Sehnsüchtig erwartet fand am Samstag, dem 18.12.2011 die Veranstaltung „Rechtpopulismus und die Linke“, organisiert von der bauchlinken NEA („North East Antifascists“) und der Trend Online Zeitung, statt. Bereits im Vorfeld gab es auf der Facebookveranstaltungsseite kleinere verbale Schlagabtausche, sodass Prognosen von „der komplette Saal diskutiert gegen das Podium“ bis „Antiimpschläger springen auf alles, was die Stirn runzelt“ abgegeben wurden.
Zu dem sogenannten „Teach in“ erschienen soviele Leute, dass die Zuspätkommer nur noch Platz auf dem Boden fanden, wer meint, zum Thema Antideutschenbashing sei bereits alles gesagt, der irrt scheinbar.

Auf dem Podium, das nach Eigenaussage selbstverständlich nicht zur Selbstdarstellung angetreten war, fanden sich der leicht wirr wirkende Attila Steinberger, ehemals Krisis, nun Lieblingsreferent der kurz vor der Bedeutungslosigkeit stehenden NEA, der Jungle-World-Paris-Korrespondent Bernard Schmid, bei dem durchaus fraglich ist, was ihn ausgerechnet zu diesem Blatt trieb und dessen Anwesenheit wohl soetwas wie ein heterogenes Podium vorgaukeln sollte und Gerhard Hanloser, der insgesamt am souveränsten wirkte.

Vorweg muss gesagt werden, dass der Titel der Veranstaltung etwas irreführend war. Eigentlich war die Überschrift des Ganzen „Warum die Bahamas ein rassistisches Mistblatt ist“.

Denn „die Antideutschen“, über die Georg Klauda zu Beginn noch nicht als homogene Masse sprechen wollte, es aber trotzdem die ganze Zeit tat, das ist die Bahamas, der durch die Bezeichnung „Zentralorgan der Antideutschen“ eine Bedeutung zugeschrieben wurde, von der sie selbst wohl nur träumen kann, und noch ein paar andere Schreiberlinge. Und sonst nichts. Darin waren sich alle Beteiligten einig.

Selbst auf Nachfrage aus dem Publikum, wie es sich denn mit antideutschen Antifagruppen verhielte, stammelte Steinberger nur zusammen, dass er die ja ausschließlich aus dem Internet kenne und dazu auch nicht viel sagen könne.

Gerhard Hanloser eröffnete die Runde mit einer Darstellung der sogenannten Bahamasideologie ähnlich wie in dem von ihm mitgeschriebenen Buch „Der bewegte Marx“ mit dem Begriff des Zirkulationsmarxismus, der von Klassengesellschaft nichts wissen möchte. Das sogenannte „Antideutschland“, das er ohne weitere Begründung als Synonym für „die Antideutschen“ benutzte, die er für die deutschesten der Deutschen hält, schlage sich seiner Meinung nach durch die Ausblendung sozialer Kämpfe zwangsläufig auf die Seite der Herrschenden und der Nation.

Weiter ging es mit Bernard Schmid, der sich in einem Abriss der Geschichte der Antideutschen versuchte und zugab, früher ebenfalls dort verortet gewesen zu sein. Georg Klauda stimmte in den Chanson der Reue gegenüber der eigenen politischen Vergangenheit ein und beide versuchten, ihre Geschichte aufzuarbeiten, indem ein bunter Refrain aus „seit 9/11 gehen die aber garnicht mehr“ gesungen wurde. Schmid verglich seinen ehemaligen Helden Elsässer mit Mussolini und zeigte die Tiefe seiner Analyse, indem er Sören Pünjer mehrfach als „Würstchen“ titulierte.

Am – eh schon zweifelhaften – Niveau mussten weitere Abstriche gemacht werden, als Attila Steinberger das Wort erhielt. Völlig wirr arbeitete er sich an diversen Zitaten von Grigat, Küntzel und der Bahamas ab und feierte Sternstunden der Kritik, indem er die Exstenz eines Ummasozialismus durch Kreditangebote islamischer Bankinstitute versuchte zu widerlegen. Die wären schließlich auch mit Zinseszinz. Als Highlight des Kurzvortrags kann Steinbergers These, Milton Friedman könne ja nicht antisemitisch gewesen sein, er war ja selbst Jude, gesehen werden. Leider begriff Steinberger nicht, dass das Publikum hier und desöfteren sonst nicht mit, sondern über ihn lachte und warum Friedman Antisemit sein soll, blieb auch unklar.

Nach ein paar kurzen Fragen der Moderation an die vortragende Altherrenriege, bei deren Beantwortung zum hundertsten Mal – selbstverständlich mit Recht – der Rassismus der Bahamas betont wurde, wurde der Ring dann endlich eröffnet.

Generell hat sich die Moderation ganz gut angestellt, längere Wortbeiträge ohne konkrete Frage zu verhindern, auch wenn sich Herr Klauda dabei deutlich geschickter zeigte als sein Moderationskollege, dessen Taktik einzig darin bestand, ins Mikro zu rufen, dass er ja lauter könne.

Wie eingangs erwähnt, konnte auf die Frage, was denn zu anderen antideutschen Gruppierungen, die sich im Gegensatz zur Bahamas durchaus der radikalen Linken zurechnen, zu sagen sei, keine wirkliche Antwort gefunden werden und auch sonst diente die „Diskussion“ eher der eigenen Positionierung und war vom eigentlichen Inhalt des Wortes meilenweit entfernt, was durchaus auch daran gelegen haben könnte, dass vom Podium eher kein Austausch, sondern nur ein einseitiges Frage-Antwortspielchen gewünscht war.

Ganz nebenbei rutschte dem Herren Antirassisten Klauda dann noch ein „Asylanten“ in den Mund und die Antiimpschläger von Zusammen Kämpfen führten sich auf wie eine Mischung aus Fußballkurve und Jubelperser, wobei man sich manchmal wohl aus Verständnislücken unsicher war, ob nun geklatscht oder böse geguckt werden muss. Den bösen Blick ließ man im Zweifel lieber ins Publikum schweifen.

Während ein Podiumsteilnehmer dem politischen Gegner, nicht Feind, denn Feindschaft müsse ja gepflegt werden, Neurosen attestierte, ging der NEA, die zwar keine Ahnung hatte, aber immerhin Tresen gemacht hat, die Mate aus, was angesichts mancher Publikumsbeiträge („Denen sollte man mal aufs Maul haun!“) sicher eine günstige Fügung war, denn übrig war nur noch Bier und damit geht schließlich alles besser.

Alles in allem haben wohl ausschließlich die Jungs von ZK hier etwas Neues gelernt, von nun an können sie, nachdem sie Leuten, die sie unter „antideutsch“ subsummieren, nach der Faust im Gesicht noch hinterher rufen „für weil wegen Bahamas und so“, da fällt sicher in nächster Zeit nochmal eine Packung Merci für die Gruppe ab, die vor 2 Jahren noch ein Konzert mit Makss Damage plante und kürzlich ein Plakat erstellte, das genau so von Lichtenberger Nazis im Weitlingkiez plakatiert wurde.