Um die Nachricht des Tages vorwegzunehmen: Ich bin jetzt Cro-Fan. Der macht zwar ungefähr so nichtssagende, weil jeglicher Denkleistung beraubte, Popmusik wie die Postpunks (im schlechtesten Sinne) von den Toten Hosen, geht dabei aber nicht auf die Nerven. Seine Live-Performance mit einer Bühne voller Cros ist dann auch das Highlight der gestrigen Show. Zwar nicht direkt neu, aber immerhin ein aktualisiertes Zitat eines Auftritts von Eminem.


Ansonsten kann man, das meint das bundesdeutsche Feuilleton und die paar Popkulturspacken außerhalb dessen, vom ECHO halten, was man will. Dass die deutsche Inszenierung von Pop schon immer an der nationalen Borniertheit oder einer Unfähigkeit zur Inszenierung außerhalb von Parteitagen (pun intended) scheitert, ist nun wirklich weder eine neue These noch eine spektakuläre. Wenn deswegen bei SPON oder der Süddeutschen heute wieder konstatiert wird, dass alles langweilig war, ist das langweilig. Horkheimer und Adorno wussten das schon länger. Irgendwo im Kulturindustriekapitel der Dialektik der Aufklärung hielten diese fest, dass realitätsgerechte Empörung die Warenmarke derjenigen ist, die dem Betrieb eine neue Idee zuführen wollen. Der gestrige Versuch einer aalglatten Selbstbeweihräucherung der schön Erfolgreichen und leidlich Schönen blieb ohne jede Empörung (die Mini-Empörung um Frei.Wild hatte sich schon recht bald erledigt, weit vor gestern 20.15h) und ohne jede neue Idee. Anstatt Ideen übt man sich in Star-Recycling, Einspieler-Werbefilmchen, und Höhnerscher Feier- und Frohsinn-Kotzerei. Immergleich stays Immergleich.


Der Witz des ECHOs ist ein anderer, wenn auch kein guter. Ein Preis, der auf der Basis der Beliebtheit bei denjenigen vergeben wird, die in jeder Umfrage wieder bezeugen, wie ekelhaft sie als Kollektiv sind, die Deutschen, ist keine Auszeichnung, sondern eine Beleidigung. Robbie Williams’ Reaktion auf seinen Echo, ungespielte Langeweile, wird so zur einzig richtigen. Die Sache mit dem Eigenlob kriegt er, auch kein Wunder, wesentlich besser hin als BAP-Niedecken.


Und sonst so: Frida Gold versucht die 90er wiederzubeleben mit einer grausamen Cover-Version eines grausamen Liedes, dessen grausamen Namen ich zum Glück schon wieder vergessen hatte, Cascada zeigt Dance-Pop zum Gähnen. Selbst das zweite Highlight, Emili Sandé, muss mit einem »Naja« vermerkt werden. Das glorreiche Ende ist der ECHO fürs Lebenswerk (national) für Hannes Wader, garniert mit einer Meyschen Gutmenschenlitanei, die man bis zum Moment, an dem sich Wader mehr davon wünscht, fast unverdient finden möchte. Auch Wader verzichtet dann auf eine neue Idee (Die Internationale, Der heimliche Aufmarsch, ich hätte fast alles mit Kusshand genommen) und trällert seinen Kosens-Hit »Heute hier, morgen dort«. Ein beeindruckendes Beispiel dafür, dass zwar tatsächlich »nichts bleibt, wie es war« – es allerdings auch nicht besser wird. Auch und gerade nicht mit den Toten Hosen. Ende. Nicht ohne ein weiteres Mal »An Tagen wie diesen« ertragen zu müssen. Tagesthemen. Snafu.