Ein großer Wurf! Gestern wurde bekannt, dass die ehemaligen Betreiber_innen der Bar25 (heute gegenüber im Kater Holzig involviert) mit ihrer »Holzmarkgenossenschaft plus eG« das Höchstgebot für das Gelände der ehemaligen Bar25 vorgelegt haben und damit in der Lage sind, Eigentümer_innen dieses Streifens Land zu werden (auch, wenn die offizielle Entscheidung der BSR erst am 17. Oktober verkündet werden wird). Das ist insofern besonders, weil damit an der Spree nicht das zigste Gebäude mit Wachschutz und Zaun gebaut wird. Die eG plant ein Dorf mit Park, Kidzklub und Imweiterensinnegewerberaum, Details sind der Seite der eG zu entnehmen. So weit, so ganz sympathisch. Unter den richtigen Vorzeichen, könnte das sogar ein Projekt sein, dass die in diesem Blog schreibenden Dauernörgler zufriedenstellen würde. Im Folgenden soll aber genörgelt und nicht zuletzt gezeigt werden, dass die Übernahme des Geländes nicht mal versucht, der kapitalistischen Dynamik eine Bremse in den Weg zu legen.

Die Artikel der Holzmarkt Genossenschaft offenbaren es schon, die, die da angetreten sind, sind auf einem Werbefeldzug für ein Berlin, dass sich nicht über große Unternehmen, sondern über Dynamik, Start Up, Fail Down und Jutebeutel als allgegenwärtige Werbefläche definieren möchte. Man propagiert Nachhaltigkeit, Synergieeffekte, bietet 24h Kinderbetreuung für Eltern kurz vor der Deadline, man achtet die Identität des Geländes, um sie nicht mit Glasbauten zuzustellen. Neubauten gelten für die Kritik der modernen Stadt gerne als seelen- oder kontextlose Gebilde, die sich in das gewachsene Konglomerat der bestehenden Stadt einfressen. Das ist selbstverständlich eine romantisierende Vorstellung der Stadt – in deutschen Großstädten dank der alliierten Umbaumaßnahmen während des Zweiten Weltkrieges besonders signifikant. Was heute als Stadt zu sehen ist, ist immer das Projekt von Brüchen und Konstanz, von Brand und Ausbau, Verfall und Kernsanierung. Ob die eine Seite der anderen vorzuziehen sei, ist wohl eine Frage, die sich nur geschmäcklerisch, also gar nicht, beantworten lässt.

Sicher ist aber, dass der Plan »Holzmarkt plus« kein Gegenmodell zu einer kapitalgetriebenen Bebauung öffentlicher Flächen ist, sondern nichts weniger als die zeitgemäße Umsetzung dieser Bebauung. In einer Stadt, deren maßgebliches Potential keine Industrie ist, sondern die Fähigkeit der Bewohner_innen als BeamtIn oder Lebenskünstler_in zu überleben, durch hippe Stadtteile und Clubs Tourist_innen anzulocken, ist es zwar nur folgerichtig, dass diese auch Kaufkraft auf sich vereinen, was auf der einen Seite (Politik, Wirtschaft) gerne nicht gesehen wird, auf der anderen aber auch kein Lob für die ist, die die Kaufkraft auf sich vereinen. Letzten Endes ist der Bebauungsplan »Holzmarkt plus« das längst hinfällige Symbol einer Individualisierung der Konkurrenz, in der nicht mehr die Belegschaft von Toyota versucht, die von Opel niederzukonkurrieren, sondern jede_r selber gucken muss, dass der Auftrag nicht an den Typen geht, der im Café neben einer sitzt.

Bei der immer noch existierenden kapitalistischen Totalität ist es kein Wunder, dass auch die Holzmarkt plus eG nicht weniger ist, als Akteurin in einer Dynamik, die derzeit die Lebenshaltungskosten in den zentralen Berliner Bezirken signifikant steigen lässt. Die Sprache der eG lässt, wie bereits erwähnt schließen, dass sie sich dieser Rolle vollends bewusst ist, von einer kritischen Reflektion ist bis dato allerdings nichts zu spüren. Von den Betroffenen einer so entstehenden Verdrängung, man könnte es Gentrifzierung nennen, wäre der Begriff nicht mittlerweile so inhaltsleer wie die durchschnittliche Besucher_in der Bar25 am Montagmorgen, ist auch niemandem geholfen, wenn die kreative Bohème ein volksoffenes Vorzeigeprojekt an der Spree ihr Eigen nennt. Man sollte in der Freude wenigstens anerkennen, dass das, was dort an der Spree passiert ist, nicht weniger ist als Lobbypolitik – gepaart mit einer Prise Recht des Stärkeren. Den Verdrängten kann es auch scheißegal sein, ob die Holzmarkt eG »die Narbe zwischen Ost und West« kaschieren kann, sie vom Spaziergang an der Spree abgehalten werden, oder eben nicht. Die Verdrängten werden nicht mehr da sein, wenn sie Vorzüge oder Nachteile einer so oder so gelagerten Bebauung aushalten müssten.

Man sollte dabei nicht den Fehler begehen und die Verdrängungsdynamiken auf die Schultern einzelner Personen oder Zusammenschlüsse laden – diese stehen den Dynamiken letztendlich so ohnmächtig gegenüber wie jede_r andere Akteur_in auch. Man sollte aber auch nicht den Fehler begehen, aus der Ohnmächtigkeit einzelner eine Ohnmächtigkeit aller abzuleiten. Gerade ein Projekt, dass sich vermeintlich für ein solidarisches Miteinander einsetzt, hat immer die Möglichkeit sich der ihm eigenen Öffentlichkeit zu bedienen, gerade wenn es eine so massive ist, wie in diesem Fall. Es wäre mehr als ein feiner Zug, wenn diese Möglichkeit nicht nur dafür genutzt würde, Wunschvorstellungen der eigenen Peer-Group zu manifestieren. Damit wird man die Probleme dieser Erde nicht lösen können, aber man kann ein Bewusstsein dafür schaffen, dass diese gelöst werden müssen. Auch wenn diese Lösung sicherlich nicht so einfach und erfolgsversprechend ist, wie das Lösen von Radmuttern an Polizei(angestellten)fahrzeugen.