Im JUNI-Magazin für Kultur und Politik schrieb Sascha Verlan vor einigen Jahren über die damals noch recht frische »Gangster«-Rap-Bewegung in Deutschland: »Sie [Aggro Berlin etc.; Anm. RnR] bedienen die Klischees, um davon finanziell zu profitieren, nicht um sie zu brechen, wie es gute HipHop-Tradition wäre. Nein, hier geht es niemandem um HipHop oder gar darum, die Verhältnisse zu ändern. Es geht schlicht um Publicity, es geht um Öffentlichkeit und es geht um Verkaufszahlen.« Die jungen Rapper und ein paar wenige Rapperinnen kamen aus einem Ghetto, das sie selber erschufen, sie »verwechselten Härte mit Gewalt, Authentizität mit schlechten Lebensverhältnissen« (Verlan).

So geht das mit Bushido seit ungefähr unzähligen Alben und Singles, Möchtegernskandalen und Preisen. Wo die Beats früher noch aus purer Not schlecht waren, sind sie es heute aus der puren Gefälligkeit, die Popmusik auszeichnet, die schon immer nicht auf die Verkaufszahlen schielt, sondern diese fest im Blick hat. Das hat natürlich nichts mehr mit dem mysteriösen Bordstein zu tun, von dem er sich mal verabschiedete, um – Authenzität oder was auch immer sei gelobt – zwei Alben später wieder zu ihm zurückzukehren. Es spricht zwar nichts dagegen, ein Album in einer limitierten Edition für 39,90€ zu verscherbeln, es spricht aber auch nicht sonderlich viel dafür. Es spricht auch nichts dagegen, 10 Jahre den gleichen Aufguss schlechter Raps zu verkaufen, nur auch wieder nicht sonderlich viel dafür. An dieser Stelle sei fairerweise erwähnt: Es spricht auch nichts dafür, den gleichen Aufguss schlechter Raps immer wieder zu kaufen.

Wenn Bushido es schon nicht lassen kann, von Authentizität zu schwafeln und eine Marke zu verkaufen, dann wäre es vielleicht an der Zeit, seine Authentizität zu erneuern und vom harten Leben mit dem Aushandeln von Plattenverträgen zu erzählen. Blöd nur, dass das nun wirklich niemanden mehr interessiert. Dann halt wieder die immergleiche Melange aus Punchlines hart wie Butter nach einer Stunde in der Sonne und schlecht inszenierter Gewalt. Ein kleines bisschen Aufschrei im Feuilleton ist sicher wieder drin. Film ab.