Es ist nicht alles zum Haare raufen. Manches ist auch zum unterm Tisch liegen und weinen. Oder lachen. Zum Beispiel, wenn ein Kolumnist des iranischen Auslandssenders Press TV halluziniert, dass Julian Assange, derzeit politischer Gast des ecuadorianischen Konsulates in London, in Wahrheit, na klar, Agent des Mossads ist. Das ist jetzt nicht unbedingt sonderlich überraschend, die Redaktion des Spektakels wartet nur darauf, die Meldung zu empfangen, dass Ahmadinejad, derzeit politischer Hetzer in Teheran, der Weltöffentlichkeit verkündet, dass ein gewisser Ahmadinejad Agent des Mossads, der CIA und der Kleingartenkolonie Mittel-Zeilitzheim ist, um endlich den Untergang aller Kultur bekanntgeben zu können.

Das wäre lustig. Dauert aber vermutlich doch noch ein bisschen. Deswegen sollten wir uns dem ganz normalen Wahnsinn vor unserer Haustür zuwenden. In der BILD-Zeitung, inoffizielles Propagandablatt der (naja, nicht immer) freiheitlich-demokratischen Stammtischordnung, darf immer noch ein gewisser F. J. Wagner seine Kolumne abliefern. Jeden Tag. Die Ausgaben sind, das muss man ihm lassen, trotz mindestens vier Sätzen, in sich stimmig (sieht man von Kleinigkeiten ab, dass er es nicht schafft, konsequent eine_n Adressat_in beizubehalten usw.). Aber was passiert, wenn man die Ausgaben einer Woche oder gar eines Monates mal auf Kohärenz abklopft? Gar nicht nötig. Frei nach dem Motto „Was interessiert mich mein Geschwätz von vor 2 Wochen Tagen gestern“ hüpft sich der Wagner Franz durch seine Feindbilder.

Als der FC Bayern München sich einen neuen Spieler kaufte, Javi, 40 Millionen €, musste der Wagner natürlich was dazu sagen. Neben ein bisschen Rassenschau („Javi Martinez sieht nett aus. Wenn er lacht, zeigt er schöne Zähne.“) eine knallharte Analyse: „40 Millionen habt Ihr hingeblättert, weil Ihr verzweifelt seid. Weil Ihr nicht verlieren könnt. Weil Ihr die Leere, die Dunkelheit nicht ertragt.“ Ja, es muss schrecklich dunkel und leer sein auf dem zweiten Platz der ersten Bundeslige (letzte Saison). Fast so dunkel und leer wie im Herbst. Zu dem, Überraschung, hat Wagner natürlich auch ein kleines bisschen Wehrmachtssenf hinzuzugeben: „Der Herbst bringt die Kälte. Man rutscht aus, bleibt liegen und dann erfriert man. Ich habe Angst, wenn die Sonne nicht mehr scheint. Wenn die Sonne scheint, überleben wir.“

Und so sind sie beide getriebene, der FC Bayern München, der sich Superstars kauft, und der Wagner, die arme Pottsau, die nur drei Wochen Urlaub in Südfrankreich machen durfte, bevor sie wieder in den heimischen energieeffizienten vier Wänden frieren muss. Armes Haserl.