staatliche Gewalt zu akzeptieren sei und es halt keine Gewalt neben ihr geben dürfe (Grundgebote, Artikel 2). Zwar ist man sich nicht zu blöd (s. Absatz 3) sich auf eine Stufe mit den Protestierenden weltweit zu stellen, aber friedlich. Weiteres zur Gewalt will ich an dieser Stelle nicht anmerken und verweise stattdessen auf einen alten Artikel zur Gewalt, einen Text zur Militanzdebatte und eine kommende Rezension des Buches »Von der Diktatur zur Demokratie« von Gene Sharp in diesem Blog.

3. Kuriositätenkabinett.

Deadline für dieses Kabinett ist 15.40h gewesen, man muss ja irgendwie zum Ende kommen, die Auswahl ist vollkommen subjektiv und sicherlich nicht komplett.

»Ok, wenn die Banklobbyisten #Blockupy Demo verbieten, Plan B: Konten leer räumen. Und zu Sparkassen wechseln.« (Frank)

»#OCCUPY #REICHSTAG RT @broeselbub: Totalitäre Staaten verbieten Demos, weil sonst was über üble Machenschaften nach außen dringt. #Blockupy« (Schwarz Weiß)

»›Dieser Zug hält nicht an der #Taunusanlage!‹ Müsste ich da jetzt hin wäre ich ziemlich sauer! #Blockupy #Frankfurt« (Oliver Schellpepper)

»Spontan-Demos mit 3 Leuten können nicht verboten werden#Blockupy #Frankfurt #Occupy http://t.co/BmsxFS7U« (Zimbi)

»#blockupy Diese Protestler müssten jede Uniform die sie mit Farbe versaut haben ausnahmslos bezahlen. Kein Pardon für Störenfriede…« (Strolch von nebenan)

»Uni #Frankfurt wird wegen #Blockupy geschlossen. Asta ist über autoritäre Präsidiumspolitik schockiert http://t.co/6SBDlylr« (ak. analyse & kritik)

»Das bespritzen von Polizisten ist NICHT friedlich! #Occupy ist NICHT friedlich! Blockadecamps sind NICHT friedlich! #frankfurt #Blockupy« (Luca Leittersdorf)

»RT @Dahonk: Was gerade in Frankfurt passiert, erinnert mich an die letzten Tage der DDR 1989. Danach brach das System zusammen.#blockupy« (Thom Twitting)

»#zumglueck89nichtaufdiestrasse ›16 Menschen wurden vorläufig festgenommen‹ (Frankfurt) & ›18 Menschen wurden festgenommen‹ (Baku) #blockupy« (Else)

»Es ist leichter in Teheran gegen die Mullahs zu demonstrieren, als in Frankfurt gegen die Globalisierung #blockupy« (H. Martin)

»Wann verhängt die schwarz-grüne #Junta wg. #Blockupy das Kriegsrecht über #Frankfurt? Was kommt noch? #Ausgangssperren?#cdu #grüne #fail« (Andreas Marktzyniker)

»Wenn meine Schule uns schon nach Hause schickt um unsere Sicherheit zu gewähren, heißt das was. #Blockupy« (Jessy.)